Herbst in den Weingärten des Kamptales
Junger Sproß einer Rebe
Wein und Essen in perfekter Harmonie

A la Carte Ausgabe 08/2006

Traminer aktuell – kraftvoll in die neuen Zeiten

Die von VINARIA seit langen Jahren erhoffte Wiederbesinnung auf den Traminer, immerhin eine der niveauvollsten österreichischen Weißweinsorten überhaupt, ist zwar punkto Breite des Angebots noch immer nicht realisiert worden, dafür lässt die mittlerweile erreichte Qualität auch für anspruchsvolle Weinliebhaber kaum mehr Wünsche offen.  
Text: Viktor Siegl

Die von VINARIA im Rahmen der letzten VieVinum durchgeführte Vergleichsverkostung von Sauvignon Blancs und Traminern hat wieder einmal gezeigt, dass die österreichischen Traminer auch in schärfster Konkurrenz mit ausländischen Topweinen bestens bestehen können. War dabei der Schwerpunkt auf reife Gewächse gelegt worden, so ist diesmal, anlässlich der rein nationalen Rundschau, der Fokus naturgemäß auf den aktuellen Jahrgang 2005 gerichtet, wobei wir uns auch dazu entschlossen haben, jene 2004er-Reserveweine zu verkosten, die von den Weingütern in ihrem gegenwärtigen Sortiment geführt werden.

Dieser Entschluss hat sich in der Nachbetrachtung insofern als zielführend erwiesen, als diese Handvoll Weine ganz ausgezeichnet gefallen konnte. Aber dies war ja von vornherein zu erwarten, profitieren doch sowohl die kräftigen, mit leichter Holzunterstützung ausgebauten „Drei-Männer-Weine“ als auch die subtilen, anfangs von der Restsüße ein wenig dominierten Varianten so gut wie immer von zwei, drei Jahren Lagerung in der Flasche. Innerhalb der 2005er-Traminer wurden die trockenen und halbtrockenen in einer Gruppe degustiert – Gleiches galt übrigens für die zuvor erwähnten 2004er –, während die wenigen Weine mit höherem Restzuckergehalt eine eigene Kategorie gebildet haben.

Hohes Qualitätsniveau.

Die erreichten Punktezahlen sprechen für sich: Trockene 2005er und 2004er wie auch deutlich restsüße Traminer konnten sehr hohe Bewertungen erlangen. Dabei war eine Bevorzugung einer der diversen Traminer-Spielarten, die wissenschaftlich ohnehin nicht gesichert sind, nicht zu erkennen: Sowohl als Gewürztraminer benannte Gewächse als auch als Rote Traminer oder schlicht Traminer bezeichnete Tropfen wussten zu gefallen. Vielleicht noch kurz zur Erinnerung: Für die Unterscheidung zwischen Rotem Traminer und Gewürztraminer zieht die herrschende Meinung, oder besser gesagt der Volksmund, die Verfärbung der Trauben in kräftiges Pink oder in Zartrosa bis Gelblich als vorwiegendes Kriterium heran, was natürlich nicht der Wahrheit letzter Schluss sein kann. Erwiesen dürfte hingegen die Identität des Gelben und Weißen Traminers sein, der Weine mit deutlich anderem, eher dezent-kräuterwürzigem Aromenspektrum hervorbringt und mit dem Savagnin blanc des Jura, vielleicht auch mit dem schweizerischen Paien verwandt ist, doch damit wagen wir uns wieder auf schwieriges Terrain.

To oak or not to oak. 

Von den Weinen mit mehr oder weniger deutlicher Barrique-Reifung hat diesmal Josef Fritz mit seinen untadeligen Traminern, nämlich der Grande Reserve 2005 und dem schlicht Barrique benannten 2004er, den Vogel abgeschossen, aber auch Weingüter wie Josef Aichinger aus Schönberg mit seinem Wöhrleitn oder die Neumeisters mit ihrem Steintal sowie Fredi Ploder mit seiner Linea haben schon des Öfteren ihre Meisterschaft in diesem Ausbaustil bewiesen. Diese besteht vorwiegend darin, die an sich subtilen Frucht- und Würzenuancen der Traminerfamilie und den meist großzügigen, mit reichlich Alkohol unterlegten Körper durch zarte Eichentannine nur zu unterstützen, die für diese Fälle gleichsam die ergänzende Rolle der Weinsäure übernehmen, die in den meisten Traminern ja nur spärlich enthalten ist. Mit einem Wort: Ein vorsichtig absolvierter Barrique-Ausbau kann durchaus zu bildschönen Ergebnissen führen. Bei einer kleinen Anzahl von Weinen war ich mir nicht sicher, ob vielleicht ein Ausbau im großen Holzfass, in wenigen Fällen vielleicht auch die Gärung darin, oder ein geringfügiger Zusatz im Sinne einer Dosierung mit etwas Barrique-gereiftem Wein für eine ganz leichte, kaum merkliche Holzfärbung gesorgt haben. Oder waren es nur die nahezu immer vorhandenen, leicht tanninigen Untertöne dieser Rebsorte?

Verstehen wir uns aber nicht falsch: Die Unterstützung durch ein bisschen Holz kann, aber muss nicht sein, denn ebenso hohe Punktewerte wurden durch ausschließlich im Stahltank geschulte Traminer erreicht, sofern sie Vielschichtigkeit und Eleganz – Extrakt und Volumen sind nahezu stets in ausreichendem Verhältnis vorhanden – in das Glas zu bringen vermögen, wie diesmal beispielsweise Erwin Tschermonegg, Erich Nebenführ oder Walter Müller eindrucksvoll demonstriert haben. Im Fall eines höheren Restzuckergehalts sind meiner Ansicht nach einige Lagerjahre unabdingbar, um das wahre Potenzial eines solchen Traminer-Prädikatsweines voll auszuloten, wie die Erfahrung immer wieder gelehrt hat; um eine bessere Vergleichbarkeit zu ermöglichen, haben wir daher auch die Grenze des zulässigen Restzuckergehalts mit 30 Gramm bewusst niedrig angesetzt.

Verschiedene Herkünfte, günstige Preise. 

Was die verschiedenen Herkünfte der am besten reüssierenden Traminer betrifft, lassen sich eigentlich kaum große Präferenzen feststellen: So haben die erfahrenen Erzeuger aus dem vulkanischen Hügelland um Klöch und Straden ebenso wieder gepunktet wie die südsteirischen Spezialisten wie Tschermonegg und Gross, aber auch der Wagram (Josef Fritz), das Kamptal (Josef Aichinger), die Wachau mit dem immer wieder überzeugenden Smaragd namens Bruck aus der Hand von Sigi Donabaum oder das Weinviertel mit den wunderbar abgestimmten Traminern von Erich Nebenführ und Helmut Taubenschuss haben ihre Eignung für diese Rebsorte bewiesen. Dabei haben – offenbar aufgrund des ungünstigen, mitten in die Haupternte fallenden Einreichungszeitpunktes – zwei der stärksten Weinviertler Betriebe ebenso gefehlt wie die zwei besten Gelben Traminer, aber das mag am besagten Restzucker-Limit gelegen haben. Schließlich sind viele der besten Traminer zu diesem Zeitpunkt schon so gut wie vergriffen, doch hier kommen wir in die bekannte Schere zwischen erstmals möglicher, seriöser Beurteilung und raschem Ausverkauf der am stärksten nachgefragten Produkte, für die es aber keine allseits befriedigende Lösung gibt.
Schließen wir also mit dem erfreulichen Fazit, dass viele der besten Traminer noch immer erstaunlich preiswert sind. Diesbezüglich Spitzenreiter ist mit 6,50 Euro für die Halbliterflasche vermutlich der hoch eingeschätzte Gewürztraminer des Retzbachers Erich Nebenführ, aber auch viele andere Gewächse befinden sich in dem durchaus noch als wohlfeil anzusehenden Bereich zwischen 7 und 9 Euro für die Standardflasche.

Die Probe.

Für VINARIA verkostet haben diesmal Hermann Botolen, Peter Schleimer, Viktor Siegl und Harald Wohlgenannt, und zwar im äußerst angenehmen Ambiente des Favoritner Traditionsgasthauses Meixner, dessen Team für die optimale Unterstützung bei der Degustation an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt sei.

Jahrgang 2005 (trocken & halbtrocken)

Ausgezeichnet

Weingut Jahr/Wein Bemerkung Punkte

Josef Fritz, Zaussenberg

Roter Traminer
Grande Reserve Trausatz

E 15,–   Wunderbar fruchtbetonte, komplexe Nase, aus der Kokosmark und Vanille noch hervorstechen, feiner Holzeinsatz; rund und geschmeidig, dabei stets fest, ja athletisch, wiederum gut eingebundene Eichennote, erneut finessereich, druckvoll und lang – ein Spitzentraminer mit schönem Reifepotenzial. 

17,6

Sighardt Donabaum, Spitz

Gewürztraminer
Smaragd Ried Bruck

E 16,–  Rauchig-mineralisch verwobenes Bukett mit Anklängen von Winteräpfeln und Quitten; sehr engmaschig und elegant, schmalziger Wein mit starker Gewürzaromatik und klarer Orangenfrucht, viel Pikanz und etwas Tannin bis zum langen Abgang.    

17,4

Taubenschuss, Poysdorf

Traminer Auslese

E 12,–  Verspielte, klare Nase nach Rosenblüten und Grapefruit, floral und sofort animierend; viel Charme auch am Gaumen, herzhaft und finessereich zugleich, satte Steinobst- und Zitrusaromen, nahezu perfekte Balance und große Länge.   

17,4

 

Sehr gut

Weingut Jahr/Wein Bemerkung Punkte

Gießauf-Nell, Klöch

Gewürztraminer XXnell,

E 15,–  Subtiles Duftspiel nach Maschansker-Äpfeln, Biskuit und Minze, vielschichtig und ausdrucksvoll; schöne Struktur auch am Gaumen, knackig und elegant bei mittlerem Gewicht, ausgewogen und strukturiert, punktet erneut mit kühler Apfelfrucht. 

16,7

Erwin Tschermonegg, Glanz

Traminer Trio

E 8,20  Puristisches Bukett, das an Zitronenmelisse, Melone und viele andere Aromen erinnert, rauchig und pikant; tolle Verbindung aus Eleganz und Kraft, ziseliert und filigran, der nervige Charakter fällt auf, große Finesse und Länge (einfach noch zu jung, um seine ganze Klasse zu zeigen).           

16,5

Josef Aichinger, Schönberg

Roter Traminer Wöhrleitn

(noch nicht im Verkauf)  Frisch und sofort einnehmend, schöne Intensität, leicht selchige Note, aber auch Rosenholz; dicht und mollig, zeigt einige Power, robuster Traminer mit dezenter Frucht im Hintergrund, strukturiert und anhaltend, aber noch kantig – braucht schmeckbar noch Reifezeit, gute Perspektiven.           

16,0

 

Jahrgang 2005 (höherer Restzucker)

Ausgezeichnet

Weingut Jahr/Wein Bemerkung Punkte

Erich Nebenführ,
Mitterretzbach

Gewürztraminer
Retzbacher Satzen

E 6,50 (0,5 l)  Herrlich intensives Duftspiel nach Rosen und Mirabellen, dicht, reif und zugänglich; die verlockende Frucht setzt sich mit Anklängen an Birnen und Honigmelonen fort, ungemein saftig, etwas eingebundener Restzucker klingt an, verführerisch in seiner Tiefe und Eleganz, finessereich, lang und zukunftsträchtig. 

18,1

 

Sehr gut

Weingut Jahr/Wein Bemerkung Punkte

Walter Müller, Klöch

Roter Berg

E 10,–  Üppig und ausgereift im Bukett, das einen weiten Bogen beschreibt, bisschen barock und Restzucker verratend; tatsächlich hoher, doch eingebundener Zuckerrest am Gaumen, charmant und elegant, Nuancen von Zimt und Nektarinen, weich und sanft, schöne Traminer-Variante an der Grenze zum Dessertwein.       

16,8

Familie Neumeister, Straden

Roter Traminer
Steintal

E 13,–  Pfeffrig und fein strukturiert, eher filigran gehalten und die Kräuterwürze betonend; ausgeprägtere Frucht am Gaumen, mittlere Maschen, reintönig und sanft, durchaus elegant, insgesamt aber etwas verhaltene Art.   

16,0

 

Jahrgang 2004 (trocken & halbtrocken)

Ausgezeichnet

Weingut Jahr/Wein Bemerkung Punkte

Erwin Tschermonegg, Glanz

Traminer Trio

E 8,20  Rauchig und fest, kühle Aromatik mit feinen Gewürznoten, saftig und extraktsüß; viel Fruchtschmelz und fülliger Körper, dennoch zarte Fruchtnuancen, balanciert und ausdauernd, legt im Glas immer stärker zu und beweist Finesse, Rasse und modellhafte Balance – alles in allem ein großer Traminer.    

18,2

Josef Fritz, Zaussenberg

Barrique

E 15,–   Exotische Fruchtnote à la Litschi und Melisse im Bukett, auch ein Hauch von Vanille und Holzkohle vom Barrique-Ausbau; äußerst substanzreich und druckvoll, geht mit Luftzufuhr auf, reichhaltig und vielschichtig, dabei harmonisch und in jeder Phase die Feinheiten der Rebsorte betonend, großes Potenzial.    

18,0

Alois Gross, Ratsch

Gewürztraminer Gamitzberg

E 15,50  Banane und Mango fallen in der exotisch wirkenden Nase auf, floral und zugänglich, sehr präsent; cremig und pikant zugleich, zeigt viel Trinkfluss bei mittlerem Volumen, schöne Balance und leichter Gerbstoff vor dem zartbitteren Abgang, individuell und immer noch jugendlich.    

  17,2


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