Wein und Essen in perfekter Harmonie

FalstaffAusgabe 02/2008

Wachau  Federspiel-Cup 2008:
Feine Rieslinge, enttäuschende Grüne Veltliner

Nicht alles war eitel Wonne beim diesjährigen Federspiel-Cup. Während sich die Rieslinge rassig und trinkanimierend präsentierten, kamen die Grünen Veltliner bei den Verkostern der Jury weniger gut an. Das Foto der beiden Cupsieger könnte auch vom letzten Jahr stammen, denn die Gewinner in den beiden Kategorien heißen wie im Vorjahr Jäger und Schmelz, allerdings in der jeweils anderen Sortenkategorie als zuletzt.
Text von Peter Moser

Eine Ausgabe früher als gewohnt berichten wir von der diesjährigen Verkostung, zu der alle Produzenten der »Vinea Wachau« eingeladen waren, Weine der Kategorie Federspiel 2007 einzureichen. An die 200 Muster, hauptsächlich aus den Rebsorten Grüner Veltliner sowie Riesling, wurden gesammelt und einer Blindprobe unterzogen, um den Cupsieger der beiden Hauptsorten zu ermitteln.

Zunächst stand der Riesling auf dem Prüfstand, und die Paradesorte der Wachau konnte in dieser mittelgewichtigen Kategorie überzeugen. Wichtigstes Merkmal des Jahrgangs ist hier einerseits eine betont rassige Säure, in manchen Fällen sogar etwas zu viel des Guten, und andererseits eine gewisse Leichtigkeit. Gerade nach dem schwergewichtigen, alkoholreichen Jahrgang 2006 zeigen sich die Federspiel-Rieslinge von 2007 mit 12 bis 12,5 Volumsprozent Alkoholgehalt der Kategorie punktgenau angepasst und entsprechen so der gewünschten trockenen Kabinettklasse, anstatt als »Fast-schon-Smaragde« an der 13-Prozent-Grenze anzustoßen. Die besten Rieslinge weisen eine ausgeprägte Mineralik und ein feines Steinobstbukett auf, wie es in der Wachau typisch ist, ohne übertrieben fruchtig zu wirken. Die Riesling-Federspiele konnten in guten Mengen geerntet werden und sorgen ab dem Frühsommer für jede Menge Trinkspaß. Der dritte Platz der Rieslingwertung geht an Sepp Högl aus Viessling im Spitzer Graben für den Federspiel aus seiner Paradelage Bruck, Platz zwei an den Riesling Terrassen von Paul Stierschneider vom Urbanushof in Oberloiben. Den begehrten Cup-Sieg für den Riesling holte sich Roman Jäger aus Weißenkirchen für seinen Federspiel vom Steinriegl.

Schwieriges Veltlinerjahr

Ein völlig anderes Bild als bei den mehrheitlich guten Rieslingen bot die Hauptsorte der Wachau. Über 80 Weine der Rebsorte Grüner Veltliner standen zur diesjährigen Degustation an, und schon die Vorverkostung verlief alles andere als zufriedenstellend. Ratlose Blicke auch nach der Finalverkostung der »besten« 32 Weine. Selbst diese selektionierten Weine boten noch ein ganzes Panoptikum an Mängeln, die den Degustatoren Rätsel aufgaben. Auffällig war eine gewisse Schwunglosigkeit, die von der fehlenden Struktur der Weine ausging. Die Säure wirkte relativ niedrig, viele der Weine wurden von den Verkostern als »flach« empfunden. Einige Weine erschienen sehr gereift, was auf die Beimengung von Vorjahresbeständen schließen lässt. Das ist in Maßen zwar erlaubt, befördert aber den Charakter eines Federspiels nicht gerade. Das Fehlen der nötigen Frische ließ auch eine der typischen Wachauer Stärken vermissen, nämlich die Knackigkeit, die zur Trinkfreude einfach dazugehört. Dass viele Weine mit Lagenbezeichnungen vermarktet werden, sollte auch einmal hinterfragt werden. Ist nämlich nicht einmal die Sorte als solche einwandfrei feststellbar, dann helfen Riedenbezeichnungen auch nicht weiter.

Zahlreiche Veltliner 2007 wiesen ein schotig-grasiges Bukett auf, das jeden Verehrer des populären Sauvignon Blancs entzücken wird, zum Wesen eines Grünen Veltliners gehört das allerdings ebenso wenig wie ein gewollter oder ungewollter biologischer Säureabbau, wenn dieser spürbar wird. Der ungehemmte Einsatz von Reinzuchthefen hinterließ ebenso seine Spuren wie das totale Entschleimen und eine eiskalte Gärführung. Viele der angesprochenen Punkte sind natürlich nicht neu und gelten keineswegs für die Wachau allein. Eine mögliche Erklärung für den schwachen Auftritt der Veltliner kann natürlich auch im Witterungsverlauf des Herbstes gesehen werden. Starke Regenfälle im September waren trotz der glücklicherweise kühleren Tagestemperaturen, die das Auftreten von Fäulnis eher verhinderten, für den Veltliner weit ungünstiger als für den später reifenden Riesling. Dennoch: Wer in der ersten Reihe stehen will, dem wird auch genauer auf die Finger geschaut, und wer vollmundig Codizes verkündet, der muss auch stärker darauf achten, dass die Qualität in der Flasche stimmt. Bereits im November und Dezember 2007 sind die ersten Füllungen von Federspiel-Weinen in Handel und Gastronomie aufgetaucht, angeboten von wohlbekannten Namen des Wachau-Establishments. Wenn aber die zweitwichtigste Weinkategorie der Wachau bereits so kurz nach der Ernte verramscht werden kann, dann darf man sich als Konsument die Frage stellen, wie ernst es manchen Winzern um die Werte des Wachauer Weins wirklich ist.

Wohin geht der Federspiel?

Einerseits wird festgestellt, der Federspiel – immerhin der Typus des klassischen Kabinettweines – leide an einem Imagenachteil gegenüber der begehrten Smaragdkategorie, andererseits ist man offensichtlich seitens der Vinea Wachau nicht willens, die nötigen Schritte zu setzen, um diese oft nur allzu aussagelosen Frühfüllungen zu unterbinden. Würde man den Vermarktungsstart zumindest verpflichtend in das der Ernte folgende Jahr verlegen, wie das etwa das IK Kremstal für die klassischen DAC-Weine festgeschrieben hat, wäre schon ein kleiner Schritt in die richtige Richtung getan. Auch in der Wachau müsste deswegen wohl niemand verhungern. Der weiteren Banalisierung dieser wichtigen Weinkategorie muss man in Zukunft mit geeigneten Schritten entgegentreten, sonst wird der Konsument die Rechnung präsentieren und sich rasch in benachbarten Regionen umsehen. Im Idealfall kämen die Federspiele ab 1. Mai auf den Markt, und man ließe den Smaragden Zeit bis zum 1. September. Dass deswegen weder Ruin noch Chaos ausbrechen würde, sondern beide Kategorien ihre Qualität und ihr Ansehen steigern würden, das führen die deutschen Winzer-Nachbarn mit den »Ersten Gewächsen« aller VDP-Betriebe sehr eindrucksvoll vor. Dort hat man sich dazu entschlossen, die Qualität nicht nur in die Papierform zu gießen, sondern konsequent in die Tat umzusetzen. Dafür ist in der Wachau heute die Zeit noch nicht reif, wenn es auch für die Elitebetriebe keinen erkennbaren Grund gibt, ihren Weinen etwas mehr Reife angedeihen zu lassen. Allzu späte verbindliche Termine für die Vermarktung wären als Vorschrift für alle Betriebe, man denke an Heurigenschenken und Nebenerwerbswinzer, wohl auch etwas übertrieben.

Nun soll diese Kritik nicht zur Gänze die Freude trüben, die uns die besten Grünen Veltliner Federspiele auch aus dem Jahrgang 2007 bereitet haben: Der Platz Nummer drei geht an das Team der Domäne Wachau (der Firmenname »Freie Weingärtner Wachau« ist seit Jahresbeginn endgültig Geschichte) für den Veltiner Federspiel vom Loibenberg, einen sehr eleganten und ausgewogenen Wein mit ausgezeichnetem Sortencharakter. Die »Silbermedaille« in der Veltliner-Kategorie holte sich Leo Alzinger für den Federspiel aus der Mühlpoint. Der Sieg geht an die Familie Schmelz aus Joching, die nicht nur drei Weine ins Finale der besten Veltliner brachte, sondern mit allen diesen auch Topränge erzielte, darunter der Grüne Veltliner Federspiel »Tom« als Federspiel-Cupsieger 2008. Damit ist der Rieslingsieger des Vorjahres der Veltlinersieger von heuer – und umgekehrt.
Gedankt sei abschließend den Mitarbeitern der Domäne Wachau in Dürnstein, die in bewährter Form als Sammelstelle für die Weine fungiert hat, sowie dem Serviceteam vom Restaurant »Eckel« in Wien-Sievering, das bei der Blindprobe behilflich war.
Die Notizen zum Federspiel-Cup finden Sie im Falstaff-Tastingbereich: Grüne Veltliner, Rieslinge.