wein.purAusgabe 05/2008

Wachauer Top-Lagen: Achleiten, Klaus und Zwerithaler

"Ach - so steile Leiten!" - Solche Seufzer könnte man öfter über Weißenkirchen hören; Achleiten, Klaus und Zwerithaler zählen zu den steilsten Lagen der Wachau. Teil 5 unserer Lagenporträts.

Achleiten

Das mit dem Ausruf dürfte aber eher eine Verballhornung sein. Tatsächlich scheint der Name eher von Eichen, die einmal an diesem Hang ("Leiten") wuchsen, abgeleitet zu sein. Die Achleiten (Rudi Pichler verwendet die alte Schreibweise Achleithen) ist eine seit dem Mittelalter bedeutende Lage, manche Trockensteinmauern gehen auf das 12. Jh. zurück. Sie reichen bis auf eine Höhe von ca. 350 m mit einem "Spitz", der bis fast 400 m emporragt. Etwa die Hälfte der 19 ha wird bei der Domäne Wachau verarbeitet. Gföhler Gneis, Paragneis und Amphibolitgesteine in unterschied" Ach – so steile Leiten!" lichen Schieferungen prägen die Böden. Das sind die Fakten, sie alleine können aber nicht die Ausnahmestellung dieser Lage erklären. Da ist zum einen die geografische Lage im Zentrum des Weinanbaugebietes: Achleiten liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen Spitz und Unterloiben, vereint die Spitzer Kühle mit der Loibner Opulenz. Es ist eine der engsten Stellen des Tales, wo die Terrassen praktisch bis zur Donau hinunterreichen. Die Süd-Südostexposition zusammen mit dem fast permanenten Wind und dem deutlichen pannonischen Klimaeinfluss erlauben lange Hängezeiten der Trauben, ohne größere Bortrytisgefahr, wie Hans Altmann vom Weingut Jamek erklärt, und er bringt den Stil der Weine auf den Punkt: "Es ist eine der wenigen Lagen, die für Grünen Veltliner und Riesling praktisch gleichermaßen ideal ist. Die Trauben erreichen immer hohe Reife, die Weine sind intensiv, straff und besitzen hohe Säure." "Sie sind auch vor allem in der Jugend oft etwas unzugänglich, fast streng. Das erklärt, warum es aus der Achleiten fast nur Smaragdweine gibt, denn wer möchte schon ein unzugängliches Federspiel?", ergänzt Franz Hofbauer von der Domäne Wachau. Die Weine besitzen ein großartiges Reifepotenzial, bei praktisch allen ist eine ausgeprägte rauchige Note auch im Alter festzustellen, das sogenannte "Achleiten-Stinkerl". Roman Horvath von der Domäne Wachau erklärt es so: "Es kommt von den schiefrigen Anteilen des Bodens, genauer gesagt hat es mit dessen Redoxpotenzial zu tun, welches in der Achleiten besonders hoch ist. Man muss durchaus bei der Vinifizierung darauf eingehen, vor allem durch besonders sensible Schwefelbehandlung und nicht all zu reduktive Verarbeitung." Die Weine zeigen in jedem Reifestadium neben der Rauchigkeit und ausgeprägten Mineralität Kühle und Fülle zugleich, sind geradlinig und stellen irgendwie eine Quintessenz der Wachau dar. Müsste man jemandem die Wachau anhand eines Weines erklären, ein Achleiten wäre dafür besonders geeignet. Roman Horvath: "Es ist vielleicht die typischste und konsistenteste Lage der ganzen Wachau. Das mag auch daran liegen, weil das Qualitätsniveau der Winzer, die hier arbeiten, homogen hoch ist."

Klaus

Praktisch alles, was für die Achleiten gesagt wurde, gilt auch für die Lage Klaus: ähnliche Geologie, ähnliches Kleinklima. Die Besonderheit ist die Enge des Tales, worauf der Name Klaus ja bereits hindeutet. Die schmalste Stelle wurde früher durch ein gotisches Wegkreuz, das "Klaus-Marterl" markiert, die Donau plätscherte hier bis an die erste Steinmauer. Und Klaus ist die extremste, steilste Terrassenlage der Wachau, direkt über der Donau, mit einem durchschnittlichen Gefälle von ca. 40 %, an manchen Stellen bis zu 50 %. Anton Bodenstein vom Weingut Prager nennt sie "Die Rieslinglage schlechthin. Wenn die Wasserfläche der Donau irgendwo klimatisch auf die Reben einwirkt, dann hier, wo sie so nahe am Hang ist." Hans Altmann merkt kritisch an: "Es werden seltsamerweise auch Weingärten in der Ebene als Klaus bezeichnet. Die haben mit der echten Klaus ungefähr so viel gemeinsam wie ein Urgestein, wie hier im Weingarten von Rudi Pichler, verleiht den Achleiten-Weinen ihre spezielle Note Spielzeugdrachen mit einem Segelflieger. Nicht gar nichts, aber auch nicht wirklich viel." Altmanns Schwiegervater Josef Jamek begann vor 50 Jahren mit der Sanierung der bis zu 4 m hohen Trockensteinmauern, manche wurden so für Kleinstmaschinen zugänglich. "Aber 70 % sind reine Handarbeit. Ich würde die Klaus als markant und mühevoll charakterisieren", so Hans Altmann weiter. Insgesamt umfasst die Klaus 5,5 ha, reicht von 220 bis 310 m und kommt durch ihre Süd- Südostexposition in den Genuss der Morgensonne. Während es im Osten der Lage leichte Lössanwehungen gibt, findet man im Westen auch kristalline Gesteine. Die Extreme dieser Lage finden auch in den Weinen ihren Niederschlag: Sie sind kompromisslos mineralisch, weniger fruchtbetont und nicht so pointiert wie die der Achleiten, aber um nichts weniger faszinierend.

Zwerithaler

Diese 1 ha große Terrasseneinzellage im Besitz des Weingutes Prager, eine Subriede des Buschenbergs, reicht von 230 bis 290 m Höhe und ist von ähnlicher Steilheit und Bodenbeschaffenheit wie die Klaus. "Zweri" ist mundartlich für "Zwischen", also liegt der Weingarten zwischen zwei Tälern, jenen des Ringelsbaches und des Schildbaches. Topografisch ähnelt sie einem Amphitheater. Da sie von überhängenden bzw. steil abfallenden Felswänden begrenzt wird, hat sie ein abgeschlossenes, eher kühles Kleinklima. Die Veltliner besitzen mehr Säure als die von der Achleiten, aber weniger Opulenz. Legendär ist der Jahrgang 1911: er wurde in Flaschen gefüllt (damals eine Sensation) und an den englischen Königshof sowie an den Zaren nach St. Petersburg geliefert. Zumindest hier bewiesen die gekrönten Häupter Geschmack.

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