Wein und Essen in perfekter Harmonie

FalstaffAusgabe 03/2008

Prämierung  Kremstal dac Cup: Die Premiere

Mit Anfang 2008 ist die österreichische Weinszene um ein weiteres dac-Gebiet reicher geworden. Das Falstaff-Magazin wurde eingeladen, die klassischen dac-Weine aus beiden Sorten zu degustieren und jeweils pro Sorte die drei besten als »Kremstal dac Cup«-Sieger zu ermitteln. Text von Peter Moser

Nach dem Weinviertel, dem Mittelburgenland und dem Traisental ist das Kremstal bereits das vierte Weinbaugebiet, das sich für den dac-Begriff als Bezeichnung für regionaltypische Qualitätsweine mit Herkunftsprofilen entschieden hat. Noch im Dezember 2007 wurden per Verordnung des Landwirtschaftsministers Dipl.-Ing. Josef Pröll die dafür nötigen Rahmenbedingungen geschaffen.

Mit dem Jahrgang 2007 werden auch im Kremstal Grüne Veltliner und Rieslinge angeboten, die mit dem Begriff »Districtus Austriae Controllatus« durch eine klar definierte Herkunft, kombiniert mit geprüften sortenstilistischen Merkmalen, gekennzeichnet sind. Im Kremstal hat sich das Interprofessionelle Komitee für ein zweistufiges System entschieden: Es gibt eine dac-Kategorie für Weine bis maximal 13 Vol.-% Alkoholgehalt und eine Reserve-Kategorie, die für die kräftigeren Weine und einen späteren Markteintritt vorgesehen ist.

Was zeichnet Kremstal-dac-Weine aus?

Wie also muss ein Wein beschaffen sein, um die Bezeichnung »Kremstal dac« führen zu dürfen? Zunächst dürfen die Trauben ausschließlich im Kremstal geerntet worden sein, dac ist nur für die beiden Sorten Riesling und Grüner Veltliner möglich. Die Weine müssen trocken ausgebaut sein, das Erntejahr ist verpflichtend anzugeben. Weitere Verkehrsbezeichnungen wie Kabinett, Spätlese oder Qualitätswein sind unzulässig, die Angabe des Weinbaugebiets ist ebenfalls zu unterlassen, weil dies alles im Begriff Kremstal dac inkludiert ist. Die Bezeichnung »dac« muss in direktem Zusammenhang mit der Angabe »Kremstal« auf dem Etikett stehen und darf im Schriftbild – im Unterschied zur Kremstal dac Reserve – höchstens halb so große Schriftzeichen wie die der Bezeichnung »Kremstal« verwenden. Als typisches Geschmacksbild für den Grünen Veltliner ist für Kremstal dac »frisch, fruchtbetont, feine Würze, keine Botrytisnote, kein Holzton, nicht alkohollastig« definiert, für den Riesling »duftig, steinobstaromatisch, elegant, mineralisch, keine Botrytisnote, kein Holzton, nicht alkohollastig«. Der vorhandene Alkoholgehalt ist mit 12 oder 12,5 Vol.-% auf dem Etikett anzugeben. Per Beschluss des Regionalen Weinkomitees Kremstal kann in Ausnahmejahren der Alkoholgehalt auch mit 13 Vol.-% auf dem Etikett angegeben werden. Für den Einführungsjahrgang 2007 wurde diese Ausnahme genehmigt, es gibt also klassische Kremstal-dac-Weine, auf deren Etiketten 13 Vol.-% angegeben sind.

Ein wesentlicher Punkt ist die Regelung des Verkaufsbeginns der Weine. Ein Antrag zur Erlangung der staatlichen Prüfnummer für Wein mit der Verkehrsbezeichnung »Kremstal dac« darf erst ab 1. Jänner des auf die Ernte folgenden Jahres gestellt werden. Da bis zur Erteilung der Prüfnummer und dem Erstverkauf noch mehrere Wochen verstreichen, kann man daher den Februar des der Ernte folgenden Jahres als frühesten Verkaufstermin annehmen. Damit ein Wein die Verkehrsbezeichnung »Kremstal dac« bekommen kann, ist natürlich die positive Erteilung der staatlichen Prüfnummer und eine damit verbundene kommissionelle Verkostung in der Außenstelle des Bundesamtes für Weinbau in Krems erforderlich. Mindestens vier Verkoster der amtlichen Kostkommission wurden vom Regionalen Komitee Kremstal hinsichtlich der Beurteilung des typischen Geschmacksprofils der oben genannten Weine geschult. Dafür hat das Regionale Weinkomitee besonders typische und hochwertige Pegelweine zur Verfügung gestellt.

Kremstal dac auch als Reserve

Als zweiter Baustein des Kremstal dac wurde der Begriff einer »Reserve« eingeführt. Die Verwendung der Zusatzbezeichnung »Reserve« ist unter folgenden Bedingungen möglich: Die Bezeichnung »Reserve« ist auf dem Etikett in unmittelbarem Zusammenhang mit dem bestimmten Anbaugebiet Kremstal und in Schriftzeichen anzugeben, die gleich groß sind wie die für die Angabe »Kremstal« verwendeten. Sie ist weiters jedenfalls auf dem Vorderetikett anzugeben. Bei der Kremstal dac Reserve ist der vorhandene Alkohol mit mindestens 13 Vol.-% anzugeben. Die Weine haben folgende Charakteristik aufzuweisen: »kräftige Stilistik, ausgeprägte Sortenaromatik, dicht und lang im Abgang, ein zarter Botrytis- und Holzton ist zulässig«. Der Restzuckergehalt darf maximal neun Gramm betragen.

Der Markteintritt der Reserveweine erfolgt natürlich später als beim »klassischen« dac-Wein. Ein Antrag zur Erlangung der staatlichen Prüfnummer darf nämlich erst ab dem 15. März des auf die Ernte folgenden Jahres gestellt werden, womit die Weine in der Praxis erst ab Ende April, Anfang Mai für die Verbraucher verfügbar sein werden. Für den Jahrgang 2007 wurde festgelegt, dass alle übrigen Qualitätsweine für den Übergang zur lückenlosen Anwendung der dac-Verordnung beginnend mit dem Jahrgang 2008 auf Basis der bisher geltenden Bestimmungen bezeichnet werden. Mit dem Jahrgang 2008 ist die Herkunftsbezeichnung »Kremstal« dann ausschließlich den besonders regionstypischen dac-Weinen aus den Sorten Grüner Veltliner und Riesling vorbehalten.

»Wir wollen dem Gebiet mit Kremstal dac eine zusätzliche Identität verleihen und den Begriff Kremstal stärker als Marke, bei der man sich wohlfühlt und der man vertrauen kann, positionieren«, erklärt Sepp Mantler, Obmann des Regionalen Weinkomitees Kremstal, die Beweggründe für die Entscheidung. »Zusätzlich sind wir stolz auf eine der ältesten Lagenkulturen Österreichs und wollen dies auch unter Kremstal dac beibehalten.« Erfreut über die Entscheidung des Regionalen Weinkomitees zeigt sich auch die Österreichische Weinmarketinggesellschaft (ÖWM), die als erklärter Befürworter dieser Idee gilt. »Das Kremstal ist national und auch international ein renommiertes Weinbaugebiet. Die Kremstal dac stärkt unsere Bestrebungen nach typischen Herkunftsweinen in Österreich«, ist Mag. Willi Klinger, Geschäftsführer der ÖWM, überzeugt.

Die Cupsieger 2008

Nun zu den Ergebnissen der Verkostungen, bei der sich die Falstaff-Jury ein Bild der unter der Bezeichnung »Kremstal dac« abgefüllten Weine machen konnte. Die durchschnittliche Qualitätslatte lag hoch, die Weine zeigten in beiden Sorten ein sehr homogenes Bild. Logischerweise spielt bei der Sortenausprägung im Kremstal die exakte Herkunft, sprich das Terroir, eine grundlegende Rolle. Denn das Kremstal hat bekanntlich im Wesentlichen drei Bodentypen zur Verfügung: Neben den Konglomeratböden sind die Urgesteins- und Urgesteinsverwitterungsböden sowie die mächtigen Lössböden die markantesten Exponenten. Abhängig davon variieren die stilistischen Ausdrucksformen von feinziseliert und mineralisch bis fruchtbetont und stoffig. Rund hundert gefüllte, mit staatlicher Prüfnummer versehene Weine wurden in der jungen Kremstal-dac-Kategorie für Weine bis max. 13 Vol.-% Alkoholgehalt eingereicht.

Als erster Sieger in der Sortengruppe Grüner Veltliner darf sich Josef Schmid aus Stratzing mit seinem Grünen Veltliner dac Kremser Weingärten freuen. Auf Platz zwei rangiert Martin Nigl aus Senftenberg mit seinem Klassiker Grüner Veltliner dac Piri. Die Bronzemedaille teilen sich ex aequo auf dem dritten Platz die Weingüter Alois Zimmermann aus Theiss mit dem Grünen Veltliner dac Kremser Gebling sowie Malat aus Palt mit dem Grüner Veltliner dac Höhlgraben. Die Kategorie Riesling Kremstal dac entschied die Familie Malat mit dem Riesling dac Steinbühel für sich, ganz knapp gefolgt vom Weingut Salomon Undhof mit dem Riesling dac Kögl. Auch hier gab es auf dem dritten Rang eine Ex-aequo-Entscheidung, und so können sich sowohl Sepp Dockner aus Höbenbach mit dem Riesling dac Antonius als auch Martin Moser vom Weingut Hermann Moser in Rohrendorf mit dem Riesling dac Gebling über ihr erstklassiges Abschneiden freuen. Die Verkostungsnotizen zum ersten Teil des »Falstaff Kremstal dac Cups« finden Sie in der Print-Ausgabe Falstaff 03/2008 unter den Tasting-Notes. In der Juli-Ausgabe folgt dann der Bericht zu den Ergebnissen der Degustation der »Kremstal DAC Reserve«-Kategorie.