Die Federspiel-Kategorie der Wachau aus dem jüngsten Jahrgang 2008 zu beurteilen war diesmal eine überaus vergnügliche Herausforderung. Betrachtet man die Ergebnisse in der Flasche, ist es schwer zu glauben, dass dieser Jahrgang aus Sicht der Winzer einer der schwierigsten seit vielen Jahren war. Über 200 Weine wurden verkostet – die jeweils besten Grünen Veltliner und Rieslinge sind die Federspiel-Cup-Sieger 2009. Text von Peter Moser
Der Jahrgang 2008 bescherte den Wachauer Winzern regelrecht Spannung bis zur letzten Minute – ein Nervenkitzel, auf den so mancher liebend gerne verzichtet hätte. Für jene, die bereit waren, im Weingarten jede Anstrengung auf sich zu nehmen, und die das Risiko in Kauf nahmen und mit der Lese möglichst lange zuwarteten, hieß es schließlich: Ende gut, Ernte gut. Sieht man von den Erträgen ab, die diesmal in der Wachau wieder deutlich (je nach Sorte zehn bis 15 Prozent) geringer ausgefallen sind als 2007, kann man sich über rundum gelungene Weine freuen. Die 2008er sind geprägt von einer präsenten, animierenden Säurestruktur, einer sehr guten mineralischen Komplexität und im Bereich der Smaragdweine auch etwas niedrigeren Alkoholwerten. Auch auf den Etiketten der Federspiele ist vermehrt 12 Vol.-% als Alkoholwert angegeben, dank der durchschnittlich recht guten Extraktwerte schmecken die Weine aber sehr komplett, und dank ihrer Rasse sind sie sehr trinkanimierend.
Der Winter verlief mild und vergleichsweise trocken, das Jahr begann mit wenig Schnee und wärmeren Durchschnittstemperaturen als gewohnt. Ende Februar wurden in der Wachau sogar Temperaturen von knapp 20 °C gemessen – davon konnte man 2009 nur träumen. Der März verlief normal mit einem kurzen Wintereinbruch Mitte des Monats. Durch den milden Witterungsverlauf erfolgte der Austrieb Mitte bis Ende April. Die ersten Blüten zeigten sich in den Weingärten Anfang Juni, die anfangs eher kühleren Temperaturen trugen zu einem langsamen Blüteverlauf bei. Gegen Ende der Blüte gab es wieder erhöhte Temperaturwerte mit ständig wiederkehrenden Niederschlägen, was in manchen Rieden zu erhöhtem Peronospora-Druck bei Grünem Veltliner führte. Als Peronospora wird der »Falsche Mehltau« bezeichnet, eine gefährliche Pilzkrankheit. Dies stellte eine erste große Herausforderung für die Winzer dar, die diese Situation aber mehrheitlich gut bewältigen konnten.
Im Verlauf des Sommers war besonders der Juli von hohen Niederschlagsmengen und bestenfalls durchschnittlichen Temperaturen geprägt, warme und kühle Tage wechselten einander ab. Ab Mitte September erfolgte dann ein Kaltlufteinbruch, dazu kam kurzzeitig reichlich Regen. Dieser Witterungsverlauf führte nun einerseits zu einer erkennbaren Verzögerung der Traubenreife, andererseits zu einer Zunahme der Beerengewichte durch die Niederschläge; die Gefahr der Traubenfäule stieg dadurch bei früh reifenden Trauben täglich.
Die Ernte startete Mitte September mit Frühsorten wie Rivaner und Frührotem Veltliner für die Jungweine. Das auf die ersten Erntetage folgende kühle und teilweise nasse Wetter verzögerte den weiteren Leseverlauf, und es war bereits zu diesem Zeitpunkt klar, dass die Ernte mit Sicherheit bis November dauern würde. Durchschnittlich wurde für die Weinlese 2008 je nach Betrieb zwei bis vier Wochen länger gebraucht als im Jahr 2007.
Ab Mitte Oktober war man dann mit der Ernte der Steinfeder- und Federspiel-Qualitäten beschäftigt; mehrmaliges Durchlesen der Weingärten war nötig, um optimale Traubenqualität zu erhalten. Die Ernte der Federspiele dauerte bis Mitte November, und erst dann ging es zögerlich mit den Smaragden los. Wie üblich hieß es beim Riesling am längsten zuwarten, zum Glück verhinderte ein regelmäßiger und kräftiger Wind das zu starke Auftreten von Fäulnis und Botrytis. In den Spitzenlagen wurde bis in den Dezember hinein geerntet.
Über einhundert Grüne Veltliner und mehr als sechzig Rieslinge standen – neben zahlreichen Vertretern der Sortenvielfalt von Neuburger bis Gelber Muskateller – im Mittelpunkt der Probe. Die Federspiel-Weine des Jahrgangs 2008 sind mit rund 12 bis 12,5 Prozent Alkoholgehalt eher leichtgewichtig ausgefallen; durch die spätere Lese zeigen sie sich aber sehr stoffig und extraktreich und weisen eine hohe physiologische Reife auf. Generell verfügen sie auch über eine reife Säurestruktur. Sowohl Grüner Veltliner als auch Riesling sind in der Lage, neben einem präzisen Sortenbild auch viel vom Terroir preiszugeben, auf dem die Trauben gewachsen sind. Die Veltliner verbinden saftige Apfelfruchtnuancen mit feinwürzigen, tabakigen Noten und sind bereits sehr harmonisch und gut antrinkbar. Die Rieslinge haben in den ersten Monaten des Jahres 2009 immer mehr an Profil gewonnen, ihre Entwicklung hat im Vergleich zu den Veltlinern später eingesetzt, was wohl auch auf den späteren Lesetermin zurückzuführen ist. Die hohe Qualität vieler Federspiele erklärt sich auch daraus, dass oft Trauben aus den allerbesten Lagen eingeflossen sind, die Menge bei den Spitzensmaragdweinen ist in einzelnen Fällen um die Hälfte geringer als gewohnt.
Die sechsköpfige Jury unter dem Vorsitz von Vinea-Wachau-Obmann Franz Hirtzberger ermittelte in gedeckter Verkostung aus jeweils 25 Finalweinen der Sorten Grüner Veltliner und Riesling die drei Federspiel-Cup-Sieger. In der Kategorie Grüner Veltliner heißt der Sieger Andreas Lehensteiner aus Weißenkirchen, sein Federspiel »Hinterkirchen« wurde von der Jury als idealtypisch eingestuft. Lehensteiner ist beim Cup längst kein Unbekannter, in den letzten Jahren war einer seiner Weine immer ganz an der Spitze zu finden, was ihn nun endgültig als Topspezialist für das leichte Fach ausweist. Auf Platz zwei findet man Josef Fischer aus Rossatz, der mit seiner Lage Steiger punktete. Auch er hat heuer eine tolle Palette an Federspielen, allein fünf aus der Sorte Grüner Veltliner. Immer unter den Besten ist Leo Alzinger, dessen Federspiel aus der Mühlpoint als Dritter über die Ziellinie ging.
Heiß umkämpft war auch die Wertung der rassigen Rieslinge, der Cupsieg ging schließlich an die Domäne Wachau in Dürnstein mit dem Riesling »Burggarten«. Platz zwei eroberte Franz Pichler aus Wösendorf mit seinem saftigen Riesling »Terrassen«. Platz drei errang der Routinier Josef Högl aus Viessling im Spitzer Graben, er schaffte mit seiner Parade-Urgesteinslage Bruck den Sprung aufs Stockerl.
Die detaillierten Verkostungsnotizen zu allen empfehlenswerten Weinen finden Sie in der Printausgabe des Falstaff – hier hat man dann die Qual der Wahl, denn das Gute gibt es heuer im Überfluss.