Herbst in den Weingärten des Kamptales
Junger Sproß einer Rebe
Wein und Essen in perfekter Harmonie

Vinaria Ausgabe 07/2008

Steirische Bastion verteidigt

Die Steiermark schien lange Zeit ein Monopol auf die besten Sauvignons des Landes zu besitzen. In den letzten Jahren hingegenwar das Siegerfeld unserer Verkostungen bunt gemischt. Diesmal haben die Steirer ihre Bastion kompromisslos verteidigt.

Sie haben also wieder zugeschlagen, die Winzer aus der grünen Mark. Unter den 20 besten Weinen finden sich nur zwei, welche die steirische Landesmeisterschaft stören konnten, nämlich der hochelegante und mineralische Hartberg Smaragd vom Mauritiushof in Spitz und der nackige und attraktive Sauvignon Blancvon Thiery-Weber in Rohrendorf. Die vordersten Plätze gingen samt und sonders an die Südsteirer, die eindrucksvoll zeigten, wo Bartl den Most holt.

2006 lag recht deutlichvor 2007.

Zum Verständnis dieser Ergebnisse ist eine kurze Analyse der Jahrgangscharakteristika angebracht. 2006 besser als 2007? Die Vegetationdes Weinjahres 2006 startete recht verhalten, um dann in einem konzentrierten Wachstumsschub während heißer Sommerwochen das aufzuholen, was ihr im Frühling verwehrt war. Während in der Steiermark die Nerven der Winzer ob der Regenfälle im Herbst ein wenig ins Flattern gerieten, freute man sich weiter im Norden über einen herrlichen Altweibersommer, der sich schlussendlich auch im südlichsten Weinbaugebiet einstellte. 2007 führte ein milder Winter zum zeitigen Austreiben der Reben. Die Blüte gehörte zu den frühesten, die jemals beobachtet wurde – ähnlich früh wie 2003. Im Juli setzte eine Hitzeperiode ein, die manch jungem Weingarten sehr zu schaffen machte. Sonnenbrand – gemeint ist der bei den Trauben – war mehrfach anzutreffen. Im August waren die Wetterverhältnisse überall einigermaßen normal, sprich: moderate Temperaturen und Niederschläge. Während Anfang September in Teilen Niederösterreichs und im Seewinkel weit überdurchschnittliche Regenfälle zu verzeichnen waren, blieb die Steiermark weitestgehend verschont. Der Monat war eher kühl, vor allem in der Nacht. Das verzögerte die Entwicklung und begünstigte die Bildung der Aromen. So zog sich die Reifephase bis weit in den Oktober hinein. Obwohl die Beeren schon im August weich wurden, zeigte sich im Nachhinein der Vorteil einer späten Lese, ermöglicht durch eine lange Schönwetterperiode.

Als Resümee können wir festhalten, dass 2007 in der Steiermark der deutlich größere Jahrgang war als der ebenfalls gute Vorgänger 2006. Hier wird das letzte Jahr zu den absolut größten gezählt. In den anderen Weinbaugebieten war es umgekehrt. Zeit jedoch, viel Zeit werden die großen Steirer aus 2007 benötigen, um sich zu entwickeln und zu entfalten.

Verkostungsimpressionen.

Bei den eingereichten 2006ern handelte es sich überwiegend um Reserven oder Selektionen.Grundsätzlich erwartet man als Verkoster, dass solche Weine besonderen Genuss bereiten. Angesichts der eben skizzierten Jahrgangscharakteristika war die unglaubliche Präsenz dieses Jahrganges dennoch ein wenig überraschend. Ebenso überraschte die Tatsache, dass die Topliste 2006 ausschließlich aus steirischen Repräsentanten besteht, angeführt von einem ebenbürtigen Duo, nämlich dem Sauvignon Blanc Privat von Wolfgang Maitz aus Ratsch und Manfred Tements Zieregg. Trotz gleicher Punkte sind die beiden Weine grundverschieden. Glänzt Ersterer mit filigraner Finesse und seidiger Mineralität, ist das Gewächs aus der Großen STK-Lage Zieregg von monumentaler Statur und fast noch als embryonal zu bezeichnen. Für beide Weine ist der Höhepunkt wohl erst in einigen Jahren zu erwarten. Mehr Informationen gibt’s bei den Siegerinterviews.

Den dritten Platz teilen sich Alois Gross mit seinem Nussberg und die Brüder Polz mit dem Hochgrassnitzberg, Letzterer allerdings aus 2007. Die beiden Großen STK-Lagen lieferten Weine, die ihren Jahrgang und ihre Herkunft unverkennbar wiedergeben: elegant und finessenreich der Ratscher Nussberg, druckvoll, saftig und mineralisch der Hochgrassnitzberg. Dicht dahinter tummeln sich einige weitere, überaus attraktive Weine, wie die Hochberg Reserve des jungen Markus Pongratz ausGamlitz oder der schnörkellose Kranachberg von Christian Reiterer. Beiden ist ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis zu attestieren. Das gilt gleichermaßen für den eleganten, vom steinigen Boden geprägten Hartberg Smaragd des Mauritiushofes in Spitz. Erstmals so richtig aufgezeigt in unseren Sauvignon-Verkostungen hat Daniel Jaunegg aus dem Leutschacher Rebenland. Seine Selektion „Muri“ aus 06 zählt ebenso zu den besten Sauvignons des Landes wie Peter Skoffs Kranachberg. Gelungen ist auch die Erstausgabe von Erwin Tschermoneggs Lubekogel, Jahrgang 2007.

Insgesamt haben 14 Weine bzw. 18% der Proben mindestens 17 Punkte erreicht. Ungeachtet der Dominanz der 2006er im Spitzenfeld gilt es festzuhalten, dass es im Mittelbau viele ausgesprochen substanzreiche, fruchtige und animierende Weine aus 2007 gibt. Deren Niveau ist deutlich höher als im Vorjahr. Kein einziger Wein erreichte weniger als 14 Punkte. Die Siegerliste sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sowohl im Burgenland als auch in Niederösterreich eine Vielzahl mehr als ansprechender Sauvignons gibt.

Studenys Sündlasberg als sichere Bank gehört ebenso dazu wie der Reipersberg des Röschitzer Weingutes Gschweicher – eine Neuentdeckung mit höchst anständigem Preis. Ausnehmend gut gefallen haben uns weiters der Brunnthal der Weinkellerei Leth aus Fels, der Sauvignon Blanc von Günter Triebaumer aus Rust oder der immer wieder aufzeigende Wolfsbach von Leo & Silvane Sommer aus Donnerskirchen, um nur einige zunennen. Manche Weine brauchen noch mehr Zeit, um das Potenzial auszuschöpfen, das in ihnen steckt, beispielsweise der Pössnitzberg Limited II von Erwin Sabathi, die Oberburgstall Reserve von Hannes Harkamp oder der Privat von Willi Sattler.

Zum Teil wurden Weine mit völlig eigenwilligen Aromen abseits des Gewohnten eingereicht, bei denen wir auf Spontangärung getippt hatten. Die Aufdeckung der Produzenten am Ende der Verkostung untermauerte die Vermutung, dass es sich um „Spontis“ gehandelt haben dürfte. Außer Konkurrenz wurde der Sauvignon Blanc Brut von Szigeti aus Gols verkostet, ein ausgesprochen individueller Winzersekt mit wunderschön eingebundenem Mousseux, Lavendelduft und herzhaftem Biss; die Sorte ist ein wenig versteckt. Bewertet wurde er mit knappen 16 Punkten.

Zwei kleine Bitten.

Uns ist aufgefallen, dass einige Winzer ungewöhnlich überschwere Flaschen verwenden. Ist das in Zeiten der CO2- und Nachhaltigkeitsdiskussion wirklich notwendig? Außerdem passen solche Flaschen schlecht in gängige Regalsysteme. Auch sehen wir ein, dass der Jahrgang oft auf der Rücketikette zu finden ist – aber wenn, dann bitte die Jahreszahl groß aufdrucken. Man sucht sich sonst blöd.

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