Schilcher ist ein Rosé, ist ein Rosé, ist ein Rosé. Rosé liegt im Trend, liegt im Trend, liegt im Trend. Der Schilchertrend.
„Der Schilcher hat sich in den vergangenen 15 Jahren enorm weiterentwickelt“, erzählt Stefan Langmann aus Langegg in der Weststeiermark. Er zählt zu den besten Produzenten der Region und betreibt neben dem Weinbau eine formidable Buschenschank und einige nett eingerichtete Winzerzimmer. Mit der Weiterentwicklung meint er nicht nur die ökonomische Seite. Rosé liegt im Trend und mit ihm der Schilcher. „Das Traubenmaterial ist wesentlich besser, die physiologische Reife ist höher, weil wir bis in den November mit der Ernte warten. Damit ist auch die Säure wesentlich runder und gut integriert“, bringt er es auf den Qualitätspunkt.
Da haben wir schon das erste Stichwort für den Schilcher, die Säure. Sie machte viele Weinliebhaber stutzig, galt und gilt sie doch mit Werten von 8-9g/l nicht gerade als Magenschoner. „Einige Kollegen haben versucht, den Schilcher zu internationalisieren und mittels Säureabbau die Weine runder zu gestalten. Das war am Anfang interessant, die Trendumkehr zum traditionellen Stil hat wieder eingesetzt. Ich bevorzuge den klassischen Stil und wir haben versucht, über die Arbeit am Weinstock und mittels Bodenbearbeitung zu einem inneren Gleichgewicht im Wein zu gelangen.“
Ein Teil dieser Arbeit gilt der Selektion von kleinbeerigen Wildbachertrauben. Der Blaue Wildbacher ist die Rebe, aus der die wunderbar im Glas schillernden, mineralischen, feinfruchtigen und belebenden Schilcher gewonnen werden. Der nächste Schritt ist die optimale Abstimmung von Rebe, Unterlagsrebe und Boden. „Wenn Klone und Lagen nicht zusammenpassen, dann bringen auch die schönsten und reifsten Trauben nur durchschnittlichen Wein“, so Stefan Langmann. Die wenigen Top-Winzer der Region, die sich untereinander austauschen, legen Wert auf Weine von Einzellagen. Deren gibt es viele.
Wenn man durch die Weststeiermark fährt, die sich südwestlich von Graz bis an die slowenische Grenze zieht, wird man schnell über kleinere und größere Hügel oder Berge fahren und verstehen, dass die Weingärten relativ weitläufig verstreut liegen. Viele der guten Lagen sind steil. Sehr steil! Und sie liegen relativ hoch. Langegg hat eine Höhenlage von 570m, das Klima begünstigt die fruchtige Frische und ausgeprägte Aromatik. Zahlreiche Lagen stehen auf Urgesteinsverwitterungsböden, Schiefer, auch unterschiedliche Gneisarten sind zu finden. Die Mineralität merkt man guten Schilchern an, und das macht sie spannend. Es gleicht fast einem Kabinettstück, einen eleganten, mineralischen Rosé mit Dichte, Struktur und Körper zu produzieren. Und wie man sieht, kann dies gelingen.
Und dass Top-Schilcher auch ein bis zwei Jahre in der Flasche reifen können, wissen die wenigsten. Durch die Maischstandzeit haben die Weine Tannin und das hilft bei der Lagerung. Der Ausbau der meisten Schilcher erfolgt klassisch und eher reduktiv im Stahltank oder großen Holzfass. Für Liebhaber dieses raren autochthonen Weines zählt er mittlerweile zu einem der besten Rosés der Welt, denn kaum ein anderer Rosé versteht es, so viel Lebendigkeit und Finesse in sich zu vereinen.
Die Weststeiermark als Zentrum der Schilcherproduktion ist mit ihren rund 450 ha zusammen mit dem Südburgenland, in dem annährend gleich viel Hektar bewirtschaftet werden, das kleinste Weinbaugebiet Österreichs, obwohl sich die angebaute Fläche in den vergangenen 15 Jahren mehr als verdoppelt hat. Rund vier Fünftel davon sind mit Blauem Wildbacher bepflanzt, aus dem der Schilcher gewonnnen wird.
Bei Weißwein sehen die Topproduzenten eine Profilierung mit dem Sauvignon Blanc. Zwar wird der Großteil der Schilcherproduktion in den weststeirischen Hügeln bei den Heurigen vor Ort konsumiert oder Ab-Hof verkauft, dem „Weinausland“ sind die feinen Rosés aber nicht verborgen geblieben. Einige Exporterfolge sind im Zeichen des Rosébooms entstanden, andere sind über lange Jahre durch die Präsenz der Winzer auf Weinmessen und Präsentationen langsam gewachsen. Als interessantes Pflaster hat sich in jüngster Zeit Norwegen herausgestellt. Gleich sieben Schilcher von Langmann, Strohmeier und Trapl sowie weitere drei Schilchersekte von Reiterer und Langmann hat das Monopol in das Programm aufgenommen – und es ist sehr schwierig, da hineinzukommen. Der Stil der fruchtbetonten, frischen und kernigen Weine, der als Begleiter zu Fischgerichten in allen Varianten zu Höchstform auflaufen kann, wird hier immer beliebter. Lieblich ausgebaut kann er zur asiatischen Küche eine Empfehlung sein.
Sie suchen eine erfrischende und fruchtige Alternative zu Sekt, Champagner, Lambrusco oder Prosecco frizzante? Kosten Sie Schilcherschaumweine! Egal ob als Frizzante oder versektet, das kann munden! Wie bei so vielen Fragen des Weins, gibt es auch hier verschiedene Lösungsansätze. Am meisten verbreitet ist der fruchtig frische Vertreter mit vitaler Aromatik, so lieben es die Meisten. Liebhaber von Champagner Rosé werden bei Reiterer fündig, er hat zusammen mit der arrivierten Sektkellerei Arunda aus Südtirol einen Schilchersekt gezaubert, der die Feinheit und Mineralität der Grundweine mit der ausgewogenen Reife durch das Hefelager aufs Köstlichste verbindet. Schilcher kann also auf mehrere Arten Spaß machen.
Schilcher können ganz wunderbare Speisenbegleiter sein. „Das muss mehr in die Köpfe der Konsumenten“, so Stefan Langmann. Und die Gastronomen sollen mehr Mut beweisen. Die Mineralität und das Säurespiel der Schilcher erinnern in gewisser Weise an Rieslinge wie sie von der Saar kommen, und so ähnlich kann man sie auch in der Küche einsetzten. Egal ob trocken, oder eher seltener im Angebot, lieblich ausgebaut, die Kombinationen mit Speisen sind vielfältig und es bedarf einer gewissen Experimentierlust. Es sind eher die zarteren und fein abgestimmten Speisen, denen ein ausgezeichneter, mineralischer und leichtfüßiger Schilcher die Krone aufsetzten kann. Fisch in fast allen Variationen ist ein heißer Tipp. Schilcher ist mehr ein Wein zur Brettljause mit Verhackertem, auch das kann bei entsprechender Qualität ein kulinarisches Highlight sein. Schilcher ist salonfähig.
Schilcher persönlich betrachtet von Walter Eckensperger
In der Erinnerung an die Zeit vor rund 20 Jahren spiegelt sich das Bild des Schilchers als Geheimtipp, in guter Qualität selten, dann aber wie ein Kleinod gehandelt. Und als idealer Wein zu bestimmten Gelegenheiten, deftige Jause vor allem, sensationell zu Verhackertem. Die Erinnerung kennt aber auch den Schilcher als Mutprobe für die Geschmacksnerven, als ultimative Säurebombe, die in höheren Dosierungen wohl auch die Magenwände gnadenlos zu zersetzen droht.
Die Welt hat sich geändert, die Weine mit ihr. Der Qualitätsschub österreichischer Weine hat auch den Schilcher nicht ausgelassen. In der Verkostung offenbarten sich hinter und in all der Säure differenzierte Geschmacksnuancen, unterschiedlichste Anklänge an Himbeeren, Ribiseln, Kirschen, Schiefertöne, feine Mineralik, Gewürzaromen und was sonst noch alles so in den Kostnotizen steht. Gerade die Lagen-Schilcher zeigen sich wirklich fein, gut strukturiert, rassig am Gaumen, oft sehr voll. Sensationell natürlich auch die Idee des Schilchersekts, der in vielen Zusammenhängen durchschnittlichen Prosecco locker vergessen macht (Rosé-Champagner dann aber doch nicht).
Die Tourismusmanager und Werbeleute in der Weststeiermark haben gute Arbeit geleistet. Sie haben den Schilcher als Marke etabliert, fast jeder weiß, dass das Ding rosa ist, steirisch, urtümlich. Viele kennen sogar die Wildbachertraube, manche das weiße Pferd. Die Winzer haben ihr Übriges getan, die Qualität passt, die Interpretation ist differenzierter geworden, spannender. Der Schilcher ist ein ehrlicher Wein geblieben. Die markante Säurestruktur ist immer noch dominant, Versuche in andere Richtungen bleiben (zum Glück) Ausnahmen.
In diesen Parametern ist der Schilcher eine Freude. Ich würde mir kein riesiges Lager anlegen, ein bis zwei Kistchen genügen wohl, damit komme ich gut über den Sommer, und danach, wenn‘s viel regnet und so, ist jener innere Säure-Schüttelfaktor eher nicht mehr meins. Und am besten schmeckt der Schilcher ja eigentlich immer noch in der Buschschank mit Blick ins Hügelland – und das hat man ja daheim nicht so oft.
Mag. Dr. Walter Eckensperger ist Theologe und Weinliebhaber
Thema der Verkostung waren aktuell im Verkauf befindliche Schilcher und Schilcherschaumweine. Rotweine aus dem Blauen Wildbacher
waren ebenfalls eingeladen, diese werden für die nächste Ausgabe zum Thema „Steirische Rotweine“ probiert. Für wein.pur haben verkostet:
Alexander Magrutsch (Chefredakteur wein.pur), Siegrid Kügerl (Weinakademikerin, Redaktion Der Winzer), Diana Denk (Absolventin Weinmanagement, wein.pur-Marketingassistentin) und Walter Eckensperger (Theologe und Weinliebhaber).
| Weingut | Wein | Bemerkung | Preis in € |
|---|---|---|---|
Friedrich, Langegg |
Pirkhofberg |
Fast pinotartige Beerenfrucht, Blutorangen, offen, fein, animierend; süßer Schmelz, dicht, zeigt Kraft und griffige Struktur, feinmineralischer, erdiger Charakterwein, lang, elegant, kann was. |
5,80 |
Friedrich, Langegg |
Langegg |
Fein, klar, beerig, dann rauchig harzige Würze, Föhren; Wow! Dicht, saftig, unglaublich dunkle, mineralische Würze, erdig, schwarze Ribisel, lang, elegant, griffig und stoffig bis in den Abgang, Charakterwein mit Stil, öffnet, wird rotweinig. |
6,20 |
| Langmann, St. Stefan |
Langegg |
Mandeln, rotbeerig; vital, erinnert an blauen Schiefer, fast rieslingartige Steinobstaromen, zupackend, griffig strukturiert, finessenreich, lebendige Säure gut eingebunden, puristisch, mineralisch und würzig durch und durch, resche Säure zieht lange nach, für Freaks. |
5,50 |
| Langmann, St. Stefan |
Greisdorf |
Elegant, schön zum Schnuppern, mineralische Anklänge; fein verwoben, frisch, leichtfüßig schwebend, lebendig, vielschichtig, knisternd, Schilcher zum Beißen, tolle Spannung, puristischer Lagenwein mit feiner Herbe im Abgang. |
5,50 |
| Langmann, St. Stefan |
Hochgrail |
Kirsche, Erdbeeren; dicht, rund, griffig, saftig, weichere Art, gute Länge, reife Säure kommt im Abgang schön durch, harmonisch, lang, fruchtig saftiger Trinkspaß, Struktur und Mineralik, füllt den Mund aus, toller Wein. |
5,50 |
| Resch vlg. Longus, |
Kögerlberg |
Ribisel, Preiselbeeren, offen, burgundischer Touch; herzhaft, mineralisch, dunkle Ader, kerniges Säurespiel, straff, vital, puristisch. |
7,– |
Reiterer, Wies |
Engelweingarten |
Feinmineralischer hellfruchtiger Duft, animierend und tief; dicht, griffig saftige Struktur, charmantes Süßespitzerl, kraftvoll, Kirsche, mineralisches Grundgerüst, mit Druck und Länge, griffig, gut gemacht, animierend verführerisch, Trinkfluss. |
6,20 |
| Weingut | Wein/Typ | Bemerkung | Preis in € |
|---|---|---|---|
Langmann, St. Stefan |
Lieblich |
Klarer, schöner Sortentypus und Fruchtigkeit; harmonisch abgestimmt, besticht mit Finesse und feinem Süße- Säure-Spiel, rund, lebendig, herrlicher Trinkfluss und -spaß, verspielt, erinnert an gute deutsche Riesling- Auslesen, Steinobst, tolle Harmonie. |
5,20 |
| Langmann, St. Stefan |
Spätlese |
Satte Beerenfrucht, Kirsche; deutliche Süße, delikat, saftig, feinmineralischer Biss, gebündelt, knisternd, schönes Säuregerüst, finessebetont, tolle Schilcherstilistik, macht Spaß, auf hohem Niveau, erdig. |
7,60 |
Domäne Müller, |
2000 Burgegg, Trockenbeeren- |
Brotig, reif, Waldhonig; Schilcher
an lebendiger Säure erkennbar,
zum Abgang hin |
|
| Weingut | Wein | Bemerkung | Preis in € |
|---|---|---|---|
Langmann, St. Stefan |
2006 Schilchersekt Brut |
Fruchtbetont, frisch, Beerenaroma, einladend; vital, fruchtig, charmant, harmonisch abgestimmt, schöner Sortencharakter, feingliedrig, mineralisches Spiel im Hintergrund, bleibt lang, sehr gut. |
9,80 |
Reiterer, Wies |
Schilcherfrizzante |
Vital, frische Frucht; lebendig, frisch, viel Kirsche und rote Ribisel, zarter Süßehauch, vital, macht Spaß, harmonisch, cremiger Trinkfluss, gediegen. |
6,10 |
| Reiterer, Wies |
R & R Brut |
Mandarinen, Hagebutten, helle Aromen, süßer Touch, Orangenzeste; reife Note, gediegen, nussig, an Champagner erinnernd, erstaunliche Struktur, Gewürznelken, jetzt gut zu trinken, feines Produkt für diejenigen, die gerne Champagner trinken. |
14,50 |
Weine, die mit 1 ode 2 Gläsern bewertet worden sind, finden Sie auf www.weinpur.at/glaeser