Der Besuch beim Kremser Veltliner-Quintett diente VINARIA dazu, einen ersten Ausblick auf 2006 zu gewinnen, zumindest was das Kremstal anbelangt. Die im Frühstadium verkosteten Jungweine der fünf dynamischen Veltliner-Macher vermittelten interessante Erkenntnisse in Bezug auf Stilistik und Qualität dieses viel versprechenden Jahrgangs. Text: Bernulf Bruckner
Eigentlich müssten sie ja den Kopf hängen lassen, denn zumindest mengenmäßig hat sie genau jene Rebsorte, die die fünf Kremser im Titel führen, heuer gewaltig im Stich gelassen. Ein gutes Drittel weniger als bei einer Normalernte, also Einbußen im Schnitt von rund 35 %, sind schon eine beachtliche Zäsur, die die speziellen Vegetationsbedingungen des Vorjahrs bewirkt hatten. Eben diese waren allerdings auch die Voraussetzung für einen Qualitätslevel, der mit aller Vorsicht als zumindest überdurchschnittlich bezeichnet werden darf und über den – zweifellos über das Kremstal hinaus – noch viel zu reden sein wird.
Die während der gesamten Vegetationsperiode durchgehend gute Feuchtigkeitsversorgung führte zu entsprechend erhöhter Nährstoffaufnahme in den Trauben – ein Umstand, der für die heuer speziell beim Grünen Veltliner oft anzutreffenden Kühlenoten, die an Melisse, Minzblätter oder sogar mentholige Einschlüsse erinnern, verantwortlich sein dürfte. Doch nicht nur die Veltliner, auch andere Sorten profitierten vom Vegetationsverlauf. Riesling, Sauvignon Blanc und teilweise die Burgundersorten wurden von diesen Witterungsbedingungen merkbar geprägt und erlauben es den fünf Kremser Veltliner-Machern, über ihre Leitsorte hinaus von zusätzlichen Vorteilen zu reden – ähnlich der Zusatzzahl im Lotto.
Was wir außerdem positiv vermerken dürfen, ist die Tatsache, dass in allen Betrieben zunehmend auf den Drehverschluss gesetzt wird. Die Kurzzeichen hinter den Weinbezeichnungen stehen für Schrauber (S), Naturkork (K) oder Glasverschluss (G). Vom Kunststoffpfropfen hat man sich mittlerweile verabschiedet. Im Folgenden werfen wir einen Blick auf einige bemerkenswerte Jungweine der fünf Winzerfreunde und lassen, neben den Kostnotizen, die Produzenten selbst in kurzen Statements zu Wort kommen.
...mit seinem komfortablen Gästehaus ist aus Krems, genauer genommen aus dem beschaulichen Winzer-Stadtteil Weinzierl, nicht mehr wegzudenken. Die Kelleranlagen wurden im Vorjahr total neu errichtet, allerdings am Rand der Stadt. Hier befindet sich Wolfgang Aigners neues Wein-Refugium, das mit Recht als eines der modernsten der Region bezeichnet werden kann. Der Kremser ist, wie er sagt, ein Freund höherer Zucker- und Extraktwerte, aus diesem Grund wurde auch heuer rigoros ausgedünnt, obwohl beim Veltliner – wie fast überall – bereits im Vorfeld erhebliche Ertragseinbußen in Kauf genommen werden mussten.
... ist einer, der seine Ziele auf sympathisch-geradlinige Weise verfolgt. Die zahlreichen Auszeichnungen, die er für seine Weine bereits entgegennehmen konnte, sprechen eine beredte Sprache. Sein permanentes Bemühen um mehr Qualität fand zuletzt in der Investition einer computergesteuerten Kühlanlage seinen Niederschlag, mit der die Gärtemperaturen für jeden einzelnen Wein getrennt geregelt werden können, sowie in der Errichtung einer neuen Füllstraße „mit allem, was das Herz begehrt“, wie es der Kremser ausdrückt. Die Lagenweine wie auch seine Rotweine, werden weiterhin mit Naturkork verschlossen, alles andere verschließt er mit dem Schrauber.
Auch im Weingut Fritz erntete man beim Veltliner nach Aussagen des Juniors um ein Drittel weniger, dafür ist der Winzer mit der Qualität sehr zufrieden. Der Umstand, dass die Reben im Vorjahr keinerlei Feuchtigkeisstress ausgesetzt waren, begünstigte das Wachstum und sorgte für Konzentration und Reife der Trauben. „Wir konnten heuer durch den schönen Herbst ausschließlich gesundes Traubenmaterial einbringen, wie es auch der Linie unseres Betriebes entspricht“, freut sich Rudolf Fritz und macht nicht zuletzt auch den richtigen Erntezeitpunkt, der sich im Haus bis in den November hinein erstreckt hat, für die Qualität seiner Weine verantwortlich.
... vom gleichnamigen Weingut in Krems-Rehberg haben den Lesezeitpunkt trotz der schon hohen Zuckergrade nicht nach der Klosterneuburger Mostwaage bestimmt, sondern mittels optischer und geschmacklicher Beurteilung der Weintrauben. „Die physiologische Reife ist uns besonders wichtig“, versichert uns der junge Kremser, „und sie setzte heuer erst bei hohen Zuckergraden ein. Das ergibt ein harmonisches Gesamtbild mit reifen Bukettkomponenten und passender Säure.“ Die Kühlenoten in den Weinen, speziell der Veltliner, sind seiner Meinung nach auch eine Folgeerscheinung des wunderschönen Altweibersommers mit hoher Tageserwärmung und kühlen Nächten über Wochen.
... aus dem südlich von Krems gelegenen Stadtteil Thallern beziffert die Einbußen beim Grüner Veltliner im eigenen Haus mit 50%. „Auf den Weinstöcken war zwar annähernd dieselbe Traubenanzahl festzustellen, aber dieses Mal waren sie ausgesprochen lockerbeerig und dünn“, erklärt er uns bereitwillig und resümiert: „Ein goldener Herbst mit gleichem Leseaufwand bei kleiner Ernte, jedoch sehr hoher Reife.“ Im Augenblick hat er allerdings nicht nur die 2006er im Kopf, sondern auch einen Wein aus dem Geburtsjahrgang des ersten Töchterchens, einen Grünen Veltliner 2005 namens Tatiana, der heuer im Mai präsentiert wird, just zum gleichen Zeitpunkt, zu dem ein Schwesterlein erwartet wird.
Wolfgang Aigner, 3500 Krems, Weinzierl 53
Tel. 0664/2001612, Fax 02732/84558-14
E-Mail: info@aigner-wein.at
Weingut Meinhard Forstreiter, 3506 Krems-Hollenburg, Kirchengasse 7
Tel. 0664/2129377, Fax 02739/2296-4
E-Mail: forstreiter.wein@utanet.at
Rudolf Fritz, 3511 Krems-Thallern 14
Tel. 02739/2734, Fax 24268
E-Mail: rudolf-fritz@aon.at
Anton Hagen, 3503 Krems-Rehberg, Seilerweg 45
Tel. 02732/78160, Fax -4
E-Mail: info@weingut-hagen.at
Hauerhof Tanzer, 3511 Krems-Thallern, Hauptstraße 1
Tel. 02739/2208, Fax -4
E-Mail: wein@hauerhof-tanzer.at