Mit über 2.300 ha Rebfläche ist Blauer Portugieser in Österreich alles andere als eine Quantité negligable.
„Wir können gern eine kleine Tour fahren.“ Harald Schachl, Winzer aus Bad Vöslau und einer der Friends Of Red, ist gerne bereit, den Guide zu spielen. Die Tour führt nicht in die Fremde, sondern zum Fremden. Meiden wir Weinschreiber doch süssen Rotwein – süsser Wein und Süsswein bilden bekanntlich ein Gegensatzpaar – wie der Teufel und das Weihwasser. Aber „das gibt es!“ versichern die Freunde des Roten, in einer „gar nicht geringen Menge“. Süsser Wein aus der Rebsorte Blauer Portugieser hat gemeinsam mit Doppelliter-Schankware das Image der Sorte nachhaltig geschwächt. Das ist auch der Grund, warum sich die meisten Winzer tot stellen, wenn man sie zwecks Einreichung von Proben für eine Blindverkostung „Blauen Portugieser“ anschreibt.
Georg Schneider will sich ebenfalls „nicht über Blauer Portugieser positionieren“. Braucht er auch nicht. Der Tattendorfer Burgundermacher ist für seine exzeptionellen Weine aus St. Laurent oder Pinot Noir längst weithin berühmt. Dennoch ist er bereit, die GENUSS.wein.pur- Verkostung zum Thema „Feslauer“ zu hosten. „Portugieser hat eine lange Tradition, auch bei uns. Wir sollten ihn nur richtig einordnen.“ Ja wo gehört er denn hin, der „Vöslauer“? Darüber sollten wir reden. Wenn man der „Oportorebe“ nichts Unmögliches abverlangt, sie geschickt zu vinifizieren versteht, kann sie ihre Stärken ausspielen. Die sind zweifellos vorhanden, wie auch unsere Blindverkostung ergeben hat. Lassen wir also süssen Wein und Schankware als Chose negligable beiseite und konzentrieren wir uns auf Produktformen, für welche der „Autrichien“ ein gutes Ausgangsmaterial abgibt.
Wenn die Franzosen just Blauen Portugieser als „Autrichien“ bezeichnen, dann ripostieren wir, dass sich diese Sorte ganz hervorragend dazu eignet, der Austro-Beaujolais par excellence zu sein. Wir von GENUSS.wein.pur sind nämlich gar nicht gegen Jungweine. Wir schreiben dagegen an, jene Weine jung zu trinken, die Zeit für ihre Reifung brauchen. Nouvaux sind gerade aus dieser Überlegung eine feine Sache. Mit ihnen kann die Jahrgangsneugierde gestillt werden, ohne dass man sich der mutwilligen Missachtung einer herrlichen Herzenssache schuldig macht. Blauer Portugieser macht als Novello eine überaus erfreuliche Figur. Er wird früh reif, entwickelt recht bald eine geschmeidige Tanninstruktur und ein zart-fruchtiges Bouquet.
Wer nach einem längeren Spaziergang Erholung
sucht und im Heurigengarten ein feines
Glas Wein in frisch-würziger Luft genießen will,
ist mit einem Portugieser gut bedient. In einer
solchen Situation ist ein Trinkspaßwein gefragt,
der mit feiner Frucht und umgänglichem Charakter
ein heiteres Gespräch flankiert. Dass
auch die besseren Bouteillenweine der diskutierten
Rebsorte zu günstigen Preisen angeboten
werden, wird die gute Unterhaltung noch
befördern. Harald Schachl beschäftigt sich intensiv
mit unserer Sorte. In Gainfarn, Am Felde
1, hiel er bis zum 5. März und vom 10. bis zum 23. April seinen Heurigen
geöffnet. Der mit guten zwei Gläsern bewertete Blaue Portugieser „Granat“ kostet dort
nur € 8,40. Zur Konsumation im Lokal. Die
ganze Bouteille. Bernhard Ceidl (sprich: seidl)
gebührt die Krone eines Portugieser-Königs.
Der junge Winzer hat fünf Weine, drei eigene
und zwei als Mitverantwortlicher der Friends Of Red, unter die Top-Acht gebracht. Darunter
seine im kleinen Holz ausgebaute Spätlese 2006. Dieser Wein polarisiert. Bei allen anderen
waren sich die Kommissäre in ihren Bewertungen ganz nahe. Probieren Sie selbst. Schreiben Sie Ihre
Eindrücke an s.wejwar@agrarverlag.at.
Ganz allgemein gilt radikaler Rückschnitt als Voraussetzung für den besseren Wein. Diverse Beiträge behaupten dies auch beim „Badner“. Unsere Verkosterrunde sieht dies differenzierter: „Der Portugieser trägt so gut, dass er, wenn du auf eine Traube pro Trieb zurückschneidest, diese und ihre Beeren viel zu groß ausbildet. Da ist es auch für die Qualität besser, den Ertrag nicht so scharf zu begrenzen.“ Ganz offensichtlich sollte man die Sorte auf unkomplizierte Genüsse hin vinifizieren. Dafür eignet sie sich besonders gut. An Lage und Boden stellt sie keine hohen Ansprüche, meldet solche jedoch beim Winzer an. Wer bereit ist, den Pass anzunehmen und mit der Frucht zu dribbeln, wird einen guten Score erzielen. Im Spiel mit dem Holz verlangt Feslauer fortgeschrittene Fertigkeiten. Die gestrenge Kommission hat mehrmals einen Wein so beurteilt: „Nicht schlecht, aber weniger Holz würde ihm weit besser stehen.“
Ganz allgemein kann gesagt werden: Die meisten Qualitätsweine, welche aus „Frühem Vöslauer“ gekeltert wurden, zeigen ihre Bestform zwischen den zweiten und vierten Jahr nach der Lese. Keine Regel ohne Ausnahme. Der 1997er vom Winzerhof Landauer-Gisperg hat ausgezeichnet gefallen. Allerdings hat sein Bouquet die Koster an Cabernet Franc erinnert. Sonst hätte die Kommission diesen Wein einhellig mit vier Gläsern bewertet. Franz Landauer war nach der Verkostung greifbar. „Kein Cabernet im Portugieser. Nicht einmal ein bisserl.“ Der Tattendorfer Burgundermacher hat erst jüngst mit Kreszenzen aus seiner seit 2004 bestehenden Serie „Best Of …“ deutliche Duftmarken in der absoluten Spitzenklasse heimischer Rotweine hinterlassen. Auch Andreas Heggenberger zog es nach der Verkostung in den schönen Rebhof Schneider um rasch einige Proben durchzukosten. Sein Mitbringsel: ein Blauer Portugieser 1984. Die letzte Antithese zur begrenzten Lagerfähigkeit der Sorte an diesem Abend. Wir genossen schweigend. Denn wir haben lange genug darüber geredet.
Herkunft – die am meisten verbreitete Legende: Freiherr von Fries soll 1772 die Sorte aus Porto nach Bad Vöslau gebracht haben. Daher der Name (Blauer) Portugieser und die Synonyma Oporto(rebe), Feslauer, Blaue Feslauertraube, Früher Vöslauer, Bad(e)ner, Autrichien. Noch heute ist die Thermenregion, insbesondere Vöslau und Baden, aber auch das für exzellente Burgunder bekannte Tattendorf Hauptgebiet der Sorte. Auch im Weinviertel findet sich Portugieser, speziell in der Region um Haugsdorf. Bedeutung – mengenmäßig enorm: Fast nur in Niederösterreich kultiviert, dort allerdings noch vor Zweigelt: 2.305 Hektar zu 2.135 Hektar nach der Statistik von 1999. Nächste Zählung 2009. Dann wird wohl Zweigelt den ersten Rang belegen.
Eigenschaften – geringe Ansprüche an die Lage: Gedeiht auch auf kargen Böden gut.
Mittelstarke Holzreife, also anfällig gegen Winterfrost. Kräftig im Wuchs, blühfest und
reichtragend.
Wein: Geringe Gerbstoffnote, mild, feinfruchtig.
Typische Aromen: Helle Beeren, Ribisel, Kirschen, Weichseln, Veilchen
Speisen: Milder Käse, Kalbfleisch, Pasta, Roastbeef.