2008 war wohl das für die Winzer schwierigste Jahr der jüngeren Vergangenheit. Neben Topweinen gab es erstaunlich viele Weine, die nicht wirklich zu überzeugen vermochten.
Text von Michael Prónay
Der jüngste Jahrgang wird wohl als derjenige in die Annalen eingehen, bei dem die Winzer „permanent dem Wetter hinterhergelaufen sind“, wie es einer von ihnen sehr plastisch formuliert hat. Der fast permanente Druck durch Peronospora (falscher Mehltau, eine Rebkrankheit),Hagel da und dort und eine späte Leseperiode, die oft fast doppelt so lang verlief wie normal – all das brachte die Winzer oft an den Rand der Verzweiflung.Ein Paradebeispiel ist der Honivogl-Smaragd von Franz Hirtzberger: Der wurde in vier Durchgängen am 16., 27. und 29. November sowie am 5. Dezember gelesen, so spät wie noch nie. Der Regelfall sind zwei bis drei Durchgänge zwischen Ende Oktober/Anfang November und Mitte November. Das Ergebnis waren im Durchschnitt etwas alkoholleichtere Weine mit etwas höheren, aber keineswegs störenden Säurewerten – so ist’s zumindest die offizielle Diktion der Österreichischen Weinmarketinggesellschaft.
Die Realität – zumindest in dieser Verkostung – sieht ein wenig anders aus. Relativ viele der leichteren Weine ließen es an Fruchtcharme und Aromatik missen, sodass die Säure relativ spitz schmeckte. Umgekehrt wirkte so mancher der kräftigeren Weine seltsam lasch – ob da die höhere Reife die Säure purzeln ließ (was wir eher nicht vermuten) oder doch zu kräftig entsäuert wurde (was wir niemandem unterstellen wollen), wir wissen es nicht.
Dass die kräftigeren Weine in Summe in unserer Blindprobe vorne liegen, ist völlig selbstverständlich, auch wenn dieser Umstand da und dort heftig kritisiert wird: Ein höheres Mostgewicht bedeutet auch mehr Extrakt, also mehr Inhaltsstoffe und somit einen ausgeprägteren Geschmack.Wer leichtere Wein lieber mag,dem ist durch die Tatsache,dass wir den Alkoholgehalt bei jedem Wein angeben, geholfen. Ein weiterer seltsamer Punkt ist uns aufgefallen: Von den zehn leichtesten Weinen des Feldes, also solche mit 11,5% Alkohol oder weniger, stammen acht aus wärmeren Regionen (sechs aus dem Burgenland und zwei aus
der Thermenregion) und nur zwei aus den klassischen Veltlinergebieten Niederösterreichs.
Wir haben alle Winzer, die in unserer Datei mit Grünem Veltliner verzeichnet sind, zur Probe der trockenen Grünen Veltliner 2008 eingeladen. Die Probe war auf einen Wein pro Betrieb beschränkt. Da so mancher Einreicher sich nicht an die Beschränkung gehalten und zwei Weine geschickt hat, mussten wir zu einem drastischen Mittel greifen: Der zuerst ausgepackte Wein kam ins Starterfeld. 331 Weine waren es schließlich, die, wie immer verdeckt, nach aufsteigendem Alkoholgehalt geordnet, verkostet wurden. Fassproben sind mit „(F)“ gekennzeichnet. Erstmals haben wir auch den Restzuckergehalt abgedruckt. Es verkosteten Sandra Büchler (Diplom-Sommelière), Brigitte Oberauer (Redakteurin Guide A la Carte) und Dietmar Bruckner (Die Bouteille) und der Autor. Gedankt sei der Gastfreundschaft von Johanna und Johannes Gebeshuber vom Weingut Spaetrot in Gumpoldskirchen, dem Ort der Verkostung.
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