Dass in der Steiermark der Sauvignon Blanc eine fulminante Karriere gemacht hat, darf als hinlänglich bekannt vorausgesetzt werden. Allerdings haben die Steirer kein Monopol auf die Sorte, wie unsere Verkostung feiner burgenländischer Exemplare gezeigt hat.
Text von Michael Prónay
Der Sauvignon Blanc ist eine Rebsorte, deren internationales Image nach wie vor nicht ganz ihrem „inneren Wert“ – wenn es denn so etwas überhaupt gibt – entspricht. Der höchsten Wertschätzung erfreut sich beim Weißwein einerseits der Riesling – quasi eine plurizentrische Sorte, denn die feinsten Exemplare kommen aus Deutschland, Österreich und dem Elsass –, andererseits der Chardonnay mit dem unbestrittenen Mount Everest Montrachet in Burgund. Als kecker Newcomer an der Spitze ist durchaus der Grüne Veltliner zu verzeichnen, nur wissen das vorerst nur Insider, nicht aber das breite Publikum.
Dabei hat der Sauvignon alles, was einen großen Wein ausmachen kann: Sowohl Qualität in der Jugend, als auch solide Lagerperspektiven. Ein vor kurzem getrunkener Hochgrassnitzberg 1992 der Brüder Polz war für mich der Wein eines Abends, der mit Cheval Blanc und Konsorten nicht gerade schwach bestückt war.
Der international nicht gefestigte Ruf der Sorte hat mehrere Gründe. Zum einen ist die Loire als Sauvignon-Stammregion mit den AOCs Sancerre und Pouilly-Fumé nicht „in“, sieht man vom Superstar Didier Dagueneau und seinem „Silex“ einmal ab. Andererseits gelten Sauvignons aus Neuseeland – die andere weltweit bekannte Herkunft – von Anspruch wie von Preisgestaltung her als vergnügliche Alltagsweine ohne höhere Ambitionen. Die Steiermark wiederum tut sich mit ihrem Preisgefüge international schwer.
Aber genug philosophiert, wenden wir uns der Sorte zu. Die Sorte kam relativ spät in die Steiermark, wo sie bis in die 1980er Jahre unter dem etwas irreführenden Namen „Muskat-Silvaner“ bekannt war. Dass Erzherzog Johann sie in den 1830er Jahren in seine Musterweingärten importieren hat lassen, dürfte ins Reich der Legende zu verweisen sein, denn die Brüder Goethe führen den Sauvignon in ihrem Mitte der 1870er Jahre erschienenen Atlas der für den Weinbau Deutschlands und Österreichs werthvollsten Traubensorten nicht an, und Hermann Goethe war immerhin „Director der Steiermärkischen Landes-Obst- und Weinbauschule zu Marburg in Steiermark“.
Als Rebsorte ist der Sauvignon eher frostempfindlich und spätreif. Trockene Böden liegen ihm weniger. Im Burgenland standen im Jahr 1999 – dem letzten Jahr der Weingartenerhebung – 55 Hektar unter Reben, in ganz Österreich 314. Wir vermuten stark, dass sich die Zahlen inzwischen signifikant erhöht haben.
Die einstigen grimmig-sämlingshaften Katzenpipi-Noten sind dank Ertragsreduktion und Zuwarten auf die volle physiologische Reife wesentlich feineren Aromen gewichen, von Hollerblüten über Brennnesseln bis zu reifen Paprikaschoten.
Für unsere kleine, aber in Summe durchaus überzeugende Probe baten wir Winzer, die im Guide Österreich A la Carte 2008 mit Sauvignons vertreten sind, um je ein trockenes (oder halbtrockenes) Exemplar, die Wahl des Jahrgangs überließen wir den Winzern. Zusätzlich schrieben wir einige Betriebe an, von denen wir wissen, dass sie Sauvignon im Sortiment haben. 17 Weine waren es schließlich, ein 2005er, zwei junge (aber höchst erfreuliche!) 2007er, die übrigen 14 waren aus dem großen Jahr 2006.