Logo A la Carteausgabe 01/2008

Der Aschenputtel-Jahrgang

2005 läuft nicht gerade der Ruf eines sensationellen Rotweinjahrgangs voraus. Umso erfreulicher die Ergebnisse unserer großen Blaufränker-Probe. Text von Michael Prónay

Das Jahr 2005 ist jedenfalls als eines der schwierigeren in die Annalen eingegangen. Nach einem wechselhaften Frühling verlief die Blüte uneinheitlich, was zu ungleichmäßigem Fruchtansatz und in der Folge deutlichen Ertragseinbußen führte. Der Sommer verdient den Namen kaum, der August war kühl und feucht, der September ebenfalls wechselhaft. Erst Anfang Oktober lachte die Sonne wieder, immerhin für den Rest des Monats, und verscheuchte die Gramesfalten von den Stirnen der Winzer – zumindest teilweise. Penible Weingartenarbeit war gefragt, und, so man vorhatte, Topweine zu erzeugen, auch penible Selektion bei der Lese.

Spätreifende Sorten wie Blaufränkisch oder Cabernet waren dadurch im Vergleich zu Zweigelt, Pinot Noir oder St. Laurent begünstigt. Das Ergebnis waren ein wenig schlankere, aber gut strukturierte Weine, die – für sich genommen – durchaus honorig sind und in der Spitze geradezu sensationell gut, aber im direkten Vergleich etwa zu 2003 nicht jene verschwenderische Opulenz aufweisen. Dennoch: 56 der 123 degustierten Weine kamen auf 90 und mehr Punkte, was doch auf die überraschend hohe Duchschnittsqualität der Weine schließen läßt.

Die Weine

In der letzten Zeit gibt's eine Diskussion, die großteils nur noch nervt: Hier die globalisierten, parkerisierten, uniformierten, überkonzentrierten, eichengechipsten, marmeladigen Reißbrettweine, die des Teufels sind – dort die schlankeren, spontanvergorenen, so natürlich wie möglich erzeugten trinkfreudigen Weine möglichst nur aus autochthonen Rebsorten. Wie hat es Andi Kollwentz an dieser Stelle einst so trefflich formuliert: "Große Bordeaux kommen genauso ins neue Holz wie große Burgunder, und da käme kein Mensch auf die Idee, sie als globalisiert zu bezeichnen."

Die Wahrheit liegt natürlich in der Mitte. Natürlich gibt es unharmonisch aufgeblasene Weine mit Holz, denen die Struktur fehlt, umgekehrt gibt's aber genauso Weine, die nur schlank, dünn und säuerlich einherkommen. Wichtig ist die Harmonie im Glas, und die ist bei sehr vielen Weinen da, völlig gleichgültig, ob sie mehr oder weniger Holz auf ihren Weg mitbekommen haben.

Die Topweine unserer Probe bereiten uneingeschränktes Vergnügen. Erstmals konnte sich mit dem Blaufränkisch-Juwel von Josef Gager eine Fassprobe an die Spitze setzen, was möglicherweise Diskussionen auslösen könnte. Wir sehen aber kein Problem, zum Degustationszeitpunkt im November war der Wein ganz einfach brillant, und wer den Tüftler Josef Gager kennt, weiß, dass es ihm kein Problem bereiten sollte, die Fassform auch in die Flasche zu bringen.

Mit Johann Heinrich und Toni Hartl sind ebenfalls keine Unbekannten ganz vorne zu finden, Erich Scheiblhofer aus Andau hat auch schon da und dort aufgezeigt. Sehr erfreulich das gute Abschneiden der Weingüter Hundsdorfer, Sailer und Unger, während Ernst Triebaumer ein alter und Johannes Trapl aus Carnuntum seit dem 2004er im Vorjahr (zweiter hinter dem Triebaumer'schen Mariental) ein junger guter Bekannter ist. Apropos Mariental: Der 2005er wurde erst nach unserer Probe gefüllt, der Obere Wald war aber ein mehr als würdiger Stellvertreter und schaffte es ebenfalls unter die Grand-Cru-Sieger.

Die Probe

Wir baten die Winzerschaft um maximal zwei Weine zum Thema reinsortige Blaufränker und blaufränkischdominierte Cuvées des Jahrgangs 2005. 121 Weine entsprachen den Vorgaben, bei den beiden Cuvées vom Ruster Elfenhof – einmal Blauburger/Blaufränkisch/ Zweigelt, einmal Zweigelt/Blaufränkisch/Cabernet Sauvignon – ließen wir Gnade vor Recht ergehen, wenn wir die Rebsortenangaben richtig interpretieren, die mit jener beginnt, die den höchsten Anteil an der Cuvée hat.

Wir degustierten erstmals in den Räumlichkeiten des Heurigens Mayer am Pfarrplatz, dessen Team uns vorbildlich unterstützt hat, allen voran Kellermeisterin Barbara Wimmer, wofür herzlich gedankt sei. Es verkosteten Guide-Österreich-A-la-Carte-Redakteurin Brigitte Oberauer, Kellermeisterin Barbara Wimmer, der Weinbaudiplomand an der Universität für Bodenkultur Dragos Pavelescu aus Rumänien und der Autor, beim Finale unterstützt von Willibald Balanjuk, dem Geschäftsführer der beiden Betriebe Mayer am Pfarrplatz und Pfarrwirt (vormals "Zur schönen Aussicht") gleich nebenan.

Glossar:
DV : Drehverschluss
GL: Glasverschluss
NK: Naturkork
PL: Plastikstöpsel
TT: Twin-Top-Kork, Presskork mit Naturkorkscheiben an den Enden

Die Grand Cru Sieger

Weingut Jahr/Wein Bemerkung Punkte

Josef Gager, Deutschkreutz

Blaufränkisch Juwel

14%, NK . (Fassprobe) Wunderschöne Dichte, herrlich strahlende, brillante Frucht, saftig und klar, ganz großer Stoff, ein Gigant.

95

Toni Hartl, Reisenberg

Tout Feu Tout Flamme (BF)

13,6%, NK+DV. Wow! Herrliche Nase, wunderschöner Fruchtglanz, ein exotischer Fruchtkorb, ein richtiggehende Heidelbeer-Lakritze-Fruchtbombe, hat Frucht und Balance und auch Eleganz, ganz ausgezeichnet.

95

J. Heinrich, Deutschkreutz

terra o. (BF/CS/ME/SY/ZW)

13,9%, NK. Saftig-füllige Dichte, wunderbar kraftvolle Dichte, eine richtige Fruchtbombe, prachtvoll strahlend, harmonische Vanille, ganz ausgezeichnet.

93

J. Heinrich, Deutschkreutz

Goldberg Reserve (BF)

13,75%, NK. Ganz klare, höchst klassische Blaufränkernase; feine, wunderschöen Dunkelfruchtfülle, brillante Frucht, strahl und singt, ausgezeichnet.

93

Anton Hundsdorfer, Neckenmarkt

Cuvée Canis (BF/ZW/ME/CS)

14%, NK. (Fassprobe) Feine, klare, wunderschön konturierte Beerenfrucht; saftiger, feiner Fruchtbiss, wunderbar feste Textur, dicht, knackig, ein schlafender Riese.

93

Erich Scheiblhofer, Andau

Blaufränkisch Reserve Ried Brunnacker

14%, NK. Feine Dunkelfruchtfülle, saftig und dicht, vielleicht weniger sorten- als allgemein rotweinig betont; kraftvoll dicht, saftig, ein Gigant von einem Wein, absolut toll.

93

Gerald Unger, Deutsch Schützen

Blaufränkisch Limitation

13%, NK. Sehr feine, klare, deutliche Blaufränkernase; feine Holz, kräftige Tannine, aber alles gut verpackt, wunderschöne Struktur, ganz ausgezeichnet.

93

Wein und Schnaps Mariell, Großhöflein

Leithaberg Rot (BF/ZW/BB)

13,5%, NK. Feine Röstaromatik, der Espresso lässt grüßen, auch Vanilleschoten; dicht, saftig, wunderschöner Biss, dabei elegante Struktur, sehr fein.

92

Sailer, Großhöflein

Blaufränkisch Wulka

13%, NK. Feine Vanille und hübsches Holz; am Gaumen wunderschöne Wildkirsch-PEZ-Noten, ausgezeichnet, gute Länge.

92

Johannes Trapl, Stixneusiedl

Spitzerberg (BF)

13,5%, NK. Feine, dichte Würze, wunderschöner Biss, tief und saftig; klare, daftige, dichte Frucht, hat Tiefgang und deutliches Potential, ausgezeichnet.

92

Ernst Triebaumer, Rust

Blaufränkisch Oberer Wald

13%, GL. Tiefe Dunkelfrucht, Wald, Brombeeren mit einem Hauch von Veilchen; saftige Cassisfrucht, wunderschön klarer Biss, saftig, schöne Balance, Zukunft.

92

Download:
>>> Das komplette Verkostungsergebnis im pdf-Format (44 kB)