Da die Weinkultur in Wien durch Urbanisierung bedroht ist, hat eine neue Generation von Winzer beschlossen, dass der Grüngürtel wohl am besten erhalten bliebe, wenn Qualität und Marketing dieser einzigartigen Weine verbessert würden.
Als Fritz Wieningers Riesling in einer verdeckten Vergleichsprobe von österreichischen und deutschen Rieslingen anlässlich der VieVinum 2004 die höchste Wertung von allen erhielt, bedeutete das nicht bloß einen weiteren Preis in seiner umfassenden Sammlung; die Anerkennung einer Jury aus renommierten internationalen Weinkritikern galt nicht nur seiner Person, sondern auch dem Wiener Wein im Allgemeinen. Dieser Riesling des Jahrgangs 2002 kam von den Muschelkalk- und Lehmböden der steilen Lage Nussberg in Döbling. Nussdorf und Grinzing sind die bekanntesten Weinorte in Döbling am westlichen Stadtrand südlich der Donau. Die Böden sind schwer und kalkreich, das Klima ist nicht nur für Riesling perfekt, sondern auch für Grünen Veltliner, Neuburger, Sauvignon Blanc und elegante Chardonnays.
Die Heurigen dieses Bezirks sind ein Touristenmagnet. Mit zunehmendem Qualitätsbewusstsein der Konsumenten und qualitätsorientierter Vinifikation steigen die Flaschenwein-Verkäufe von Rebsortenweinen aus diesen Edellagen kontinuierlich an.
Am anderen – nördlichen – Donauufer ist der zweit bekannteste Weinberg in Wien, der Bisamberg in Floridsdorf. Die Böden hier, Lehm- und Kalkböden mit gutem Wasserabzug, sind ideal für Grünen Veltliner, Weißburgunder und Chardonnay. „Durch die Biegung der Donau streichen die Westwinde über die Donau und machen ein Klima, das dem der Wachau ähnlich ist“, erklärt der Winzer Rainer Christ. Vom Bisamberg aus sind alle bekannten Wahrzeichen der Stadt zu sehen: der Stephansdom, das Riesenrad, der Millenniumstower und die UNO City. Dort befindet sich auch die einzige Kellergasse Wiens und lädt zu romantischen Spaziergängen. Zweimal jährlich werden hier Weinfeste gefeiert und Heurige findet man an fast jeder Ecke von Stammersdorf, einem Bezirksteil von Floridsdorf.
Ein weiterer wichtiger Weinbaubezirk ist das im Süden Wiens gelegene Liesing, dessen bekanntester Teil Mauer ist. Da es sozusagen am Rande der Wiener Peripherie liegt, kommen Touristen seltener in diese Gegend als nach Grinzing und Nussdorf in Döbling. Die Heurigen hier sind daher noch authentischer. Michael Edelmoser, Winzer in Mauer, erklärt: „Die Böden hier sind sehr unterschiedlich, Lehm in den Lagen Leiten und Kadolzberg, leichtere Böden in Sätzen. Das Klima ist stärker durch die warme ungarische Tiefebene beeinflusst.“ Daher gibt es hier auch mehr Chardonnay, Weißburgunder und Neuburger sowie die meisten Wiener Rotweine, die von dem warmen Mikroklima an der Südseite Wiens profitieren. Mit einer Ausnahme: In der Lage Reisberg findet man Urgesteinsböden und die Nächte sind sehr kühl, was sie für Riesling geradezu prädestiniert.

Lisi und Fritz Wieninger produzierten hoch dekorierte Weine an beiden Ufern der Donau.