Schon vor mehr als 60 Millionen Jahren hat es Weinreben gegeben. In der nacheiszeitlichen Wärmeperiode (vor 10.000 bis 5.000 Jahren) wanderte die Rebe entlang der Donau nach Nordwesten. Der Mensch als „homo sapiens“ fand jene Wildrebe vor, die als Stammform der Kulturrebe mit allen europäischen Edelsorten gilt. Ausgrabungen brachten zutage, dass im Raum des heutigen Österreich schon die Kelten und Illyrer einfachen Weinbau betrieben.
So wurden im burgenländischen Weinort Zagersdorf Tongefäße mit Traubenkernen aus der Zeit um 700 v. Chr. in Hügelgräbern gefunden. Unter römischer Herrschaft entstanden geordnete Weinkulturen: in der Südsteiermark bei Leibnitz (Flavia Solva), am Eisenberg im Südburgenland, um den Neusiedlersee und entlang der Donau, bei Carnuntum, Vindobona (Wien), Aquae (Baden), Augustianis (Traismauer) und Favianis (Mautern). Zwei markante Daten: 228 n. Chr. hebt der Soldatenkaiser Probus das von Kaiser Domitian im Jahre 91 n. Chr. verfügte Anbauverbot für Weingärten nördlich der Alpen auf, um die Versorgung der Truppen zu erleichtern, und fördert die Ansiedlung römischer Legionäre. 470 n. Chr. wurden in der Lebensbeschreibung des hl. Severin (gestorben 482) vom römischen Schriftsteller Eugippius Weingärten bei Mautern erwähnt.
Während der Völkerwanderung wurde der Weinbau schwer geschädigt, erst mit Karl dem Großen (742-814) kam es zum Wiederaufbau: mit Musterweingärten, Sortenbereinigungen und für damalige Zeiten modernen Traubenpressen. Schenkungen von Besitztümern an Klöster waren mit der Auflage verbunden, Reben zu pflanzen und die Weinkultur zu verbreiten. Nach einem Rückschlag durch die Einfälle der Magyaren (890-955) wurden Klöster und Stifte – Niederaltaich, Tegernsee, Freising, Passau, Kremsmünster und Salzburg, aber auch die Zisterzienser aus Burgund – zu Pionieren im Weinbau. In der Wachau, um Klosterneuburg, in der Thermenregion, im Burgenland und in der Steiermark übernahmen die ansässigen Bauern das Wissen um Rebe und Wein. Neben dem geistlichen Weingartenbesitz etablierten sich im Mittelalter zunehmend auch der Adel und teilweise das Bürgertum im Weinbau.
Im 13. Jh. werden die ersten Riedennamen urkundlich erwähnt, so die Kremser Sandgrube 1208 und der Steiner Pfaffenberg 1230. Um 1250 dehnte sich der Weinbau bis in die westlichen Bundesländer wie Salzburg aus. Im 14. Jh. konnte sich Wien als Weinbau- und Weinhandelszentrum im Donauraum etablieren, verbunden damit war auch das erstmalige Einheben einer Weinsteuer (Ungeld) im Jahre 1359 unter Herzog Rudolf IV. dem Stifter. Im 15. Jh. sind einige Extremjahre in die Annalen eingegangen: Der ungenießbare Jahrgang 1456, genannt „Reifenbeißer“, wurde auf Anordnung von Kaiser Friedrich III. zum Anrühren des Mörtels für den Turmbau von St. Stephan verwendet, während der Überfluss an Most im Jahre 1499 den Einbau von „Moststuben“ in die Keller notwendig machte. Trauriger Nebeneffekt: Viele tranken sich buchstäblich zu Tode, der Pro-Kopf-Verbrauch lag damals bei 180 Litern (heute sind es knapp 30!).
Zu Beginn des 16. Jh. hatte der Weinbau die größte Ausdehnung. Weine aus dem westungarischen Landesteil (das heutige Burgenland) gelangten bis Böhmen, Mähren, Schlesien und Preußen, „Ruster“ und „Gumpoldskirchner“ wurden zum Exportschlager. Aus dieser Zeit (1526) stammt auch die erste urkundliche Erwähnung einer Trockenbeerenauslese in Donnerskirchen. Das 17. Jh. brachte einschneidende Rückschläge, zunächst durch die drückende Steuerlast auf Herstellung, Transport, Lagerung und Verkauf von Wein sowie die starke Konkurrenz des Bierbrauens, später durch die Religionskriege, besonders den Dreißigjährigen Krieg. Erst im 18. Jh. ging es wieder aufwärts: Maria Theresia und Joseph II. waren Förderer der Weinkultur. Die Einführung einer allgemeinen Tranksteuer 1780 vereinheitlichte die Abgaben, und der Wirtschaftsaufschwung führte zur Blüte im Weinbau und Weinhandel. Ein kaiserliches Patent Josephs II. vom 17. August 1784 erlaubte jedem Weinhauer, selbst erzeugte Lebensmittel, Wein und Obstmost zu allen Zeiten des Jahres zu verkaufen und auszuschenken – der „Heurige“ war geboren, der heute im Buschenschankgesetz in den Bundesländern Wien, Niederösterreich, Burgenland und Steiermark geregelt wird.
Die nächste Krisenzeit kam im 19. Jh., mit Klimaverschlechterung, Kälteschäden und den aus Amerika eingeschleppten Pilzkrankheiten Oidium (Echter Mehltau) und Peronospora (Falscher Mehltau). Ab 1872 vernichtete die Reblaus einen Großteil der Rebkulturen in Zentraleuropa, und es dauerte Jahrzehnte, bis durch das Aufpropfen europäischer Edelreiser auf Reblaus-resistente amerikanische Unterlagsreben neue Weingärten entstanden. Dabei wurden minderwertige und ertragsschwache Rebsorten ersetzt, der Grüne Veltliner begann seinen Siegeszug. In der Folge der Reblauskrise und der Absatzprobleme wurden Weinbauvereine und Selbsthilfeorganisationen in Form von Winzergenossenschaften gegründet sowie 1860 die erste österreichische Weinbauschule in Klosterneuburg (heute die älteste noch existierende der Welt). Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Österreich vom drittgrößten Weinproduzenten der Welt zum kleinen Weinimportland, doch die Aufbauarbeit ging weiter: Erste Weingärten mit Hochkultur entstanden durch Lenz Moser in Rohrendorf bei Krems. Die Weinreben wurden auf Drahtrahmen gezogen, was die rationellere, maschinelle Bearbeitung ermöglichte. Diese Modernisierung verbreitete sich in der ganzen Welt, konnte sich in Österreich allerdings erst nach dem strengen Frostjahr 1956 flächendeckend ausbreiten. Wieder schien der Aufschwung nicht zu bremsen, zumal auch der Weintourismus in der Wachau und rund um den Neusiedlersee erste Erfolge zeigte. Doch 1985 brachten einige Weinhändler durch Beimischung von Glykol zu angeblichen Prädikatsweinen den österreichischen Weinbau in eine bedrohliche Situation, die den Ruf und die Exporte auf Jahre schädigte. Im Zuge der Ereignisse wurde ein neues Weingesetz beschlossen, das im europäischen Vergleich sehr streng und vorbildhaft war – und zugleich Startschuss eines rasanten Aufschwungs, begleitet von den Innovationen einer jungen Winzergeneration, die zu der Zeit in vielen Betrieben die Verantwortung übernahm. Studienreisen in alle Welt, internationaler Erfahrungsaustausch, neue Technologien bei der Weinbereitung folgten – gemeinsam mit gestiegenem Qualitätsbewusstsein in der Weingartenarbeit und ebenso zunehmendem Interesse der Konsumenten am Thema Wein. Neue Sorten erregten Neugier, traditionelle Sorten wurden wiederbelebt, und das bisher stark vom Weißwein dominierte Österreich wurde immer mehr auch zum anerkannten Rotweinland – das österreichische Weinwunder nahm seinen Anfang. Und die Welt wurde auf österreichischen Wein nicht nur aufmerksam, sondern die zahlreichen Auszeichnungen bestätigen seither den Winzerinnen und Winzern erstklassige Qualität bei aller Eigenständigkeit.
In diese Zeit fiel auch die Gründung der Österreichischen Weinmarketingservicegesellschaft (1986) und der Weinakademie Österreich als international anerkannte Schulungsinstitution (1991). 1995 wurde mit dem EU-Beitritt Österreichs auch das EU-Weinrecht übernommen. Die Weingesetznovellen der letzten Jahre zeigten das restriktive Eingreifen des Gesetzgebers auf den Gebieten der Weinbereitung und Weinbezeichnung. Von 2000 bis 2005 konnten zahlreiche Betriebe durch großzügige Förderungen auf internationalen Standard gebracht werden, dazu kamen groß angelegte Umstrukturierungen in den Weingärten, um die Erfordernisse des Weltmarkts von Grund auf berücksichtigen zu können. Mit der Einführung des Appellationssystems DAC (Districtus Austriae Controllatus) wurde in Österreichs Weinhierarchie erstmals die Herkunft über die Rebsorte gestellt. Damit reihte es sich in die Riege der großen Weinländer Italien, Frankreich und Spanien.