Wein und Essen in perfekter Harmonie

FalstaffAusgabe 04/2008

Grüner Veltliner Grand Prix 2008

Der Grüne Veltliner ist der Paradewein der gesamten Nation. Auch auf dem internationalen Parkett ist der Grüne Veltliner in seinen verschiedensten Ausformungen geschätzt und gefragt. Seit vielen Jahren widmet das Falstaff- Magazin dem Grünen Veltliner aus Niederösterreich – wo jeder zweite Rebstock ein Veltliner ist – einen eigenen Grand Prix, um dem klaren, unverfälschten Sortentypus eine Bühne zu geben.
Text von Peter Moser

Alles im grünen Bereich« – so lautete das Motto für die diesjährige Falstaff-Grüner-Veltliner-Prämierung, bei der die Grand-Prix-Sieger 2008 für Österreichs wichtigste Rebsorte ermittelt wurden. Mit Unterstützung der Niederösterreichischen Versicherung und in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Niederösterreich wurden die rund fünfzig bei der NÖ-Wein höchstbewerteten Weine der Sorte Grüner Veltliner vom Falstaff-Panel verkostet. Diesen Weinen wurden rund fünfzig weitere Weine von sehr renommierten Veltliner-Erzeugern gegenübergestellt, die von der Falstaff-Redaktion eingeladen wurden und nicht an der Landesprämierung teilgenommen hatten. Damit war sichergestellt, dass sich der Grand Prix tatsächlich auf höchstem Niveau bewegte.
Durch die Teilnahme der Spitzenbetriebe am »Falstaff Grüner Veltliner Grand Prix« gewinnt der Erfolg eines noch weniger bekannten, aber sehr guten Weines an Bedeutung. Und auch in diesem Jahr konnte sich ein Vertreter aus dem Pool der Landesweinbewertung durchsetzen und einen Rang im Spitzentrio belegen.

Gleich 20 Weine schafften es in die Fünf-Sterne-Kategorie. Der Sieger Fred Loimer kommt aus Langenlois im Kamptal, den zweiten Platz erreichte der amtierende »Winzer des Jahres« Bernhard Ott aus Feuersbrunn am Wagram, und Platz drei ging an Markus Huber aus Reichersdorf  im kleinen Traisental. Letzteres ist besonders bemerkenswert, weil damit zum dritten Mal in Folge ein Traisentaler Winzer einen Stockerlplatz erreicht hat, nachdem in den beiden Jahren zuvor Ludwig Neumayer (2006) und Markus Huber (2005) sogar der Grand-Prix-Sieg gelungen war. Damit ist es dem Traisental gelungen, sich mit dem Grünen Veltliner einen erstklassigen Ruf zu erarbeiten, was noch mehr Dynamik in die kleine Region bringen wird.

Suche nach dem klassischen Veltlinerbild

Dem Falstaff-Verlag ist es ein besonderes Anliegen, den Grünen Veltliner in seiner ursprünglichen Sortencharakteristik zu fördern. Es wurde daher vor einigen Jahren der »Grüner Veltliner Grand Prix« ins Leben gerufen, der dem Leser ein möglichst klares Bild der Sorte vermitteln soll. Gerade in einer Zeit, in der die moderne Kellertechnik bereits mehr Einfluss zu haben scheint als das Herkunftsgebiet und das Terroir, haben wir uns vorgenommen, den wirklich typischen Grünen Veltlinern eine Bühne zu bieten. Volle Entschleimung der Moste, Reinzuchthefen für spezielle Aromen, Kaltvergärung, kurze Verweildauer im temperaturgesteuerten Edelstahlbehälter und dergleichen mehr haben zu einer Uniformierung der Weißweine geführt, die bereits über die einzelnen Sorten hinausreicht. Veltliner mit Sämlingnoten, Veltliner mit Sauvignon-Blanc-Bukett, rieslinghafte Veltliner, burgundische Veltliner – sie mögen alle für sich allein genommen gute Weißweine sein, die durchaus dem Publikumsgeschmack entsprechen. Aber eines haben sie gemeinsam (und wenn sie hundertmal aus reinen Veltliner-Trauben erzeugt wurden): Sie bieten keine klare Sortentypizität. Wir haben uns daher wieder auf die Suche nach – unserer Meinung nach – vorbildlichen Grünen Veltlinern begeben und nicht nach dem besten Weißwein aus Grüner-Veltliner-Trauben gesucht. Das Fachpanel hat diese Anforderung sehr ernst genommen, und das Ergebnis unterstreicht dies sehr nachdrücklich.

Von Anfang an haben wir uns für diese Prämierung auf den klassischen Veltlinertyp festgelegt, das heißt, die Weine müssen »extratrocken« ausgebaut sein, dürfen daher keinen Restzuckerwert aufweisen, der vier Gramm je Liter übersteigt. Der tatsächliche Alkohol ist mit 13 Vol.-% nach oben gedeckelt. Sowohl Kabinett- als auch Qualitätsweine, die diese Bedingung erfüllen und sich über die Landesweinbewertung qualifizieren, werden in den »Falstaff Grüner Veltliner Guide« aufgenommen, wenn sie auch bei der Falstaff-Probe entsprechende Punkte sammeln. Aus diesem Pool von exakt hundert Weinen wurden einerseits die Weine ausgeschieden, die nicht genügend Punkte erreichen konnten, andererseits jene, die trotz einer unbestrittenen Qualität von der Mehrheit der Verkoster als zu wenig oder gar nicht sortentypisch beurteilt wurden. Dieses Auswahlverfahren bietet dem Konsumenten doppelte Sicherheit: Zuerst passiert der Wein die strengen Juroren der amtlichen Kost, dann wird er von den Redakteuren und dem Profipanel auch nach hedonistischen Prinzipien beurteilt. Das gewährleistet dem Konsumenten einen garantierten Veltlinerspaß. Jahr für Jahr werden auf diese Art auch unbekannte Winzer entdeckt, in deren Kellern ungehobene Schätze schlummern. Der »Grüner Veltliner Grand Prix« ist für Winzer eine Chance, ihre Weine einem größeren Publikum zu präsentieren. Ein weiterer Vorteil ist die für den Weinfreund angenehme günstige Preisgestaltung, denn Newcomer-Betriebe haben in der Regel auch die börsenfreundlicheren Tarife.

2007: Veltliner mit Frucht und Eleganz

Das Jahr 2007 brachte eine Vielzahl an ausgezeichneten Weinen hervor, die von feiner Frucht und einer ausgeprägten Mineralik geprägt sind. Die kleinen Unterschiede des Herkunftscharakters wurden bei den besten Weinen sehr genau herausgearbeitet. Die Weine zeigen sich bereits jetzt sehr harmonisch, verfügen über ein trinkanimierendes, aber nicht überzeichnetes Säurespiel und sind durchaus zur längeren Lagerung geeignet. 2007 wird als ein Jahrgang in die Weingeschichte eingehen, der viel Trinkfreude zu bieten hat.
Die Verkostungsnotizen zum Grüner Veltliner Grand Prix finden im Falstaff-Tasting Corner und in der Printausgabe Nr. 4/2008.