wein.purAusgabe 02/2008

Wiener Wein: Rennt wie a Glöckerl

Wien brummt, Wiener Wein boomt. Mit der Jahrtausendwende hat eine Entwicklung eingesetzt, die sich vor gut zwei Jahren zu einem massiven Trend auswuchs.

„Dass der Wiener auch einmal auf diesen Zug aufspringt, dass der Wiener auf seinen Wein auch dann stolz ist, wenn er in seinem Szenenlokal in der Innenstadt an der Bar steht und irgendein hipes Glas Wein bestellen will, dass das dann ein Wiener Wein ist, auf das wart’ ich schon sehr lang. In den letzten Jahren hat das begonnen und ist jetzt so richtig im Umschwung. Darüber freue ich mich am allermeisten. Mehr noch, als über meinen persönlichen Erfolg, der eh unausweichlich war,“ so Ing. Fritz Wieninger

Europa: Die Wienerstadt liegt wieder im Herzen.

Für alle, denen sie immer schon am Herzen lag, ist der 21.12.2007 ein besonderer Festtag. Er markiert die Aufhebung der Kontrollen an den Binnengrenzen für Land- und Seegrenzen etwa zwischen Österreich und Ungarn bzw. Tschechien und der Slowakei. Somit ist die zwischenzeitliche Randlage der Weltstadt (nach London, New York und Paris war Wien global die vierte Stadt, deren Einwohnerzahl die Zweimillionengrenze überstieg) Geschichte. Vielleicht hat das Wieder-Erstarken der Besucher- und Zuwandererströme aus dem Osten den seit etwa zwei bis drei Jahren zu beobachtenden Boom beim Wiener Wein nicht bewirkt. Aber der Zufall ist der Freund der Tüchtigen und der Aufschwung hat viele Eltern. Erfreulich, dass zahlreiche Vorurteile begraben werden konnten, dass die Gastronomie und deren Gäste mitspielen. Somit kann eine alte Wiener Krankheit – wer hierzustadt etwas gelten will, muss ins Ausland gehen – als besiegt gelten. Sie ist zwar längst noch nicht ausgerottet, aber offensichtlich wurde ein Serum gefunden.

Das Geheimnis seiner Zusammensetzung liegt anbieterseitig in der Kombination aus deutlich besseren Produktqualitäten und neuen Schulterschlüssen. Daraus hat sich eine in Ansätzen verbesserte Kommunikation ergeben. Hier fällt die 2006 gegründete Gruppe „Wien Wein“ auf. Der bis heute aus den vier Gründungsmitgliedern Christ, Edelmoser, Wieninger und Zahel bestehende Verein hat mit professioneller Unterstützung viel Wind um den Wiener Wein gemacht und damit nicht nur sich, sondern allen Weingütern der Stadt geholfen. Dass Hans Schmid, der frühere Inhaber von Österreichs damals größter Werbeagentur und heutige Besitzer des „Mayer am Pfarrplatz“ weiß, wie es geht, war zu erwarten. Es müssen also „nur mehr“ die städtischen und kameralistischen Weinorganisationen nachziehen.

Wien Wein behauptet von sich selbst, kein abgeschlossener Kreis, sondern ein für neue Mitglieder offener Club zu sein. Aber wer kommt für eine Erweiterung der Fab Four infrage? Der große Erfolg des Vereines beruht auch auf dessen Überschaubarkeit und auf dem Umstand, dass die Mitglieder gut zueinander passen. Die Hauer liegen vom Alter her nicht allzu weit auseinander, alle Viere haben hohe Qualitätsmaßstäbe, insbesondere an ihre Spitzenweine. Auch wenn Wieninger eine Art primus inter pares darstellt, handelt es sich doch um einen recht homogenen Zusammenschluss von vier inhabergeführten Betrieben. In Sicht wären zwei Kandidaten für eine Erweiterung: das Weingut am Cobenzl und das Weingut Mayer am Pfarrplatz/ Rotes Haus. Beide haben völlig andere Strukturen.

Das eine gehört der Stadt und wird von einem Gutsleiter, Ing. Thomas Podsednik, geführt. Das andere gehört Schmid, also einem Investor, und wird von einem Geschäftsführer geleitet. Im Herbst 2006 wurde dort Willi Balanjuk installiert. Der gestandene Weinmann hat zuvor dafür gesorgt, dass der burgenländische Rotwein zu einem Begriff innerhalb der Weinwelt wurde.

Wiener Wein in der Gastronomie

„Wir trinken nur unseren Wein.“ Das ist in Wien – wenn man von den Heurigen absieht – keine solche Selbstverständlichkeit, wie in anderen Städten. Die Weinkarten der Top-Restaurants in San Francisco sind nahezu ausschließlich mit Kreszenzen aus dem Napa Valley, jene in Bordeaux mit Tropfen aus dem gleichnamigen Gebiet bestückt. Aber „diese Selbstverständlichkeit wird es in Wien nie geben“, weiß Wieninger. Das sei auch nicht anzustreben, denn eine solche Nachfrage könnten die Wiener Winzer nie befriedigen. Dennoch ist Nachholbedarf zu diagnostizieren. Spitzenweine passen einfach nicht zur Heurigenküche. „Nicht einmal zu jener, die mein Bruder praktiziert“, so Wieninger. Ein Chardonnay Grand Select braucht eine andere Plattform. „Das kann nur die innerstädtische, gehobene Gastronomie sein. Vor 20 Jahren hat dies eine Handvoll erlesener Lokale erkannt. Die konnten auch präsentieren, welche weinigen Möglichkeiten in der österreichischen Bundeshauptstadt stecken. Wieninger macht schon seit Langem gute Geschäfte mit der Gastronomie, insbesondere mit der behaubten. „Ich habe schon vor Jahren palettenweise Wein ins Korso verkauft.“

Der „Wiener“ etabliert sich in den jüngsten Jahren breiter auf den Weinkarten der Donaumetropole. Dennoch könnten die Wirte „durchaus noch ein bisschen mehr Lokalpatriotismus aufbringen. Die Gastronomen sind die besten Kommunikatoren zum Endkonsumenten. Durch glasweisen Ausschank, durch Weine auf der Karte“, postuliert Dr. Wolfgang Hamm, seit 2006 Geschäftsführer des Weingutes Stift Klosterneuburg. Mit 25 Hektar Weingärten in Wien gehört das Stift zu den größten Weinbaubetrieben der Bundeshauptstadt. „Dornröschen wird wachgeküsst!“ Die märchenhafte Konjunktur des Qualitätsweins
aus der Donaumetropole entzückt auch Richard Zahel. „Zirka 10 % der Gasthäuser in Wien haben sich mit Wiener Wein angefreundet und verkaufen ihn sehr gut. Den Wienern taugt das. Da ist noch mehr drin.“

An der vergleichsweise spärlichen Präsenz des Wiener Weines auf Wiener Karten sind, historisch betrachtet, nur zu einem kleinen Teil die Wirte schuld. Denn es war vor nicht allzu langer Zeit durchaus üblich, dass Wiener Winzer, die fast alle auch einen Heurigen betreiben, trotz Nachfrage, ihren Wein gar nicht oder nur zu hohen Preisen an andere Gastronomen verkaufen wollten. Der Wiener Wein wurde als einzigartiges Verkaufsargument betrachtet, den man sich von der Konkurrenz in der eigenen Stadt nicht wegnehmen lassen wollte. Hier war also das Phänomen „Heurigen“ Bremsklotz für zeitgemäßes Marketing. Vertrieb, Kommunikation und das Produkt selbst haben unter dieser altertümlich- protektionistischen Schau gelitten. Trotzreaktionen waren die logische Folge. Sie haben sich lange gehalten, auch wenn der Grund dafür weggefallen ist. „Einen Wiener Wein wollen’s? Fahren Sie zum Heurigen!“

Für Wiener Wein bildet sich in Wiener Gaststätten gerade eine neue Tradition. Die Erzeuger müssten nicht mehr viel dazu beitragen, meint Balanjuk: „Der Wiener Gastronom, der sich bemüht, arbeitet bereits mit Wiener Wein.“ Es beginnt sogar in der Club- und Barszene chic zu sein, einen Wein aus Wien im Glas zu schwenken. Das begeistert nicht nur Wieninger. Auch Roman Pfaffl beobachtet mit großer Freude den Aufschwung der Hauptstadt-Weine. Der in Stetten „hinter“ dem Bisamberg im Weinviertel beheimatete Qualitätspionier bewirtschaftet mittlerweile 70 Hektar, einige davon in Wien. Mit zwei Cuvées, der weißen Wien I und der roten Wien II, die er für den glasweisen Ausschank konzipiert hat, darf er einen nicht unerheblichen Anteil an der Klassifikation „In-Drink“ für Wein aus Wien für sich reklamieren. „Wir wollen gar nicht den Anspruch erheben“, gibt sich Balanjuk zurückhaltend, „dass jeder Wiener Wirt einen Wiener Wein auf der Karte führt“. Wieninger stößt in dasselbe Horn: „Wir könnten das niemals versorgen.“ Vor allem dann nicht, wenn mit der Herkunft ganz ehrlich umgegangen wird. Aktionen wie jene des Vorjahres, wo das Wiener Wappen große Mengen eines – rechtlich korrekt mit „Weinland“ bezeichneten – Niederösterreichers zierte, dürfen sich nicht wiederholen. „Auch wenn das legal ist, es ist nicht korrekt.“ Wieninger hat das stundenlange Gespräche gekostet. Mit Ergebnis. „Das wird sicherlich nicht mehr passieren.“

Die Hauptstadt ist ein guter Boden

Theater, Musik, Lokale – Wien ist mehr als „in“ und nicht nur im metaphorischen Sinn ein guter Boden für Wein. Aus zahlreichen guten Lagen ragt der Nussberg heraus. In seiner Einzigartigkeit und Eignung für das Heranwachsen großer Tropfen durchaus vergleichbar mit einem Heiligenstein, einem Hochgrassnitzberg oder einer Vorderseiber. Sein Mikroklima, die Bodenbeschaffenheiten berechtigen uns, den Nussberg in einem Atemzug mit anderen Ersten Lagen zu nennen. Aber auch die enorme Tradition dieses Weinberges beeindruckt.

Hamm: „Seit vielen Jahrhunderten wächst dort unser Weißburgunder. Hier kann man ohne Weiteres von angestammtem Terroir sprechen.“ Der Nussberg liegt knapp unterhalb von Kahlen- und Leopoldsberg. Im Westen und Süden wird er durch den Schreiberbach begrenzt. Geologisch gehört er zur Flyschzone, die sich aus Konglomeraten zusammensetzt. Hohe Kalkanteile – bis zu 66 % am Nussberg – prägen Weine von Charakter. Das Wiener Terroir unterscheidet sich trotz seiner Vielfalt dramatisch von den Urgesteinsböden der Wachau oder dem massiven Löss am Wagram. „Es wird uns gelingen, von dort Rieslinge oder Veltliner von unvergleichlichem Stil zu gewinnen“, ist Balanjuk überzeugt. Die Weine bekommen einen ganz eigenen Charakter. „Botrytisfrei und mit viel Mineralität“ so lautet, kurz gefasst, seine Zielansprache für die künftige Weinstilistik am Weingut Mayer am Pfarrplatz.

„Mineralische Trinkfreude auf hohem Niveau“, Wolfgang Hamm bringt die Cuvée Nussberg, aus je einem Drittel Welschriesling, Riesling und Veltliner bestehend, ins Spiel. Alle Weine dieser Komposition wachsen am Nussberg und sind Klosterneuburgs „anspruchsvolle Antwort auf den Gemischten Satz“. Wien1 von Roman Pfaffl ist dem Gemischten Satz nachempfunden, allerdings pflanzt er die Weingärten reinsortig aus, „um den Lesezeitpunkt den Bedürfnissen der Sorten anzupassen“. Mehr zu Gemischtem Satz lesen Sie in GENUSS.wein.pur Ausgabe 6/2007.

Die Weinregion im Nordwesten Wiens zieht sich, durchmischt von eleganten Villen, romantischen Gassen und sanften Hügelzügen vom Kahlenbergerdorf über Grinzing und Neustift am Walde bis nach Dornbach. Ideales Terrain für Spaziergänge zu jeder Jahreszeit. Für die Labung stehen zahlreiche Heurige zur Verfügung, von urig bis schick – die Wiener wissen, wo sie hingehen oder haben ihre Freude am ausprobieren. Bezüglich Lagenkenntnis diagnostiziert Hamm jedoch noch Potenzial: „Nicht selten, dass ein Wiener Weinliebhaber, der problemlos sämtliche Einzellagen der Wachau aufzählen kann, sich beim Wiener Wein nicht so gut auskennt.“ Winzerinnen und Winzer, die mit ihrer Berufswahl keine Familientradition fortsetzen, beleben die Szene. In den vergangenen Jahren hat sich Jutta Ambrositsch einen Namen gemacht.

Mit tatkräftiger und überaus kompetenter Unterstützung des Journalisten und Buchautors
Florian Holzer hat sie das Projekt „Buschenschank in Residence“ durchgeführt, um ein
paar der verzauberten Plätze – unverfälschte alte Wiener Heurigen, die leer stehen – wiederzubeleben. Der Sieveringer Kamaldulenserhof war mehrfach die ideale Kulisse für dieses Unterfangen. In jüngster Zeit macht Stefan Hajszan von sich reden, der seit 2006 biodynamisch anbaut. In Sichtweite des Pfarrplatzes hat er einen zeitgemäßen Bau für Weingut und Restaurant errichten lassen.

„Der Wein ist wie der Wiener selbst …

unkompliziert und charmant“: Zahel ist ganz offensichtlich in den Wiener Wein verliebt. „Er ist süffig, drückt nie, schnürt nie ab, rollt richtig schön vom Gaumen herunter.“ Ein Bild hat ihn überwältigt: „Wein und Großstadt, diese Vereinigung von Gegensätzen! Als ich das das erste Mal gesehen habe, die blaue Donau vom Nussberg, hatte ich Tränen in den Augen. Diese Schönheit!“ Andere, größere Gebiete sind für zwei bis drei Sorten bekannt, Wiener Wein ist die Vielfalt selbst. Trotzdem die Rebsortenstatistik eindeutig für Veltliner spricht, sind es vor allem die Burgundersorten, welche qualitativ auffallen. Neben Weißburgunder oder Chardonnay glänzt besonders Pinot Noir. Wien gilt als Weißweinstadt und ist es auch, jedenfalls mengenmäßig. Aber einige Rotweine ragen aus der Vielzahl an guten Kreszenzen.

Pfaffl hat erst vor wenigen Jahren Weingärten am Bisamberg – von oben kommend links der wunderschönen Kellergasse – übernommen. Dort stand bereits Blauburgunder. „Entweder meine Vorgänger haben das gewusst oder geahnt – die Lage ist ideal für Pinot. Ich muss gestehen, wir haben unsere eigenen Trinkgewohnheiten dadurch verändert.“ Wieningers Pinot Noir zählte ebenfalls zu den besten Tropfen unserer Blindverkostung. Balanjuk kündigt Top-Pinots – weiß und rot – vom Nussberg an. „Präzision ist unsere Devise. Wir sind sehr wählerisch beim Traubenmaterial. Das müssen wir manchmal teuer bezahlen. Ich habe 2007 mit 30 Lesern so viel hereingebracht wie 2006 mit zehn Mann.“

Hamm ist ebenfalls überzeugt, dass Wien eine Burgunderstadt ist. Im Bereich des Kahlenbergerdorfes erzieht das Stift seit Jahrhunderten eine andere alte Sorte – der Wiener Traminer ist gleichsam ein Weinderl für die Ewigkeit. Sein Reifepotenzial lässt sich auch heute bestens nachvollziehen. In der Vinothek des Stiftes lagern die Weine nahezu vollzählig zurück bis 1953. Die meisten sind immer noch im Verkauf. „Umsatzmäßig spielen die Altweine nur eine Nebenrolle. Aber um zu zeigen, wie sich Wein entwickelt, um Lagenunterschiede und Potenziale zu bewerten, ist das fantastisch. Wir haben erst vor Kurzem unsere Auspflanzungsentscheidungen mit Hilfe einer solchen Verkostung abgerundet.“ Eine Schärfung der Positionierung und weiteres Füllen der Wissenslücken, speziell bei den Wienern, ist ein guter Plan für die nächste Zukunft.

Balanjuk: „Wir dürfen uns noch lange nicht auf die Schulter klopfen und sagen: ‚Jetzt haben wir es geschafft.’“ „Wiener Wein liegt uns ganz besonders am Herzen“, bekennt Hamm. „Der Großteil der Neuauspflanzungen wird in Wien stattfinden.“ Das Potenzial der vorhandenen Flächen ist noch lange nicht ausgeschöpft. „Ich kenne einige, die liefern an die Genossenschaft“, berichtet Wieninger. „Ich müsste die nur stärker bearbeiten. Aber eines nach dem anderen.“ „Bomali“ wie der Wiener auf küchenböhmisch sagt. Eine Einstellung, die zur Lebensqualität beiträgt. Die ist in Wien besonders hoch. Denn wer wollte schon wo leben, wo kein Wein wächst?

Wiener Wein im Überblick

Seit 750 vor unserer Zeitrechnung: Bereits die Kelten haben hier Wein angebaut. Die Römer, die etwa im 1. Jahrhundert Vindobona zum Standort einer Grenzfestung auserkoren, brachten ihre Kulturreben mit. Große Blüte des Weinbaues im Mittelalter. Im 15. Jahrhundert wurde in Wien fast der gesamte Ackerbau durch den Weinbau verdrängt. Herzog Albrecht V verbot daraufhin weiter Auspflanzungen von Rebstöcken. Verwüstungen durch die Türkenbelagerungen 1529 und 1683 und den Dreißigjährigen Krieg. Der Eigenausschank der Winzer war bereits zu Zeiten Karl des Großen gestattet, Josef II erteilte 1784 die Erlaubnis, auch Essbares aus eigener Erzeugung zu verkaufen. Der Heurige war geboren.

Anbaufläche: 2006 standen 613 Hektar unter Reben (1996 647 ha), die gesamte Fläche liegt innerhalb der Grenzen der Großstadt, das ist einmalig auf der Welt. Erntemenge: 2006 wurden 18.893 Hektoliter Wein in Wien geerntet. 80 % davon waren Qualitätswein, gute 6 % Landwein und ebenfalls nur mehr etwa 6 % Tafelwein. (Rest inkl. Most: rund 8 %).

Sortenspiegel: Anbaufläche in Hektar 2006 im Vergleich zu 1996:
Weißwein 493 : 553;
Grüner Veltliner 164 : 187;
Riesling 84 : 84;
Gemischter Satz 46 : 85;
Sauvignon Blanc 95 : 56;
Weißburgunder 51 : 56;
Rotwein 120 : 94;
Zweigelt 47 : 35;
Pinot Noir 16 : 12;

Vermarktung: Etwa 70 % der Erntemenge werden nach Schätzungen des Marktamtes über die 135 Buschenschankbetriebe verkauft. Drei Regionen: Im Laufe der Jahre hat die Stadtentwicklung die Rebflächen immer weiter an den Rand gedrängt – dies ist vorläufig gestoppt. Heute wird vor allem in drei Bereichen Wiens Wein angebaut: Im Westen: Nussberg-Kahlenberg – Leopoldsberg bis hin nach Salmannsdorf-Neustift bzw. Dornbach; am Bisamberg im Norden Wiens und im Süden, am Maurerberg. Wichtigster Weinberg ist der Nussberg, eine Großlage mit rund 200 Hektar Rebfläche. Nussberg Zahlreiche, sehr unterschiedliche Subrieden. Die Weingärten schauen teilweise aufs Wasser (SO-Lagen). Muschelkalk, der Südhang ist der Rest eines Korallenriffs aus dem Tertiär. Am Fuß des Leopoldsberges lehmige Böden mit Schieferanteil. Die Donau reflektiert das Sonnenlicht, die Wasserfläche verkleinert die Temperaturschwankungen – lange warme Tage im Spätherbst. Ein fast ständig, meist leicht wehender Westwind sorgt für trockene Trauben, also wenig Botrytis. Lagen im mittleren der drei Bänder: Ulm, Preussen, Rosengartl, Langteufel. Gut für komplexe Rieslinge, Chardonnay und Weißburgunder. Weiter unten gedeihen Traminer und Veltliner bestens. Die Weine zeichnen sich mehr durch Tiefe und Würzigkeit aus, denn durch Primärfrucht.

Bisamberg

Herrenholz: warme Kessellage mit traumhaftem Wienblick. Viel Kalk ideal für Pinot Noir.
Jungbergen: warme Sand- und Kalksteinverwitterungsböden. Frühe Reife.
Gabrissen: heiß, Sand- und Kalksteinverwitterungsböden.
Bruch (Subriede der Gabrissen): Urgesteinsschotter, liefert mineralische Noten.
Falkenberg: Plateau, von Muschelkalkstein dominiert. Eher kühl und leicht windig, gut für Burgundersorten.
Wiesthalen: eine der Urlagen Österreichs. Ein Waldsaum schützt die Rebbestände. Ton und polymineralischer Boden. Finessenreiche und elegante Weine.

Mauer

Großlage Kadolzberg (Ried Kadolzberg, Leiten, Kroissberg)
NO, der Stadt zugewandte Seite. Geologisch zur Wiener Platte gehörig. Kalk, Bruchsedimente, Lehm. Ausdrucksstarke Rotweine sowie Sauvignon Blanc, Muskateller, Weißburgunder und Chardonnay.
Maurerberg (Ried Sätzen, Reisberg, Himmel)
Südlage. Sandiger Muschelkalk mit Urgestein, lockerer, warmer Boden. Pannonisches Klima, ideales Terroir für Rotweine. Weiße Burgunderwerden mächtig und reif.