Österreichs Winzer nehmen eine Vorreiterrolle in der Produktion hochwertiger Weine aus biologischer Landwirtschaft ein. Unverfälschtes Terroir und Nachhaltigkeit sind die obersten Ziele.
Mit einem Bio-Bauernanteil von über 11 % und einer biologischen Flächenbewirtschaftung von rund 16 % ist Österreich Europas Bioland Nr.1. Seit jeher nehmen Österreichs Bio-Bauern eine Vorreiterrolle ein, wenn es darum geht, neue Maßstäbe in der Produktion hochwertiger Bio-Lebensmittel zu setzen. Keine Wunder, dass das auch den österreichischen Weinbau betrifft. Mit einer Fläche von 2.400 ha sind 5 % der gesamten Rebfläche Österreichs biologisch bewirtschaftet.
Einige große, renommierte Weinbaubetriebe kommen in Kürze dazu und die Bio-Rebfläche wird bereits im Jahr 2009 auf 7,5 % steigen. Damit hat Österreich im internationalen Vergleich prozentuell den höchsten Anteil von ökologischem Weinbau. Interessanterweise verbreitet sich ökologisches Bewusstsein vor allem unter den höchsten Qualitäten der österreichischen Weine. Nikolaihof und Geyerhof waren sicherlich die Vorreiter im Bio-Segment. Jetzt folgen auch die Weingüter Sepp Moser, Loimer, Ott, Hirsch, Fritsch und andere in Niederösterreich, sowie fast die gesamte Pannobile Gruppe in Gols, einige Betriebe der Leithaberg-Winzer, Feiler- Artinger in Rust und Weninger im Mittelburgenland. Diese Liste ist keineswegs vollständig.
Fast alle nennen eine Besinnung auf hochqualitativen und unverfälschten regionalen Charakter und Umweltbewusstsein als Beweggründe für die Umstellung auf biologischen Weinbau.
Bio-Wein gibt es aber (noch) nicht in Österreich. Auch nicht in der EU. Der Begriff "Bio-Wein" ist noch nicht im EU-Gesetz definiert, wohl aber "Wein aus ökologischem Anbau" oder "Wein aus biologischer Landwirtschaft". Als Grundlage für Produkte aus ökologischem Anbau dient die EU-Verordnung 2092/91, die sich auf Bereiche wie Etikettierung, Erzeugungsvorschriften, das Kontrollsystem, Einfuhren und Warenverkehr bezieht und für alle Mitglieder der EU und somit auch für Österreich bindend ist. Kellerrichtlinien für Bio- Weine sind derzeit nicht EU-rechtlich verfasst.
Mit 1.1.2009 kommt die neue EU-Verordnung 834/2007, die die EEC 2092/91 ersetzt. Diese Verordnung beinhaltet nicht nur, wie bereits jetzt, Statuten für die Produktion von biologisch- organischen Weintrauben, sondern legt auch das Fundament für Kellerrichtlinien und damit auch erstmals für "Bio-Wein". Durch diese Verordnung wird der Begriff "Bio" gesetzlich geschützt und jeder Wein aus biologischem Anbau muss deutlich erkennbar und kontrolliert sein. Betriebe, die Bio-Lebensmittel erzeugen und verarbeiten, müssen einen Kontrollvertrag mit einer Bio-Kontrollstelle abschließen. Eine Umstellungszeit von 36 Monaten beginnt mit dem Abschluss eines Kontrollvertrages. Während dieser Zeit, und natürlich danach, müssen die Bio-Richtlinien eingehalten und mindestens einmal pro Jahr von den Kontrollstellen überprüft werden. Bis zwölf Monate nach Abschluss des Kontrollvertrages gelten die Ernte und der Wein weiterhin als konventionelle Ware, nach den zwölf Monaten gilt die Traubenernte als Umstellungsware. Der korrekte Hinweis darauf ist auch auf einigen Etiketten zu finden "Hergestellt im Rahmen der Umstellung auf biologischen/ökologischen Weinbau". Danach können die Produkte als "biologisch" oder "ökologisch" vermarktet werden. Ein Beitritt zu einem Bio-Verband ist grundsätzlich nicht notwendig, einzig der Abschluss eines Kontrollvertrages mit einer Kontrollstelle ist für die Vermarktung als Bio-Produkt ausschlaggebend.
Jedoch gehören die meisten Betriebe zu einem Bio-Verband. Diese Bio-Verbände haben Richtlinien, die die EU-Mindeststandards einhalten oder übertreffen. So haben beispielsweise in Österreich die Bio-Verbände eine Einschränkung bei Kupfer-Sulfat gegen Pilzkrankheiten auf 3 kg pro Hektar und Jahr anstatt dem EU-Standard von 6 kg. Darüber hinaus haben einige Bio-Verbände im Gegensatz zur EU-Verordnung 2092/91 Kellerrichtlinien. In Österreich gibt es einige weingesetzliche Vorschriften, die strenger sind als die der EU und die gelten für alle österreichische Weine inklusive Weine aus biologischem Weinbau. So ist zum Beispiel seit dem Inkrafttreten des Weinhandelsabkommens mit den USA am 1. Jänner 2006 Produktion und Verkauf von fraktionierten Weinen in der EU zulässig, nicht aber in Österreich.
In Österreich sind in den letzten Jahren hauptsächlich zwei Bio-Verbände im Weinbereich tätig. Bio Austria, nicht nur der größte Bio-Verband Österreichs, sondern ganz Europas, hat derzeit knapp 400 Weintrauben- und/oder Weinproduzenten als Mitglieder. Der österreichische Demeter Bund hat derzeit ca. 20 Weinbau treibende Mitglieder. Aufgrund ihrer gemeinsamen Geschichte stehen sich die beiden Verbände sehr nahe, haben enge Kooperationsvereinbarungen und treten auch nach außen hin gemeinsam auf. Ein dritter Verband, Respekt, hat bereits Richtlinien und Statuten definiert und wartet bei Redaktionsschluss noch auf die Akkreditierung.
Unabhängig von den Bio-Verbänden gibt es das "Österreichische Programm zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft" (ÖPUL). Dieses Programm liefert unter anderem einen Beitrag zur Förderung von umweltgerechten Weinbau- und Kulturlandschaften. Mit dem EU-Beitritt Österreichs wurde das 1. Umweltprogramm ÖPUL wirksam. Für die aktuelle Planungsperiode 2007-2013 wurde nunmehr das vierte Programm geschaffen. Es fördert Umweltleistungen, die über die gesetzlichen Mindeststandards hinausgehen.
So sind zum Beispiel für ÖPUL-integrierte Produktion nur 2 kg Kupfer pro Hektar und Jahr erlaubt. Das ist noch weniger als bei den beiden Bio-Verbänden und bei ÖPUL-biologischer Weinbau. Im Gegensatz zum biologischen Weinbau sind chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel mit Einschränkungen bei ÖPUL integrierte Produktion erlaubt. Die Finanzierung der Fördermaßnahmen erfolgt durch die EU, Bund und Länder. Es gibt Prämien für ÖPUL biologischen Weinbau, für ÖPUL-integrierte Produktion Wein und für ÖPUL-Erosionsschutz Wein.
Österreich verfügt über das strengste Weingesetz Europas und das schon seit Mitte der 80er- Jahre. Daran hat auch der EU-Beitritt nichts geändert. Österreichs Exporterfolge haben das Bekenntnis des kleinen Weinlandes zu Einzigartigkeit, Qualität und Authentizität gestärkt. Eine Vertiefung des Verständnisses von Terroir und Nachhaltigkeit der Wirtschaftsweise erscheinen als der nächste konsequente Schritt. Diese Mentalität spiegelt sich in der harmonischen Zusammenarbeit zwischen den Bio-Verbänden und ÖPUL wider. Mengenmäßig wird Österreich international nie eine große Rolle spielen, setzt aber Maßstäbe in den Bereichen Umweltverträglichkeit und Sozialethik sowie Bio-Weinqualität.