Wein und Essen in perfekter Harmonie

FalstaffAusgabe 04/2008

Eleganz aus dem Reich der Mitte

Zwischen Wachau und Kamptal gelegen, profitiert das Kremstal als Kerngebiet für Riesling und Grünen Veltliner von einer Trilogie der Böden und einem pannonisch beeinflussten Klima. Für den Jahrgang 2007 wurde im ersten klassischen Weinbaugebiet an der Donau das dac-System eingeführt, das in Zukunft für ein geschärftes Profil der Kremstaler Weine sorgen wird. Im Kremstal wurde dac zweistufig eingeführt, diesmal stellen wir Ihnen die besten Weine aus der Kategorie Reserve vor und somit die Gewinner des Falstaff »Kremstal dac Reserve Cups«.
Text von Peter Moser

Am 15. März 2007 war also der ersehnte Premierentag. Erstmals konnten Winzer aus der Weinbauregion Kremstal einen Antrag auf Erlangung der staatlichen Prüfnummer für einen Reserve-Wein aus den Rebsorten Riesling und Grüner Veltliner einbringen. Neben einem Mindestalkoholgehalt von 13 Volumsprozent sollen die Weine laut entsprechender Verordnung folgenden Kriterien entsprechen: trocken, kräftige Stilistik, ausgeprägte Sortenaromatik, dicht und lang im Abgang, ein zarter Botrytis- oder Holzton ist zulässig. Die Vielfalt aller weiteren Qualitätsweine, die nicht den dac-Anforderungen entsprechen, trägt auf dem Etikett statt »Kremstal« die Herkunftsbezeichnung »Niederösterreich«. In der letzten Ausgabe des Falstaff-Magazins haben wir Ihnen die Kremstal-dac-Weine vorgestellt, nun folgen in dieser Ausgabe die Kremstal-dac-Reserve-Weine aus den Sorten Grüner Veltliner und Riesling. Eine besondere Erwähnung findet auf den Etiketten der meisten dieser Weine ihre noble Herkunft aus bester Lage. Im Kremstal finden sich bedeutende historische Lagen mit jahrhundertelanger Tradition wie Pfaffenberg, Kögl und Kremsleiten im Westen, Sandgrube, Gebling und Spiegel im Osten sowie Sprinzenberg, Steinbühel und Frauengrund südlich der Donau. Die Böden dieser Lagen haben ihren Ursprung in kristallinen Gesteinen wie Granulit und Gneis, in Löss und in Konglomerat. Das pannonische Klima mischt sich mit den kühlen Winden aus dem Waldviertel. Der mächtige ausgleichende Wasserkörper der Donau bringt besondere Eleganz und Finesse in die feinen Weine.

2007 – ein spannendes Weinjahr

Der milde Winter, der dem Jahrgang 2007 voranging, wurde seinem Namen kaum gerecht. Bis in den Mai gab es kaum Niederschläge, dafür Sonne im Übermaß. Der frühe Austrieb und Vorsprung in der Vegetation gipfelte in einer Rekord-Rebblüte noch vor dem 1. Juni, ein Zeitpunkt, der im Weinbaugebiet Kremstal bisher nur einmal registriert werden konnte. Doch am 19. Juni entlud sich über dem Kerngebiet ein heftiges Hagelunwetter, das großen Schaden anrichtete – vom Tal der Krems über Gneixendorf bis in das Gebiet südlich der Donau. Besonders betroffen war die Kremser Großlage Sandgrube. Bis Ende August drängte sich ein Vergleich mit dem Hitzejahr 2003 auf. Bis Anfang September herrschte ausgesprochene Trockenheit, die erst am 5. und 6. September durch ausgiebigen Regen beendet wurde: Bis zu 100 Liter fielen auf einen Quadratmeter. Zu diesem Zeitpunkt waren die Beeren der Hauptsorte Grüner Veltliner bereits im Weichwerden. Als vorteilhaft erwiesen sich die gut ausgereiften, festen Beerenschalen, die sich aufgrund der Trockenheit im Sommer entwickelt hatten. Der Riesling war zu diesem Zeitpunkt in der Reife noch weit weniger fortgeschritten, die Beeren daher auch nicht so dehnbar. So konnte gerade der Grüne Veltliner das plötzliche Angebot an Feuchtigkeit in mehr Menge umsetzen. Das war 2007 durchaus erwünscht, wurde doch schon ein zu kleiner Ertrag befürchtet, ebenso ein zu säurearmer, zu alkoholreicher Weißweintyp. Die Natur stellte die Balance wieder her, und die bis dahin eher unterdurchschnittliche Ernteprognose konnte deutlich nach oben revidiert werden. Bereits ab Anfang September – noch vor dem großen Regen – wurde im Kremstal in den frühen Lagen mit der Traubenernte begonnen, womit 2007 zu den sehr frühen Jahren zählt.

Die Selektion im Weingarten war besonders wichtig, weniger wegen der ursprünglich befürchteten Fäulnis, sondern vielmehr durch teils uneinheitliche Reife, besonders beim Grünen Veltliner. Die Herausforderung war dabei nicht so sehr das hohe Mostgewicht, sondern das optimale Gleichgewicht zwischen den Inhaltsstoffen und der physiologischen Reife der Beeren. In vielen Betrieben musste die Arbeit durch die Regenfälle unterbrochen werden, wodurch sich die Haupternte bis in den Oktober hineinzog. Aufgrund der hohen Zuckerreife – ein Charakteristikum für warme, trockene Jahre – war die Alkoholbildung bei der Gärung überdurchschnittlich, wenngleich nicht so hoch wie im Rekordjahr 2006.

Die spät gelesenen Rieslinge und Veltliner in der Reserve-Kategorie sind im Kremstal prächtig gelungen. Stoffig und extraktreich zeigen sie sich gleichzeitig mit runder, gut eingebundener Säure, die sie wirklich trinkanimierend macht. Die Weine aus 2007 erlauben einen tiefen Blick auf das Terroir, von dem der jeweilige Wein stammt. Und in dieser Hinsicht hat das Kremstal alles zu bieten: Von mächtigen Lössstufen über Konglomerat bis zu steilen Terrassen auf Urgesteins-Verwitterungsböden gibt es recht unterschiedliche Faktoren, die neben dem Kleinklima die Weine prägen.

Kremstaler Siegerweine

Zum Ergebnis des ersten Kremstal dac Reserve Cups: In der Kategorie Grüner Veltliner holte sich mit Wolfgang Aigner aus Krems ein bekannter Spezialist für die österreichische Topsorte mit seiner Privatfüllung von der Sandgrube den Cup-Sieg – ein Parade-Veltliner, der mit nur € 11,50 einen vergleichsweise geringen Preis hat. (In der kommenden Ausgabe werden wir eine Vertikale dieses Kremser Grand Cru präsentieren.) Denn zweiten Platz teilen sich gleich drei tolle Grüne Veltliner aus unterschiedlichen Terroirs: »Der Löss« vom Weingut Hermann Moser aus Rohrendorf, einem aufstrebenden Traditionsweingut, gekeltert vom talentierten Martin Moser, der Veltliner »Vom Urgestein« von der Paradelage Ehrenfels, die Franz Proidl aus Senftenberg unmittelbar unter der pittoresken Burgruine in jahrelanger Kleinarbeit rekultiviert hat, und schließlich »Tabor«, wo Meinhard Forstreiter aus Hollenburg, ebenfalls ein Meister des Veltliner-Faches, seine Trauben von hundertjährigen wurzelechten Rebstöcken erntet. Beim Riesling Kremstal dac Reserve geht der erste Platz und der erste »Falstaff Kremstal dac Reserve Cup« an Josef Schmid aus Stratzing für seinen Riesling aus der Lage Sunogeln, einer Südlage mit Urgesteinsuntergrund. Der Name der Riede stammt aus der Mundart für »wo di Sunn hin nogelt«. Ein zweites Mal Platz zwei geht an Franz Proidl aus Senftenberg mit dem Wein von der Riede Ehrenfels, und den dritten Platz schließlich sicherte sich der Hauerhof Tanzer in Thallern mit dem Riesling »Antonia« – dieser ist zum wohlfeilen Preis von € 8,– mit Sicherheit bald vergriffen.

Die Verkostungsnotizen zum Kremstal DAC Reserve Cup finden im Falstaff-Tasting Corner und in der Printausgabe Nr. 4/2008.