Logo A la Carteausgabe 03/2007

Der Jahrhundertjahrgang

Wir selbst sprechen selten von Superlativen, aber der Jahrgang 2006 ist beim Grünen Veltliner ein Ausnahmejahrgang, wie wir ihn tatsächlich noch nie erlebt haben.
Text von Michael Prónay

Selbst hartgesottene Kritiker, die zu Recht die Tatsache bemängeln, dass alle paar Jahre ein Jahrhundertjahrgang ausgerufen wird, dürfen wir beruhigen. Noch nie hatten wir eine Verkostung, bei der die Hälfte der Weine (genau: 159 von 322) die 90-Punkte-Hürde gemeistert hat.

Was macht den 2006er also so gut? Die Weine haben eine Konzentration, wie schon lange nicht mehr, verbunden mit einer ganzen Bandbreite an Aromen, vom Pfefferl über eine strahlende Kernobstfrucht bis zu Melone und Grapefruit, die ihresgleichen sucht. Die Weine strahlen, und das in einer bisher noch nie dagewesenen Breite.

Warum das so ist, hat mehrere Ursachen, die wir versuchen, ein wenig aufzudröseln. Da ist – wie immer mit Abstand der wichtigste Parameter – das Wetter, besser gesagt, der Witterungsverlauf. Der lange und schneereiche Winter 2005/06 sorgte einerseits für genügend Winterfeuchte. Umgekehrt bescherter er einen späten Austrieb und, damit verbunden, eine späte Blüte gegen Ende Juni. Allerdings war es gerade dann gerade deutlich kühler, was beim Grünen Veltliner zu Verrieselungsschäden in der Größenordnung von 30 bis 40 Prozent führte. Umgekehrt sorgte aber dieses Ausdünnen durch die Natur für eine ungemeine Konzentration der Inhaltsstoffe in den Beeren. Da die Böden aber gut wasserversorgt waren, war auch die kurze Hitzewelle im Juli nicht kontra-, sondern produktiv. Der August hingegen war zwar sehr feucht, aber auch sehr kühl, was einen kurzen Wachstumsstopp, aber keinen Fäulnisdruck bedeutete. September und Oktober brachten dann den schönsten Altweibersommer seit undenklichen Zeiten: Es war warm, kein Wölkchen zeigte sich am Himmel, und auch der November war wunderschön, wenn auch nicht mehr so warm. Die Veltlinertrauben konnten ihren kleinen Reiferückstand völlig locker einholen, und die Zuckergrade schossen in nie gekannte Höhen. Kühle Nächte sorgten für die besonders intensive Aromatik.

All das waren Zeichen einer für den Veltliner absolut perfekten Vegetationsperiode. Der Riesling beispielsweise verträgt Trockenheit, die beim Grünen Veltliner zu bittrigen Elementen führen kann, deutlich besser. Es gab nur einen Miniwermutstropfen: Durch späten Austrieb und den kühlen August setzte die physiologische Reife ziemlich spät ein. Das war aber nur für jene ein Problem, die für ihr Portefeuille auch leichtere Weine benötigen und dafür früh lesen mussten. Alle anderen wurden mit Veltlinern der absoluten Sonderklasse belohnt.

Gute Weine überall

Tolle Grüne Veltliner gab es heuer überall. Natürlich kommen die Topweine aus den bekannten Regionen, aber wir hatten 94 Punkte aus Wien, 91 Punkte aus Gols, ja selbst 90 Punkte aus Apetlon waren noch nie da.

An der Spitze finden wir – nicht wirklich überraschend – einige alte Bekannte. Michael Moosbrugger, der Sieger der Verkostung, wäre uns allerdings noch einen Hauch sympathischer, wenn sein Büro es schaffen würde, die Anmeldung den Weinen beizulegen, was wir seit Jahr und Tag vergeblich monieren. Martin Nigl ist auch keine Überraschung, wohl aber Anton Nothnagel, dem noch ein Extrakompliment dafür gebührt, seinen Smaragd zu verschrauben und solcherart vor Flaschenvariation zu bewahren. Mit dem „Steinleithn“ hat sich die sympathische Biowinzerin Ilse Maier endgültig in der Liga der Topwinzer etabliert. Erwähnenswert ist allerdings die Tatsache, dass selbst einem Federspiel – dem von Rupert und Erika Gritsch aus Spitz – der Sprung in den Topbereich gelang.

Apropos Topbereich: Wundern Sie sich nicht über die hohen Punkte. Grüner Veltliner an der Spitze hat ganz eindeutig Weltklasseniveau. Das bescheinigte der Sorte schon im Vorjahr François Mauss, Gründer und Chef der „Grand Jury Européen“, anlässlich einer Blindprobe in Langenlois, die Veltliner bis 1936 zurück bot: „Wenn sich erfahrene Verkoster beim Alter des Weins um ein halbes Jahrhundert verschätzen, dann ist das ein elementarer Beweis für die Größe der Rebsorte, die man zum Duo Chardonnay und Riesling hinzuzählen muss.“ Und: „Ich hätte nicht das geringste Problem, reife Veltliner gegen reife Montrachets zu stellen. Die Veltliner würden sich bravourös schlagen.“

Abweichend vom bisherigen Usus, den Titel Grand-Cru-Sieger ab 91 Punkten zu verleihen – das wären 82 Weine geworden – legten wir diesmal die Latte bei 92 Punkten, was immer noch 26 Titelträger bedeutet.

Die Grand-Cu-Sieger

Weingut Jahr/Wein Bemerkung Punkte

Schloss Gobelsburg

Kammerner Grub

14%, NK.  Wow! Prachtvolle Farbe, strahlendes Gelb; herrliche Birne, wunderschöne Frucht, herrlich verwoben, ein Glanzlicht.

98

Martin & Christine Nigl, Senftenberg

Privat

15%, DV. Wow! Wunderschön strahlende Frucht, herrliche Brillanz, tiefgründig und unglaublich dicht, gnadenlos toll, einer der schönsten Veltliner überhaupt, absolute Weltklasse.

97

Anton Nothnagl, Spitz-Radlbach

Setzberg Smaragd

14,5%, DV. Wunderschön reife Exotik, herrlich stoffig, herrlicher Biss, gelbe Frucht pur, brillant, ganz, ganz groß, endlos lang.

96

Bio-Weingut Geyerhof Ilse Maier, Furth

Steinleithn

13,5%, NK. Wunderschöne, extrem tiefgründige Nase, saftig, herrlicher Glanz, tief, Hauch Erdnuss, wunderschöne Dichte, ausgezeichnet.

95

Günther Brandl, Zöbing

Novemberlese

14,9%, DV. In der Nase verhalten, explodiert der Wein förmlich am Gaumen: herrliche Frucht, brillante Substanz, saftig, dicht und substanzreich, fast überbordende Opulenz, ausgezeichnet.

94

Freie Weingärtner Wachau, Dürnstein

Achleiten Smaragd

14%, NK. Wow! Prachtvolle Dichte, wunderschöner Stoff, der Alkohol perfekt eingebunden, großer Stoff nach jedem Maßstab.

94

Rotes Haus, Wien-Heiligenstadt

Nußberger Edellage

13,5%, NK. Wow! Sensationelle Dichte, herrliche Tiefe, wunderschöner Glanz, reifes Kernobst, ein absolut tolles Veltlinerkonzentrat.

94

Urbanushof Paul Stierschneider, Loiben

Loibenberg Smaragd

14,3%, NK. Wunderbar klare, feingliedrige Frucht, saftig und dicht, herrlich klar und sauber, sehr, sehr fein.

94

Johannes Authrieth, Hadres

Weinviertel DAC Siebenreiner

13,5%, DV. Feine Fülle, wunderbare Dichte, saftig, feiner Glanz, feine Gelbfrucht, viel Spiel, strahlt und singt, ein Paradeveltliner.

93

Josef Fritz, Zaussenberg

Schafberg

13%, DV. Weiche Fülle, saftig und knackig, wunderschöner Biss, klassisch, herrliche Veltlinerfrucht, solide Länge, toller Wein.

93

 Norbert Bauer, Jetzelsdorf

Weinviertel DAC Alte Rebe

14%, DV.  Wunderbar saftige, feine Frucht, schöne Gelbfrucht, üppige Dichte, kernig,
 herrlich aufgehend, tolle Fucht.

93

 Rupert & Erika Gritsch, Spitz

Federspiel

12,5%, DV. Birne pur! Wunderschön saftig und klar, brillante Frucht, strahlt und singt, ganz ausgezeichnet, Delikatesse pur.

93

Pfarre Weißenkirchen

Smaragd

13%, NK. Feine Frucht, die am Gaumen immer deutlicher aufgeht, saftig, tiefgründig, wunderschöne Eleganz, ausgesprochen dicht, wunderschön klar, superb.

93

Ludwig Buchecker, Gedersdorf

Spiegel

14,5%, PL.  Wow! Herrlich klare, saftige Pfeffer-Gelbfrucht-Nase, reintönig und saftig, wunderbare Opulenz, aber immer kontrolliert, herrliche Balance, ganz großer Stoff, toller Wein.

93

Weingut Jurtschitsch, Langenlois

Schenkenbichl

14,5%, NK.  Feine Fülle, wunderschöne Opulenz,  riechen wir ganz wenig (großes) Holz? Wunderschön üppige Fülle, orientalische Opulenz, der Zuckerrest (7,2 g) perfekt eingebunden, hat Stoff für zwei Weine, unglaublich.

 

93

Karl Steininger, Langenlois

Grand Grü,

14,7%, GL.  Feine Fülle, am Gaumen herrliche Frucht, wunderschöne Dichte, dezenter, gut eingebundener Zuckerrest (7,6 g), üppige Frucht, herrlicher Stoff, ganz ausgezeichnet.

93

Download:
>>> Das komplette Verkostungsergebnis im pdf-Format (100 kB)