Die Österreicher haben ihr Potenzial bei Rotweinen immer unterschätzt, bis ein paar Pioniere Mitte der 80-er Jahre die Weinwelt mit einigen wirklich hochklassigen und komplexen Rotweinen überraschten.
Anton Kollwentz, Ernst Triebaumer, Hans Igler und Georg Stiegelmar waren die Revoluzzer, die gegen die allgemein verbreitete Auffassung antraten, nach der Österreich ein Weißweinland sei, in dem nur leichte, einfache Rotweine möglich wären. Sie begannen mit kleinen neuen Eichenfässern zu arbeiten und pflanzten neben den alteingesessenen Sorten auch Cabernet Sauvignon, Merlot und Pinot Noir. Da an österreichischen Weinbauschulen der biologische Säureabbau (malolaktische Gärung) nicht unterrichtet wurde, sandten die autodidaktischen Radikalen ihre Söhne und Töchter ins Ausland, um im Bordeaux, in Australien und Kalifornien Erfahrungen bei der Rotweinbereitung zu sammeln. Der internationale Kontakt war nicht nur ein wichtiger Katalysator bei der Weinbereitung, sondern verbesserte und modernisierte auch die Ausbildung im Weinbereich. So verführerisch diese neuen globalen Erkenntnisse auch waren, hielten die Weinmacher dennoch an ihren heimischen Sorten fest, anstatt eine weitere Version einer international vielleicht bekannteren Rebsorte auf den Markt zu bringen.
Zweigelt, eine Kreuzung aus Blaufränkisch und St. Laurent, ist die wichtigste österreichische Rebsorte. Die Sorte gilt als einfach in Weingarten und Keller und liefert fruchtdominierte, zugängliche Weine mit weichen Tanninen. Sankt Laurent ist eng verwandt mit Pinot Noir und außerhalb von Österreich nur selten anzutreffen. Wie sein Verwandter ist auch Sankt Laurent schwierig im Weingarten, wer sich aber durchbeißt, erhält seidige, stoffige Weine mit üppiger rotbeeriger Frucht vor einem erdig-würzigen Hintergrund. Die besten österreichischen Blaufränkischen sind konzentrierte, samtige Weine mit dunkelbeeriger Frucht, mineralischem Aroma und einer spannenden Würzigkeit, die Rebsorten aus anderen Regionen nicht aufzuweisen haben. „Die schweren, gut drainagierten Lehmböden mit ihrem Eisenanteil machen unseren Blaufränkisch so pikant und mineralisch“, erklärt Reinhold Krutzler, „dazu kommen 5000 Stöcke pro Hektar und eine Klonselektion, die kleine, dickhäutige Beeren ergibt, das garantiert die gute Harmonie und Konzentration der Weine.“

„Zweigelt kann ein Massenträger sein, aber mit der richtigen Klonselektion und reduzierten Erträgen, werden die Weine sehr konzentriert mit äußerst komplexen Fruchtkomponenten, die von Wildkirschen und Waldbeeren bis zu Datteln und Feigen reichen, dazu kommen rauchige Komponenten und ein bisschen Schwarztee“, erklärt Josef Umathum, Winzer in Frauenkirchen.