Der Grüne Veltliner ist Herz und Motor der österreichischen Weinwirtschaft, die Sorte ist der Paradewein der gesamten Nation. Auch auf dem internationalen Parkett ist der Grüne Veltliner in seinen verschiedensten Ausformungen geschätzt und gefragt. Seit vielen Jahren widmet das Falstaff-Magazin dem Grünen Veltliner aus Niederösterreich, wo jeder zweite Rebstock ein Veltliner ist, einen eigenen Grand Prix, um den Jahrgangsbesten zu küren. Am 27. Juni wurden im Palais Niederösterreich vor zahlreichem Publikum die diesjährigen Preisträger geehrt. Text von Peter Moser
Unterstützt von der Niederösterreichischen Versicherung und in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Niederösterreich wurden die rund fünfzig bei der NÖ-Wein höchstbewerteten Weine der Sorte Grüner Veltliner vom Falstaff-Panel verkostet. Diesen Weinen wurden rund fünfzig weitere Weine von sehr renommierten Veltliner-Erzeugern gegenübergestellt, die von der Falstaff-Redaktion eingeladen wurden und nicht an der Landesprämierung teilgenommen hatten. Damit sollte sichergestellt werden, dass sich der Grand Prix tatsächlich auf höchstem Niveau bewegt.
Es ist eine bekannte Tatsache, dass prominente Betriebe der Landesprämierung etwas reserviert gegenüberstehen, hauptsächlich weil sie glauben, dort eher etwas zu verlieren als zu gewinnen zu haben. Durch die Teilnahme der Spitzenbetriebe am Falstaff Grand Prix gewinnt aber der Erfolg eines noch weniger bekannten, aber sehr guten Weines an Bedeutung, wenn dieser gegen namhafte Mitbewerber errungen wird. Und auch in diesem Jahr konnte sich ein Vertreter aus dem Pool der Landesweinbewertung durchsetzen und einen Rang im Spitzentrio belegen. Gleich 19 Weine schafften die Fünf-Sterne-Kategorie, der Sieger Ludwig Neumayer kommt aus Inzersdorf im Traisental, den zweiten Platz teilen sich punktegleich Michaela Haas vom Weingut Allram aus Strass im Strassertal (Kamptal) und Josef Schmid aus Stratzing im Kremstal.
Von Anfang an hat sich die Falstaff-Weinredaktion für den Grand Prix auf den klassischen Veltlinertyp festgelegt, das heißt, die Weine müssen »extratrocken« ausgebaut sein, dürfen daher keinen Restzuckerwert aufweisen, der vier Gramm je Liter übersteigt, der Alkoholwert darf einen tatsächlichen Wert von 13,5 % nicht übersteigen. Sowohl Kabinett- als auch Qualitätsweine, die diese Bedingungen erfüllen und sich über die Landesweinmesse qualifizieren, werden in den Falstaff-Grüner-Veltliner-Guide aufgenommen, wenn sie auch bei der Falstaff-Probe entsprechende Punkte sammeln. Aus diesem Pool von rund hundert Weinen sind einerseits all jene Weine ausgeschieden worden, die nicht genügend Punkte erreichen konnten, andererseits all jene, die trotz unbestrittener Qualität von einer Mehrheit der Verkoster als zu wenig oder gar nicht sortentypisch erkannt wurden.
Der Punkt sei in aller Kürze nochmals beleuchtet: Immer wieder trifft man auf sehr gute Weißweine, die zwar auf dem Etikett mit Grüner Veltliner bezeichnet sind und – so ist zu hoffen – auch aus Trauben dieser Sorte gekeltert wurden, und doch: Bei einer Blindverkostung würde jeder erfahrene Verkoster auf eine andere Rebsorte tippen. Sehr in Mode gekommen ist in den letzten Jahren ein Pseudo-Sauvignon-Stil, Weine, die grasig-würzige Noten bis hin zu eindeutigen Stachelbeernoten aufweisen, also Aromen, die man nicht mit klassischem Veltliner-Charakter assoziiert. Der Grund liegt oft in der Kellertechnik.
Seit dem Einzug von Edelstahl, Temperaturregelung und Reinzuchthefe freuen sich Österreichs Weingenießer über eindeutig sauberere Weine, die mit Frische und Frucht punkten. Durch massives Entschleimen, sehr kalte Gärführung und Verwendung von Aromahefen entstehen zahlreiche Weine, die den typischen Sortencharakter vermissen lassen. Und genau dort setzt die Kritik an. Es macht wenig Sinn, großspurig mit Lagenbezeichnungen zu prunken, wenn nicht einmal die Rebsorte eines Weines klar erkennbar ist – wie soll denn da überhaupt der Begriff »Terroir« ins Bild passen? Schön und wünschenswert wäre es, wenn es ein Wein schafft, klar auszudrücken, ob er auf Urgesteinsverwitterungsböden, auf mächtigem Lössgrund oder auf Schotterboden gewachsen ist. Der exzessive und oftmals völlig unnötige Einsatz von Reinzuchthefen sollte hier wirklich überdacht werden, die originären Hefen erzielen mit Sicherheit ein aussagekräftigeres Ergebnis.
Das Jahr 2006 brachte mit einer ungewöhnlich schlechten Blüte in manchen Ecken Niederösterreichs gewisse Mengeneinschränkungen mit sich, der Qualität der Weine war diese natürliche Ertragsreduktion aber gewiss nicht abträglich. Ein selten schöner Altweibersommer ließ ab September die Grade nach oben schnellen, das Ausbleiben der Botrytis brachte auch bei den sehr spät gelesenen Trauben blitzsauberes Material in die Keller, dank eines kühlen Augusts war zu guter Letzt auch noch reichlich Säure vorhanden, um den kraftvollen Weinen die Frische und damit das nötige Leben einzuhauchen. In der Wachau wurden Weine bis zu 15 % Alkohol produziert, die trotz ihrer Kraft am Gaumen sehr ausgewogen wirken. »Zum Datrinken sans, zum Dargehn eher net!«, war der dazupassende Satz eines erfahrenen Weinkonsumenten zu diesen Kraftlackeln aus 2006. Beim Falstaff Grand Prix wurden die ohnehin nicht gerade schwachen 13,5 % als Alkoholobergrenze beibehalten, ebenso die vier Gramm als maximaler Restzuckerwert.
Das Auswahlverfahren zum Grand-Prix-Sieger bietet dem Konsumenten eine doppelte Sicherheit. Zuerst passiert der Wein die strengen Juroren der amtlichen Kostkommission, dann wird er von den Redakteuren und dem Profipanel, in dem wiederum führende Repräsentanten der niederösterreichischen Weinbaupolitik vertreten sind, auch nach stilistischen Prinzipien beurteilt. Das garantiert dem Konsumenten einen qualitätsvollen Veltlinerspaß. Jedes Jahr werden auf diese Art zusätzlich noch unbekannte Winzer entdeckt, in deren Kellern ungehobene Schätze schlummern. Der Grüner Veltliner Grand Prix ist somit eine Chance für den noch weniger bekannten Erzeuger, seine Weine einem größeren Publikum zu präsentieren. Ein weiterer Vorteil ist die für den Weinfreund angenehm günstige Preisgestaltung, denn Newcomer-Betriebe haben in der Regel konsumentenfreundliche Tarife. Wir haben auch heuer wieder als kleinen Kundendienst die Ab-Hof-Preise der angeführten Veltliner für Sie erfragt. Die Verkostungsnotizen und alle Ergebnisse finden Sie am Heftende.
13,4 %, helles Grüngelb. In der Nase tabakig unterlegte Noten von feuchtem Stroh, reife Birnenfrucht, Heublumen, terroirgeprägt. Am Gaumen frisch, elegante Struktur, mittlerer Körper, feiner Zitrustouch, wirkt ungemein leichtfüßig, sehr balanciert, bleibt gut haften, pikantes Finish, mit guter Länge ausgestattet, feinwürziger Nachhall, gutes Reifepotenzial.
Preis: € 10,80 (limitiert)
Weingut Ludwig Neumayer
3130 Inzersdorf ob der Traisen 22
Tel.: 02782/829 85
www.weinvomstein.at
Ludwig Neumayer ist der erste Vorreiter für Qualitätsweine in der jungen Region Traisental, der breiteren Fachkreisen bekannt wurde. Sein Vorbild hat in der Zwischenzeit Schule gemacht, einige andere Betriebe im Traisental haben nachgezogen. Mit der 2001 erfolgten Aufnahme bei den »Österreichischen Traditionsweingütern« wurde ein weiterer Schritt in Richtung Österreichs Top-Elite für Neumayer vollzogen. Die Weingärten befinden sich vorwiegend in kleinen Terrassenlagen. Das Traisental zeichnet sich durch eine komplexe Geologie aus. Im Osten, zur Donau hin, dominieren tiefgründige Lössböden. Im Westen, Richtung Wachau, findet man klassische Urgesteinsböden, Granulite. In der Gegend um Inzersdorf liegt die schmale Übergangszone zwischen diesen beiden Formationen, die von mageren und kalkreichen Konglomeratböden geprägt ist. Diese geologische Vielfalt ist ideal für besonders nuancenreiche Weine. Naturnahe und handwerkliche Bearbeitung war im Hause Neumayer seit jeher selbstverständlich geübte Tradition. Derzeit bewirtschaftet das Weingut eine Weingartenfläche von ca. neun Hektar, mosaikartig verteilt auf viele Parzellen, die Rieden tragen Namen wie Engelreich, Rafasetzen, Zwirch, Rothenbart, Gießgraben, Seigarten, Spielberg und Hendlgraben. Die Produktion besteht aus rund 40 % Grünem Veltliner, 25 % Riesling, 15 % Sauvignon Blanc, 10 % Pinot Blanc und diversen anderen Stöcken. Die weingutseigene Bezeichnung »Vom Stein« beschreibt Weine von den besten Selektionen von Spitzentrauben aus kleinen Parzellen, die sich auf den höher gelegenen Bereichen einer sehr steinigen Südlage finden, die immer als »Stein« bezeichnet wurde. Die konzentriertesten Weine, die die Quintessenz eines Jahrgangs darstellen, werden unter dem Namen »Ikon« angeboten. Die 2006er-Serie stellt in ihrer bestechenden Geschlossenheit einen Markstein im Hause Neumayer dar. Die Weine zeigen sich erstaunlich zugänglich und gefallen durch ihre Rasse und den präzisen Sortencharakter. Im Ausland wird man immer mehr auf die eigenständigen Neumayer-Weine aufmerksam, man trinkt sie mittlerweile auch in Pariser Drei-Sterne-Tempeln.
Weitere Einkaufstipps:
Riesling Der Wein vom Stein 2006
Grüner Veltliner Der Wein vom Stein 2006
Weißburgunder Der Wein vom Stein 2006
13,3 %, helles Grüngelb. In der Nase feine exotische Frucht, weißer Apfel, Maracuja und Mango klingen an, mit feiner Kräuterwürze unterlegt. Am Gaumen kernig und stoffig, saftige Textur, lebendige Struktur, ein Touch von Blutorangen, feine Würze, bleibt sehr gut haften, bietet Frische und viel Trinkvergnügen, sehr gutes Entwicklungsgpotenzial.
Preis: € 8,60
Weingut Allram
Herrengasse 3, 3491 Strass
Tel.: 02735/22 32
www.allram.at
Seit 1992 führt Michaela Haas mit ihrem Mann Erich das Traditionsweingut in Strass unter dem Namen Allram weiter. Der Grundstein ihrer Qualitätsweine wird in den Weingärten gelegt. Der geeignete Boden für jede Sorte, eine hohe Stockdichte, genaue Laubarbeit und den Ertrag reduzierende Maßnahmen lassen die Winzer von den Stärken des Gebietes profitieren. Zu den besten Weingärten des Hauses gehören die Lagen am Zöbinger Heiligenstein, die mit viel Liebe nach 30-jähriger Brache rekultiviert worden sind. Die alten Steinterrassen konnten so erhalten werden. Hier findet sich eine Flora und Fauna, wie sie sonst nur in weit südlicheren, mediterranen Gegenden anzutreffen ist. Die Rieslinge von dieser Lage zeichnen sich durch eine besondere Frucht und Mineralität und eine lange Lebensdauer aus. Galt viele Jahre das Hauptaugenmerk dem Grünen Veltliner, den die Winzer nach verschiedenen Lagen ausbauen, so konnten sie sich in der Zwischenzeit auch mit ihren Rieslingen vom Gaisberg und Heiligenstein und mit einem in Barrique gereiften Grauburgunder einen international klingenden Namen machen. Die Winzer lieben Weine mit Kraft und Eleganz, ihre finessenreichen Lagenweine haben ein hohes Potenzial. Als gelernte Ökonomin kümmert sich Michaela Haas persönlich um die Vermarktung, mit einem Exportanteil von 60 % der Produktion gehört das Weingut Allram zu den Rekordhaltern in diesem Metier.
Weitere Einkaufstipps:
Riesling Zöbinger Heiligenstein 2006
Grüner Veltliner Gaisberg 2006
Grauburgunder Hasel 2006
13,5 %, helles Grüngelb. In der Nase zarter Apfel, feine, einladende Tropenfrucht, etwas Maracuja, Blütenhonig, vielschichtig, ein Hauch von Wiesenkräutern. Am Gaumen komplex, rund, feine Extraktsüße, mineralisch unterlegt, sehr gut anhaltend, zarte Birnenfrucht im Nachhall, gutes Reifepotenzial.
Preis: € 10,50
Weingut Josef Schmid
Obere Hauptstraße 38, 3552 Stratzing
Tel.: 02719/82 88
www.j-schmid.at
Die Familie Schmid betreibt ihr schmuckes Weingut in Stratzing, einem kleinen Dorf auf einem Hochplateau zwischen Krems und Langenlois. Die Weingärten selbst befinden sich zum Großteil in Stratzing, in Bergterrassen bei Senftenberg im Kremstal sowie rund um die Stadt Krems. Damit verfügt Josef Schmid über Lössböden ebenso wie über mineralische Urgesteinsweingärten und kann so eine breite Palette an Weißweinen an idealen Standorten ernten. Die zwölf Hektar große Rebfläche wird nach dem Prinzip der integrierten, kontrollierten Produktion bewirtschaftet. Ziel ist es stets, möglichst elegante und fruchtbetonte Weine im Kabinettbereich zu erreichen. Die opulenteren Weine werden hier mit dem Begriff »Priorissa« bezeichnet, ein Name, der von allen Mitgliedern des Vereins »Kremstaler Convent« gebraucht werden darf. Die noch erstaunlich preiswerten Weine von Josef Schmid haben nicht nur zahlreiche Prämierungen erhalten, sie sind auch nahezu in der gesamten Top-Gastronomie Österreichs auf der Weinkarte zu finden.
Weitere Einkaufstipps:
Riesling Sunogeln Priorissa
2005 und 2006
Chardonnay Reserve 2006
Die Betriebsbeschreibungen sind dem gerade erschienenen »Falstaff Weinguide 2007/2008« entnommen, in den insgesamt 473 Betriebe aufgenommen wurden.