Vor rund einem Jahrzehnt hat die Erfolgsgeschichte der „Wagramer Selektion“, die dann im Jahr 2001 neu formiert wurde, begonnen; heute sind es 14 Betriebe, die – zumeist von jungen, dynamischen Winzern geleitet – ihr Ziel unbeirrt weiterverfolgen: die Spitzenqualität für ihre Wagramer Weine anzustreben und zu perfektionieren.
Text: Viktor Siegl
Einige Kilometer östlich von Krems beginnt die Wagram genannte, in ihrer Mächtigkeit in Europa einzigartige Lössstufe, die sich sozusagen als einziger Südhang fast bis nach Stockerau erstreckt. Gebildet wurde die Steilstufe des Wagram von einer bis zu 20 Meter tiefen Lössschicht, die von den austrocknenden Ufern des zurückgehenden Urmeeres dorthin verfrachtet wurde.
In diesem sandigen Lehm können die Wurzeln der Rebstöcke auch in heißen Jahren fast immer ausreichend Wasser vorfinden und jene Nährstoffe aufnehmen, die den Wagramer Weinen tiefe Würze und cremige Textur verleihen, wie sie etwa für den regionalen Veltliner als mit Abstand wichtigste Rebsorte so charakteristisch sind.
Rund 90 Prozent der Wagramer Lagen ruhen auf diesem Lössboden, der Rest verteilt sich auf Urgestein und den sogenannten roten Schotter, der speziell Riesling viel Schliff und Rasse gibt.
Gesuchte Raritäten dieses äußerst kompakten Weinbaugebietes, in dem sich die Weinorte von Feuersbrunn im Westen bis Königsbrunn im Osten wie eine Perlenreihe aneinander fügen und das in einer halben Stunde vom Wiener Stadtrand bequem zu erreichen ist, sind der Rote Veltliner, der nunmehr eine gewisse Renaissance erfährt, und der Frührote Veltliner, der schon im leichteren Bereich und als ganz jugendlicher Wein seine Facetten auszuspielen vermag. Weitere wichtige Rebsorten, die die Wagramer Palette ergänzen, sind beispielsweise Weißburgunder, Chardonnay und Traminer; auch die Rotweine haben den Rang eines Nischenprodukts überschritten, wobei sich im Speziellen Zweigelt und Pinot Noir für das Wagramer Terroir zu eignen scheinen.
Durch die unmittelbare Ausrichtung nach Süden, welche die meisten Wagramer Weinbaurieden genießen, ist eine optimale Sonneneinstrahlung garantiert, wobei das Mikroklima am Schnittpunkt des rauen Waldviertels, von dem über Nacht kühle Winde herabstreichen, und des pannonischen Binnenklimas, wie es etwa für das Tullner Becken typisch ist, für Weinbau nahezu optimal ist; für eine ausgleichende Wirkung sorgt schließlich noch das im Süden liegende breite Band des Donaustromes.
In der Praxis hat sich der formal unter Donauland firmierende Wagram – zum Donauland zählen im Wesentlichen noch die verstreuten Weinbauflächen zwischen Atzenbrugg und Tulbing sowie die traditionellen Weinbaufluren im Raum von Kritzendorf, Weidling und Klosterneuburg – längst als eigenes Weinbaugebiet etabliert. Entscheidend dazu beigetragen haben Faktoren wie Geschlossenheit der Weinbauflächen, eigener Bodentyp und kleinklimatische Einflüsse sowie das Aufleben eines sanften Tourismus.
Nicht zu unterschätzen ist für die Aufwärtsentwicklung der Wagramer Region aber das nimmermüde Wirken von Vereinigungen wie „Wagramer Selektion“ und „Weingüter Wagram“, wobei auf allein kämpfende Weinbaupioniere wie Karl Fritsch, Bernhard Ott oder Anton Bauer nicht vergessen werden sollte. Für die „Wagramer Selektion“ hat der seinerzeitige Obmann Horst Kolkmann, der vor kurzem aus beruflichen Gründen sein Amt an Bernhard Ecker weitergegeben hat, unter seiner Ägide bereits einen regen Informationsaustausch, gemeinsame Verkostungen und Kontakte zu anderen Vereinigungen wie zum Interprofessionellen Komitee gepflogen.
Nunmehr hat die zweitälteste aktive Winzervereinigung (nach der Vinea Wachau) eine ganz junge Führungsriege erhalten, die mit ihrem niedrigen Durchschnittsalter dem Gesamtbild der 14 Mitgliedsbetriebe entspricht; diese werden nämlich fast ausschließlich von sehr jungen Weinmachern geführt, für die ein schwungvoller Auftritt charakteristisch ist.
Und eben dieses gemeinsame Auftreten als geschlossenes Team auf Messen, Präsentationen und anderen Veranstaltungen sieht der Vorstand der „Wagramer Selektion“ auch als wichtigstes Bindeglied für seine Vereinigung an. Als zumindest mittelfristiges weinbaupolitisches Ziel wird die Schaffung eines eigenen Weinbaugebietes Wagram, das glücklicherweise über ganz einfach zu ziehende Grenzen verfügen würde, ohne Umschweife definiert; erst nach der entsprechenden Neufassung des Weingesetzes sollte über eine etwaige DAC Wagram im Sinne einer Stärkung des Herkunftsgedankens nachgedacht werden.
Frühlingserwachen am „kostbaren“ Wagram.
Im Detail sind als nächste gemeinsame Auftritte unter anderem der Linzer Weinfrühling am 21. April 2006 und die beiden Weinmessen Vinova vom 2. bis 5. April 2006 im Messezentrum Wien-Neu und VieVinum vom 10. bis 12. Juni 2006 in der Hofburg zu nennen; an Ort und Stelle präsentiert sich der „kostbare“ Wagram während des schon traditionellen Weingipfeltreffens inmitten der schönsten Rieden am Hengstberg und vor allem in Gestalt der offenen Winzerhöfe von Feuersbrunn bis Stetteldorf im Rahmen des am 6. und 7. Mai 2006 stattfindenden „Frühlingserwachen Wagram“. Abgerundet wird das vinologische Jahresprogramm durch zahlreiche Veranstaltungen anlässlich des Niederösterreichischen Weinherbstes, die aber von den einzelnen Weinbauorten eigenständig organisiert und beworben werden.
Glücklicherweise verfügt das zukünftige Weinbaugebiet Wagram über eine breit gestreute kulinarische Auswahl, die von der Top-Gastronomie über gutbürgerliche Gasthäuser bis zu urigen Buschenschanken reicht; und wer an Ort und Stelle so viel von den guten Tropfen verkosten möchte, wie ihm Spaß macht, findet auch zahlreiche Möglichkeiten für die Übernachtung in komfortablem Ambiente vor. Die Gemütlichkeit der Bewohner, die rasche Erreichbarkeit samt der geringen flächenmäßigen Ausdehnung und die sanfte Landschaft weitab jeden Ferien-Rummels sind offensichtlich auch jene Pluspunkte, die für ein gewisses Aufleben des sanften Tourismus gesorgt haben. Dazu zählen natürlich in erster Linie der Weintourismus, der die Quantität der Ab-Hof-Verkäufe – ganz entgegen dem landläufigen Trend – sogar ansteigen ließ, samt dem eben genannten kulinarischen Angebot, aber auch der Radtourismus – endlich gibt es auch entsprechende Karten und klare Beschilderungen – und das Wandern durch die Weinbaufluren und tief in den Löss gegrabenen Kellergassen.
Diese „unspektakulären“ Höhepunkte gehören zu den immer beliebter werdenden Kurzurlauben, wie sie längst nicht nur von Wiener Gästen, sondern auch Besuchern aus dem Westen und dem süddeutschen Raum etwa an einem verlängerten Wochenende immer öfter absolviert werden. Die anhaltende Tendenz zu Weinreisen bestärkt gewissermaßen die althergebrachte Vertriebsschiene des Ab-Hof-Verkaufs, freilich sind Partner im Fachhandel und in der Gastronomie unentbehrlich; auf den der Struktur des Betriebes entsprechenden Mix kommt es eben an. Apropos Vertrieb: Wer einen wichtigen Wein vergessen hat oder nicht zu viele Weingüter einzeln besuchen möchte, findet im wunderschönen Ambiente der Gebietsvinothek „Alter Winzerkeller“ in Kirchberg am Wagram, also im Herzen der Region, eine reiche Auswahl von Weinen aus allen Wagramer Weinbauorten zu fairen Preisen vor.
Mit den Zielen einer Homogenität und kontinuierlichen Qualität vor Augen werden sämtliche Mitgliedsbetriebe der „Wagramer Selektion“ – und das dürfte für österreichische Markenschutzvereinigungen ziemlich einzigartig sein – jedes Jahr aufs Neue verkostet und klassifiziert. Dabei muss jeder Betrieb mindestens
fünf Weine zur Verkostung einreichen, um Eintagsfliegen hintanzuhalten, wobei die meisten Mitgliedsbetriebe wesentlich mehr Weine dieser Bewertung unterziehen lassen. Falls ein Betrieb zweimal nacheinander den im Punktedurchschnitt letzten Platz belegen würde, würde seine Mitgliedschaft durch eine sogenannte Karenzierung ruhend gestellt, was zum Glück bislang noch nie notwendig wurde.
Auf diese Weise werden rigoroses Qualitätsdenken und gesunde Konkurrenz innerhalb der Vereinigung gefördert und jene Qualität garantiert, die eben Grundvoraussetzung ist, um die schwarze Kapsel mit dem begehrten Logo der „Wagramer Selektion“ über den Flaschenhals stülpen zu dürfen. Selbstverständlich werden nur Qualitätsweine, die bereits die staatliche Prüfnummer besitzen, bewertet; ebenso selbstverständlich ist, dass die Prüfung mittels einer gedeckten Verkostung durch eine interne Jury erfolgt. Externe Juroren, wie ausgewählte Fachjournalisten, Sommeliers und Gastronomen, kommen ins Spiel, wenn es darum geht, jedes Jahr aus den besten Weinen der „Wagramer Selektion“ gegen Ende April den „Wagram Champion“ zu küren; im Jahr 2005 war das beispielsweise ein Grüner Veltliner des aufstrebenden jungen Winzers Stefan Bauer.
Der Wagram ist von den bekannten Wetterkapriolen wie alle anderen österreichischen Weinbaugebiete betroffen gewesen; auch dort hat der strahlend sonnige Oktober gewissermaßen den Jahrgang gerettet, wenn auch Ernteeinbußen im Bereich von 25 bis 30 Prozent die Regel waren. Abgesehen von leichten Verrieselungsschäden hat jene rigide Selektion, wie sie das Ausscheiden der von Botrytis befallenen Beeren und Trauben eben notwendig gemacht hat, zu diesen Erntedefiziten geführt. Im Verhältnis waren die Einbußen für Rotweinsorten, aber auch Weißburgunder und Chardonnay noch etwas höher. Wenn man Vergleiche mit kurz zurückliegenden Jahrgängen ziehen möchte, bieten sich für den Wagram vor allem die noch gut in Erinnerung befindlichen Jahre 2002 und 1999 an. Generell sind die Weißweine vielleicht noch etwas fruchttiefer und markanter als die 2002er und ähnlich sortenspezifisch wie die 99er ausgefallen.
Besonders gelungen ist erfreulicherweise die Haus- und Hofsorte Grüner Veltliner, aber auch die Burgunderfamilie oder der Frührote Veltliner, ja selbst der launische Rote Veltliner, dem die Fäulnis arg zugesetzt hat, können vielfach überzeugen; wesentlich besser als zuletzt sind auch die Sauvignons und die Rieslinge ausgefallen, wobei man Letzteren noch einige Flaschenreife einräumen sollte. Doch auch die Rotweine, allen voran Zweigelt und Pinot Noir, sind aus dem Jahrgang 2005 eigentlich ganz gut geraten und werden den unmittelbaren Vorgänger 2004 am Wagram mehr oder weniger deutlich übertreffen.
Die Mitglieder der „Wagramer Selektion“ haben jedenfalls die späte Gunst des Jahres dazu genützt, tadellose Weinserien hervorzubringen, auch wegen des gestiegenen Know-how fraglos die bislang besten, die je das Logo der Vereinigung getragen haben; sogar der tolle Jahrgang 1999 wurde souverän übertroffen – auf die gedeckte Verkostung zur Kür des „Wagram Champion“, bei der die allerbesten Gewächse in einem sicherlich engen Wettbewerb aufeinander treffen, darf man schon jetzt gespannt sein!
Stefan Bauer, 3465 Königsbrunn am Wagram
Rathausplatz 19, Tel. 02278/2771, Fax -10
stefan@weingutbauer.at, www.weingutbauer.at
Stefan Bauer hat seine Lorbeeren mit den Veltliner-Variationen eingeheimst, so wurde etwa der Steinagrund im letzten Jahr zum „Wagram Champion“ gekürt, aber auch die Rotweine sollten keinesfalls übersehen werden.
Weingut Benedikt, 3470 Kirchberg am Wagram
Mallon 26, Tel. & Fax 02279/2475
office@benedikt-weine.at, www.benedikt-weine.at
Das Weingut Benedikt hat in den letzten Jahren eine interessante Vielfalt an Veltliner-Typen vorgestellt, darunter den punkto Mineralität und Fruchtbrillanz hervorstechenden Schafberg-Veltliner.
Weingut Direder, 3470 Kirchberg am Wagram
Mitterstockstall 1a, Tel. 02279/2659, Fax -26
weingut@direder.at, www.direder.at
Das Weingut Direder hat in den letzten Jahren speziell mit modellhaften Weißburgundern und Grünen Veltlinern der kräftigeren Ausbaustufe überzeugt, interessant sind auch die Rotweincuvées.
Eckhof, Familie Ecker, 3470 Kirchberg am Wagram
Mitterstockstall 25, Tel. 02279/2440-40, Fax -50
weingut@eckhof.at, www.eckhof.at
Das Weingut Eckhof hat sich als einer der führenden Betriebe am Wagram profiliert, der unter anderem immer wieder eine reichhaltige Palette völlig unterschiedlicher, aber stets eleganter Veltliner vorstellt.
Weinhof Ehn, 3470 Kirchberg am Wagram
Engelmannsbrunn 31, Tel. & Fax 02279/27377
office@weinhof-ehn.at, www.weinhof-ehn.at
Veltliner der kräftigen Ausbaurichtung und Chardonnay gehören zweifellos zu den Eckpfeilern dieses Produzenten, aber auch hohe Prädikatsweine, wie etwa Eiswein vom Grünen Veltliner.
Weingut Greil, 3465 Unterstockstall-Kirchberg am Wagram
Alte Weinstraße 4, Tel. 02279/2139, Fax -14
office@weingut-greil.at, www.weingut-greil.at
Beeindruckt haben vor allem die blitzsauberen Veltliner der verschiedenen Gewichtsklassen, aber auch die Repräsentanten der Burgundersorten sowie der ungemein aromatische Rote Traminer.
Weingut Heiderer-Mayer, 3701 Baumgarten am Wagram 25
Tel. & Fax 02955/70368
heiderer-mayer@aon.at, www.heiderer-mayer.at
Die Kessellagen ganz im Osten des Wagram sind in den letzten Jahren eine Bank für fruchtbetonte und beschwingte Grüne Veltliner und Rieslinge gewesen; auffallend auch die überzeugenden Rotweine, speziell der zuletzt in VINARIA hochgelobte Cabernet Sauvignon.
Weingut Kolkmann, 3481 Fels am Wagram
Flugplatzstraße 12, Tel. 02738/2436, Fax -4
weingut.kolkmann@aon.at, www.kolkmann.at
Aus der äußerst vielfältigen Palette des Weinguts Kolkmann wurden in den letzten Jahren beispielsweise die seltenen Varietäten Roter Veltliner und Neuburger hochgelobt, aber auch die Leitsorte Veltliner und der pikante Sauvignon haben ihre Meriten erworben, wobei auch die Top-Rotweine, im Besonderen die kraftvolle Cuvée Auregia, besondere Beachtung verdienen.
Weingut M. Mayer, 3465 Königsbrunn am Wagram
Kremser Straße 19, Tel. 02278/2277, Fax -14
weingut@m-mayer.at, www.m-mayer.at
Auf der einen Seite hat dieser aufstrebende Betrieb zuletzt mit dem Grünen Veltliner aus altem Rebbestand aufhorchen lassen, auf der anderen Seite mit Randsorten und Raritäten à la Gelber Muskateller und Grüner Sylvaner.
Urbanihof – Familie Paschinger, 3481 Fels am Wagram
St. Urban-Straße 3, Tel. 02738/2344, Fax -4
weingut@urbanihof.at, www.urbanihof.at
Der Urbanihof hat über die Jahre hinweg immer wieder mit kräftigen Veltliner-Varianten, aber auch mit im kleinen Holz ausgebauten Rotweinen gepunktet.
Weingut Sauerstingl, 3481 Fels am Wagram
Parkstraße 11, Tel. & Fax 02738/3435
franz.sauerstingl@aon.at, www.sauerstingl.at
Ein klarer Schwerpunkt dieses Betriebes liegt zweifellos auf dem Grünen Veltliner, der in vier Varianten angeboten wird, aber auch der rare Rote Veltliner ist schon aus mehreren Jahrgängen sehr gut angekommen.
Weinhof Waldschütz, 3474 Sachsendorf 17
Tel. & Fax 02738/2387
wein@waldschuetz.at, www.waldschuetz.at
Aus der weit gefächerten Palette des Weinhofes Waldschütz sind des Öfteren der Weiße Burgunder, aber auch so manche Dessertweine äußerst positiv aufgefallen.
Winzerhaus Zehetner, 3470 Kirchberg am Wagram
Ottental 6, Tel. 02279/3481, Fax -27398
weinbau-zehetner@tele2.at
Das Winzerhaus Zehetner hat sich in den letzten Jahren mit zahlreichen Spielarten des Grünen Veltliners profiliert, der von verschiedenen Böden und in unterschiedlichen Gewichtsklassen angeboten wird.
Weingut Zwickl, 3470 Kirchberg am Wagram
Müllergraben 2, Tel. & Fax 02279/2386
Über den ortsüblichen Grünen Veltliner hinaus ist dieses Weingut zuletzt ein Garant für kraftvolle Weine aus den Burgundersorten, in erster Linie Weißburgunder und Grauburgunder, geworden.