Herbst in den Weingärten des Kamptales
Junger Sproß einer Rebe
Wein und Essen in perfekter Harmonie

Vinaria Ausgabe 07/2008

Die grüne Meisterklasse

Wer behauptet, der Jahrgang 2007 und die Rebsorte Grüner Veltliner vertrügen sich nicht, der wird bei den Meisterstücken des Jahrgangs eines Besseren belehrt. Die große VINARIA-Jahrgangsprobe der kräftigen Veltliner ab 13% zeigte ein mehr als erfreuliches Bild – und brachte an der Spitze mit dem „M“ von Lucas und F. X. Pichler einen Sieger, der schon im Vorjahr an dieser Stelle überzeugen konnte.

Wahnsinns-Nase, einfach perfekt – auch am Gaumen. Weltklasse. Das muss F. X. sein!“ So kurz und prägnant kann Weinbeschreiben sein. Zumindest bei Hermann Botolen, Restaurant- und Weinchef des Wiener Restaurants Meinl am Graben, der bei der großen VINARIA-Verkostung der kräftigen Grünen Veltliner den Gastjuror gab. Der Weltklassewein entpuppte sich als kein Geringerer als der„M“ vom Vater-Sohn-Gespann F. X. und Lucas Pichler – und der bekam auch von allen anderen Juroren höchste Weihen. Damit ging der Wachauer Top-Wein mit enormer Loibner Terroir-Charakteristik als klarer Sieger hervor – aus dem rund 250 Weine umfassenden (und selbstverständlich verdeckt gekosteten) VINARIA-Jahrgangs-Tasting der Grünen Veltliner 2007 mit 13% und mehr. Vielleicht erinnern sich noch einige, dass im Vorjahr an dieser Stelle ebenfalls der „M“ alsVeltLiner-Primus der 2006er glänzte. Somit brachten F. X. und Lucas Pichler das Kunststück zuwege, ihren Vorjahressieg „weingenau“ zu wiederholen, und das in zwei so wettermäßig unterschiedlichen Weinjahren – das zeigt Winzerklasse.

Der „M“ – wer es noch nicht weiß, das „M“ steht für Monumental – ist in jeder Hinsicht ein Ausnahme-Tropfen. In der Regel werden die Trauben für diesen Boutique-Wein zwei bis drei Wochen nach den Lagenweinen geerntet. Seine meiste Kraft zieht der „M“ vom Loibenberg, der Rest sind Selektionen von anderen hochwertigen Lagen, vor allem dem Kellerberg. Das Ergebnis ist massiv, aber nie aufdringlich üppig. Kraft und Eleganz stehen im Einklang. Die Pichlers sagen dazu „ein mächtiger Wein mit tänzelnder Opulenz“.

Fixplatz.

Auch mit ihm ist mittlerweile immer zu rechnen: Michael Moosbrugger, der Weinherr von Schloss Gobelsburg. Noch gar nicht lange her ist sein Sieg mit seinem Veltliner Steinsetz bei der VINARIA-Verkostung der leichten Grünen. Jetzt brilliert Moosbrugger schon wieder am Siegertreppchen. Sein „Grub“ war diesmal nicht zu biegen und wurde Zweitbester. Ein Wein, der alle Attribute vereint, die einen tollen Veltliner ausmachen, von der perfekt-prägnanten Würze bis hin zur salzig-kräuterigen Lebendigkeit. Genau das ist es, was den Grub-Veltliner – die Lage ist salopp gesagt die Verlängerung am Fuße des Heiligenstein hin zum Gaisberg – ausmacht: In der Jugend bereits die Klasse auszuspielen, aber die Reife in sich zu tragen für ein langes Stehen.

Beim dritten Platz im Veltliner-Tasting ist man versucht, von einer Überraschung zu reden: Denn mit dem Kellerberg Smaragd, der erst vor wenigen Wochen gefüllt und auf den Markt gekommen ist, hat sich die Domäne Wachau eindrucksvoll in die Veltliner-Spitze zurück katapultiert. Lange war es ja in der Oberliga qualitativ ruhig um die Genossenschaft, die bis vor Kurzem „Freie Weingärtner Wachau“ geheißen hat. Wer jedoch in Dürnstein hinter die Kulissen blickt, sieht schon länger, dass mit Roman Horvath als Geschäftsführer und mit dem Önologen Heinz Frischengruber „die Post abgeht“. Mit demrauchig-würzigen, Exotik versprühenden Kellerberg Smaragd ist der Erfolgslauf fortgesetzt, der heuer schon mit dem Achleiten-Veltliner als VINARIA-Drei-Sterne-Wein begann. Der Achleiten der Domäne kam übrigens erneut locker unter die Top 25 dieser Verkostung.

Insgesamt kann man beim Jahrgang 2007 von einer recht attraktiven Leistungsschau der kräftigen Veltliner sprechen. Die Weine weisen einen hohen Grad an Sauberkeit auf, was für die Winzer eine große Herausforderung darstellte und mit viel Arbeit verbunden war, da es ja gerade vor der Ernteperiode vielerorts kräftig hineingeregnet hatte. In Summe war aber 2007 bei den Veltlinern ein guter bis sehr guter Jahrgang. Wenn auch manche das im Frühjahr anders gesehen haben mögen – die Meisterstücke der Winzer geben Sicherheit: Der Daumen zeigt für die2007er nach oben. An der Spitze liegt einmal mehr das Who is who der Veltliner-Produzenten – wobei die Wachau nach wie vor die Schlagzahl angibt. Die Hälfte der Top-Ten-Weine kommt aus dem engen Flusstalabschnitt zwischen Spitz und Loiben. Wobei sich F. X. Pichler zum Sieg auch noch über einen vierten Platz mit seinem Kellerberg Smaragd freuen darf. Ebenfalls ganz vorne mischen die anderen bekannten Topstars mit: Toni Bodenstein vom Weingut Prager mit seinem Wachstum Bodenstein wie auch Franz Hirtzberger, der mit seinem erneut grandiosen Honivogl Smaragd die Spitzer Fahnen hochhält. Wer Emmerich Knoll oder Johann Schmelz jetzt vermisst: sie haben dieses repräsentative Veltliner-Tasting leider gespritzt und keine Smaragde eingereicht. Der Elite-Liga Wachau feinstes Paroli bieten neben dem bereits erwähnten Seriensieger Michael Moosbrugger von Schloss Go-belsburg auch Martin Nigl mit seinen vorzüglichen Alten Reben, Franz Türk mit seiner Frechau, Walter Buchegger mit seiner opulenten Reserve Leopold und Willi Bründlmayers Gigant Lamm. Alle Top-Ten-Winzer haben mit ihren Weinen mehr als18 Punkte erhalten, was für das hohe Niveau spricht, die Leistung der Winzer unterstreicht und auch als Bestätigung des Jahrganges gewertet werden kann.

Rund 20 weitere Veltliner kamen locker überdie 17-Punkte-Grenze hinaus, darunter Toni Hagen mit seinen Alten Reben, Markus Hubers Berg, Franz Proidls Ehrenfels, die Scheibe von Franz Leth, der Rosenberg von Bernhard Ott und Gobelsburgs Lamm. Alles Drei-Sterne-Weine – so wie Thomas Leithners fulminante „Zehn“ aus dem 2006er-Jahrgang, dererst jetzt auf dem Markt ist und sich ins Spitzenfeld katapultierte, jedoch im Ergebnis mit Fred Loimers Spiegel und Käferberg aus demselben Jahr eigens angeführt wird.

Ebenfalls in einer eigenen Kategorie wurden die nicht trockenen Weine gewertet. Angestellt waren eine Handvoll halbtrockene und liebliche Weine. Die Nase vorne hatte dabei Proidls Ehrenfels Reserve vor Hannes Hirschs Lamm und Rudolf Rabls Vinum Optimum Auslese.

Licht und Schatten.

Wie schon bei de nleichten Veltlinern vertrauen bei den Verschlüssen die Winzer bei ihren lagerfähigen Weinen auch immer mehr auf den Schraubverschluss – womit die Beanstandungen signifikant zurückgingen. Wenn jedoch Kork im Spiel war, „dann war das Problem doch auffällig“, wie das ein Verkoster diplomatisch ausdrückte. Erwischt hatte es dabei logischerweise eher die Top-Winzer, die bei ihren hochwertigsten Weinen auf die Baumrinde nicht verzichten wollen. Wie nah hier Glück und Pech beieinanderliegen, mussten diesmal die Top-Weingüter Alzinger (beimSteinertal Smaragd), Rudi Pichler (Hochrain Smaragd), Mauritiushof (Singerriedel Smaragd), Jamek (Achleiten Smaragd), Pfaffl (Goldjoch), Rainer Wess (Loibenberg) und Josef Fritz (Gondwana) spüren. Ihre Weine fielen leider mit Doppelkork aus der Wertung. Als Resümee der VINARIA-Probe bleibt: Bei rund 250 verkosteten Weinen gab es qualitätsmäßig wenig Ausreißer nach unten. Das ist erfreulich. Zwischen 14,5 und 16 VINARIA-Punkten tummelt sich das Gros der Veltlinerproduzenten mit einer soliden zufriedenstellenden Qualität. Jedoch drängen aus dieser immer größer werdenden Mittelschicht nur wenige nach oben. Somit bleibt die Spitze den bekannten Namen vorbehalten, die heuer einmal mehr zeigten, was aus Grünem Veltliner in einem so schwierigen Jahr wie 2007 herauszuholen ist. Wir werden noch viele Jahre an die Top-Stars des Jahrgangs denken und damit Trinkfreude haben.

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