Herbst in den Weingärten des Kamptales
Junger Sproß einer Rebe
Wein und Essen in perfekter Harmonie

Vinaria Ausgabe 05/2009

Rot klassisch 2007, bis 12 Euro

Solides Mittelfeld, beachtliche Spitze

Großer Wert – kleiner Preis, so präsentieren sich die besten 2007-er Rotweine in der Kategorie bis 12 Euro. Neben arrivierten Betrieben geben engagierte Jungwinzer den Ton an, Gesamtsieger ist der Newcomer Gernot Schreiner aus Rust.
Text: Rüdiger Pröll

Eine zufriedenstellende Auswahl sehr empfehlenswerter Gewächse und ein strahlender Gesamtsieger, das ist das erfreuliche Resümee unserer Blindverkostung österreichischer Standardrotweine aus dem Jahrgang 2007, wenn auch die Qualitäten der einzelnen Sortengruppen im direkten Vergleich jahrgangsbedingt ziemlich variieren. So haben die Niederschläge und die damit einhergehenden Probleme beim Pflanzenschutz vor allem den früher reifenden Sorten Pinot Noir und St. Laurent zu schaffen gemacht. Beim Zweigelt sind viele Winzer dank rigoroser Auslese gut über die Runden gekommen, die robusten später reifenden Sorten wie der Blaufränkisch haben sich überhaupt sehr erfreulich entwickelt. Die Sorte gemahnte bereits in ihrer Jungweinphase an klassische Jahrgänge, ein Vergleich zum 2002er, wenn auch in etwas schlankerer Ausprägung, drängt sich auf.

Gute Zweigelt, bessere Blaufränkisch.

Insgesamt präsentiert sich die Zweigeltgruppe solide, mit relativ wenigen Ausreißern
nach unten, aber auch mit einer überschaubaren Anzahl an Spitzen. Angenehm ist die relativ präsente Säure, was die Eignung als unkomplizierten Speisenbegleiter unterstreicht, viele Weine sind bereits am Punkt, also trinkreif, und mit ausreichend mürben Tanninen ausgestattet. Mit Walter Glatzer stellt ein Carnuntumer den besten Zweigelt der Probe, sein Dornenvogel ist ein sortentypischer Klassiker, ebenso schnörkelschnörkellos sind beispielsweise die Zweigelt von Robert Goldenits aus Tadten und Johannes Stadler aus Falkenstein; Letzterer stellte mit seinem 2006er schon eine Topplatzierung beim „VINARIA NÖ Zweigelt Cup“.

Der beste Wein unserer Probe ist ein Blaufränkisch, und was für einer! Gernot Schreiner,
der unter Weinfreunden schon länger einen guten Ruf genießt, liefert mit seinem „Rhodolith“ einen Paradeblaufränkisch ab: Fruchttiefe, Eleganz, Biss und Struktur zu einem sehr fairen Preis. „Wir haben über Wochen hinweg jeweils nur die besten Stöcke mit der Idealreife selektioniert, ein gewaltiger Aufwand mit offensichtlich großer Wirkung“, so der smarte Jungwinzer, dessen Weine sich erst nach etwas Flaschenreife so richtig entfalten können, dann aber mit Nachdruck. Überhaupt scheinen die ersten Platzierungen dank Feiler-Artinger und Günter Triebaumer fest in Ruster Hand zu liegen, wäre da nicht ein weiterer engagierter Newcomer namens Karl Hillebrand aus Petronell-Carnuntum, der mit seinem Spitzerberg aufhorchen lässt.

Pinot und St. Laurent: Freude und Frechheit.

St. Laurent und Pinot sind kapriziöse Trauben, die in Jahren mit ungünstiger Niederschlagsverteilung besonderes Fingerspitzengefühl und Aufwand erfordern; ein Blick in die Topliste bestätigt einmal mehr, dass ausgewiesene Spezialisten diese Sorten am besten beherrschen. Das Weingut Zahel verteidigt die Ehre der Bundeshauptstadt, Familie Reinisch bringt eine würdige Leistung ins Glas und Familie Schwertführer aus Sooß sorgt für eine positive Überraschung. Die St. Laurents erweisen sich im Vergleich mit den roten Burgundern als deutlich homogenere Gruppe. Bei manchen der Pinots wird man hingegen das Gefühl nicht los, einen wesentlich älteren Wein im Glas zu haben, auch Oxidation ist ein Thema, ein Verkoster bringt es salopp auf den Punkt: „Eigentlich eine Frechheit!“ Die beiden Gruppensieger, Juris-Stiegelmar und Gerhard Markowitsch, zeigen jedenfalls wie’s richtig geht, nämlich sortentypisch, präzise und ausgewogen.

Von Blending bis Blender.

Österreichische Merlots und Cabernets überzeugen selten in der Premiumverkostung, noch seltener bei den günstigeren Weinen, sie scheinen als Verschnittpartner im Allgemeinen wesentlich besser aufgehoben zu sein; es gibt aber rühmliche Ausnahmen, das Weingut Mad aus Oggau – mit Merlot – und der Cabernet vom Weingut Dockner aus Höbenbach waren die Besten.

Auch heimische Rotweincuvées können nur mit Abstrichen in der Preisklasse bis zwölf Euro punkten, ein gutes Drittel der verkosteten Weine schaffte die 15-Punkte-Hürde nicht, und die qualitative Spitze lässt sich – bei insgesamt gut 270 eingereichten Proben – an einer Hand abzählen. Viele Cuvées plätschern geschmacklich im besten Fall gemütlich vor sich hin, und manche önologische Unannehmlichkeit mag sich wohl irgendwie im Verschnitt unterbringen lassen; einige Unpässlichkeiten können aber nur schwer durch Blending geschminkt werden, unterreifer Cabernet in Kombination mit überreifem Blauburger schmeckt dann auch genau so, um ein Negativbeispiel zu nennen. Positiv hervorheben möchten wir die tollen Cuvées der beiden Ruster Gernot Schreiner und Günter Triebaumer, mit dem Weingut Zuschmann-Schöfmann zeigt auch ein Weinviertler beachtliche Leistung.

Licht und Schatten.

Jene Winzer, die den 2007er-Weinen die gleiche Holzdosis wie den 2006ern angedacht haben, waren im wahrsten Sinn des Wortes auf dem Holzweg; sie konnten, trotz teils recht konzentriert scheinender Grundweine deutlich weniger reüssieren als im Jahr davor. Auch Strukturarmut ist – mit Ausnahme der Blaufränkischgruppe – allgegenwärtig, etwas mehr Mut von Seiten des Winzers und etwas mehr Verständnis für ehrliche, kernige Charaktere von Seiten der Konsumenten wären wünschenswert.

Es gibt auch einige oxidative Kandidaten, die Luftzufuhr scheuen wie der Teufel das Weihwasser, es handelt sich dabei offensichtlich nicht um einzelne schlechte Flaschenkonditionen, wie gerne ins Treffen geführt wird. Wir fordern üblicherweise drei Probeflaschen pro Wein an, die kritisierten Kandidaten waren bei allen drei (!) Vergleichsflaschen gleichwertig oxidiert. In den meisten Fällen dürfte mangelndes Schwefelmanagement die Hauptursache sein.

Trotz mancher Unpässlichkeiten: die Qualität der besseren Hälfte der eingereichten Proben
ist als sehr gut einzustufen, und Weinfreunde können in Anbetracht des oft strapazierten Preis-Leistungs-Vergleiches hier wirklich eine erkleckliche Anzahl an interessanten Weinen entdecken. Dass der Blaufränkisch die heimische Paradesorte in Rot – wieder einmal mit Abstand am besten abgeschnitten hat, ist besonders erfreulich: The winner takes it all.

Die Verkostungsergebnisse im Detail (pdf, 3,1 MB)