Steirische Lagen-Sauvignons bieten eine spannende Spurensuche zwischen Weinberg, Kellertechnologie, Klima und Jahrgang.
Steirischer Wein steht für Frucht und Frische
– und für Sauvignon Blanc! Keine andere
Rebsorte der Steiermark erlebte in den letzten
Jahren eine nur annähernd vergleichbare Nachfragesteigerung.
Schätzungen zufolge, dürfte sich
die Sauvignon-Rebfläche alleine in den letzten
fünf Jahren verdreifacht haben! Auch auf internationalem
Parkett glänzt der Sauvignon Blanc aus
der grünen Mark in besonders hellem Glanz.
Was macht diese steirischen Sauvignons aber so
außergewöhnlich? Sind es die Besonderheiten
der einzelnen Weinbergslagen, die klimatischen
Bedingungen, die Ausbaustilistik? Jeder Winzer
hat andere Argumente für den Erfolg parat. Wir
wollten daher der Sache etwas genauer auf den
Grund gehen und haben einige der besten Lagen-Sauvignons aus der Südsteiermark verkostet.
Besonderes Augenmerk: die unterschiedlichen
Lagen und deren kleinklimatische Ausprägungen,
die Art der Vinifikation und nicht zuletzt der Einfluss
des Jahrganges auf die Weine.
Die Südsteiermark hat ein sehr vielgestaltiges Bodenmosaik aufzuweisen. In den Weinbergen zwischen Spielfeld, Leutschach und Kitzeck finden wir Schiefer, tiefgründige Sand-Schotter-Gemische, Muschelkalk-Ablagerungen, verfestigten Tonmergel (Opok), Konglogmerat-Gestein und Lehmböden. Auch der Kalkgehalt des Bodens variiert zwischen den einzelnen Lagen extrem stark. Da Kalk im Boden ein sogenannter Säurepuffer ist, wirken die Weine von kalkreichen Böden immer opulenter, runder und cremiger, als jene von kalkarmen oder kalkfreien Böden. Die Weine vom Sausaler Schiefer und den Steinbacher Konglogmeratböden fallen folglich in ihrer Struktur immer deutlich schlanker und zartgliedriger aus, als jene vom kalkreichen Pössnitzberg oder Zieregg.
Die Art des Bodens verleiht den Weinen unbestritten eine eigenständige Geruchs- und Geschmacksausprägung, was auch als typischer Lagencharakter bezeichnet wird. Durch die in der Steiermark meist sehr gute Wasserversorgung des Bodens, werden viele Mineralstoffe gelöst, die in der Folge von den Wurzeln der Rebstöcke aufgenommen werden. Dies führt besonders bei den Lagen-Sauvignons zu einer ausgeprägten Mineralität im Wein, die sich, je nach Bodenzusammensetzung, in einer mehr oder weniger deutlichen Würzigkeit und/oder Salzigkeit widerspiegelt.
Als klar definierbarer „Qualitätsfaktor“ konnte die Zusammensetzung des Bodens zumindest in den von uns verkosteten Lagenweinen dennoch nicht ermittelt werden. Die unterschiedlichen Bodentypen lassen zwar unterschiedliche Sortenausprägungen, aber keine erkennbaren Qualitätsunterschiede im Wein zutage treten.
Über die „ideale“ Art der Vinifikation der Rebsorte Sauvignon Blanc herrscht selbst unter den steirischen Spitzenproduzenten Uneinigkeit. Hier wurde in den letzten zehn, 15 Jahren viel ausprobiert. Jeder Winzer hat dabei seinen eigenen Weg eingeschlagen. Darum finden wir heute in der Südsteiermark auch alle erdenklichen Varianten – vom hundertprozentigen Barriqueausbau bis hin zur Stahltank-Version. Naturgemäß haben die Weine aus dem Stahltank gegenüber jenen aus dem Barriquefass am Beginn ihrer Entwicklung die Nase vorn. Nach einigen Jahren scheint sich dieser Vorsprung allerdings wieder auszugleichen. Generell ist bei den südsteirischen Lagen-Sauvignons in jüngster Zeit auch ein spürbarer Trend zu größeren Fässern und weniger Neuholz erkennbar, um die Frucht zu bewahren und die Weine früher zugänglich zu machen.
Natürliche klimatische Gegebenheiten wie beispielsweise die Anzahl der Sonnenstunden, Niederschlagsmengen und der Temperaturverlauf haben einen ganz maßgeblichen Anteil am Endergebnis. Und hier ist wohl auch einer der grundlegendsten Faktoren des steirischen Sauvignon-Erfolges zu suchen. Die zumeist ausreichenden Niederschläge im Laufe der Vegetationsperiode ermöglichen eine optimale Entwicklung der Trauben. Die hohen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht bringen während der Reifezeit eine intensive Fruchtkonzentration in der Beere. Außerdem weisen die Trauben selbst bei hoher Zuckerreife immer noch eine lebendige Säurestruktur auf. Kurzum: Idealbedingungen für die Rebsorte Sauvignon! Die Top-Produzenten haben es aufgrund ihrer Erfahrungen natürlich längst im Griff, auch aus schwierigen Jahrgängen überdurchschnittliche Qualitäten zu produzieren und allzu große Qualitätsschwankungen zwischen den Jahrgängen auszugleichen. Dennoch waren die objektivierbaren Unterschiede bei den verkosteten Weinen am ehesten noch anhand des Jahrganges festzumachen.
Einige Jahrgänge konnten auf breiter Front überzeugen, während andere in Summe doch sichtlich abfielen. Hier vermochte weder der Einfluss des Bodens, des Kleinklimas, der Ausbaustilistik, noch das Handwerk des Winzers die von der Natur gegebenen Schwächen restlos auszumerzen. Eine kürzere Lebenserwartung dieser Weine ist absehbar, während sich jene aus den Top-Jahrgängen als wahre Langstreckenläufer entpuppten.
Steirische Top-Sauvignons zählen zu den Aushängeschildern österreichischer Weißweinkunst. Aus den besten Jahrgängen zählen die Weine auch im internationalen Vergleich zur absoluten Weltklasse. Dann sind sie zumeist auch mit einem großartigen Lagerpotenzial von zehn oder mehr Jahren ausgestattet. Der Einfluss des Bodens ist in den Weinen erkennbar, als qualitätsbestimmender Faktor aber nicht eindeutig zuzuordnen, sondern eher eine Frage des persönlichen Geschmackes. Auch die Ausbaustilistik ist mehr subjektive Präferenz des Verkosters, denn qualitätsbeeinflussender Umstand. Große Sauvignons entstehen in der Steiermark sowohl im Stahltank, wie auch im Barriquefass, auf Schiefergestein und auf Muschelkalk-Böden.
Das wahre Erfolgsrezept des steirischen Sauvignons liegt im vielgestaltigen Mix der unterschiedlichsten Bodenstrukturen, in den kleinklimatischen Besonderheiten der Weinbergslagen, im souveränen Umgang der Winzer mit den Ansprüchen der Rebsorte – und nicht zuletzt am Wetter, wenn es Petrus wieder einmal gut mit den Winzern meint!