Logo A la Carte ausgabe 04/2006

Villa Kunterbunt

Die Verkostung der Rieslinge 2005 hinterließ uns ein wenig ratlos. Während die Spitzenweine sich geradezu brillant zeigten, ließen jene unter „ferner liefen“ doch deutlich zu wünschen übrig.
Text von Michael Prónay  

Den Jahrgang 2005 werden wir hier nicht in toto rekapitulieren. Im Frühling wollte es nicht und nicht Frühling werden – so wie heuer auch –; Juli, August und September waren durchwachsen, Trockenstress war eindeutig nicht das Problem. Oktober und November aber retteten den Jahrgang, der wiederum – nach 2004 und genauso wie 2006 – ein Jahr des Winzers war.

In Summe hat der Grüne Veltliner die Kapriolen doch besser überstanden, als Gesamtgruppe waren die Weine (siehe unsere Verkostung im letzten Heft) deutlich homogener als die Rieslinge. Bei der Sorte war 2005 eine Zitterpartie, die höchste Risikobereitschaft erforderte und zusätzlich großzügigste Selektion, um ungeeignetes Material auszusortieren – und das bei einem Jahrgang, der mengenmäßig a priori schon um 20 bis 30 Prozent unter 2004 lag.

In der Spitze sind die Weine tatsächlich gnadenlos brillant, von kerniger, aber wunderschön integrierter Säure getragen, dabei messerscharf konturiert und mit höchst präzisem Fokus ausgestattet. Weiter hinten aber war die Zahl der ein wenig diffusen, gelegentlich sogar etwas langweiligen Weine überraschend hoch – ein Beleg dafür, dass der Jahrgang für den Riesling deutlich heikler war als für den Grünen Veltliner.

Solche Jahrgänge – typische „Winzerjahrgänge“ also – führen in aller Regel dazu, dass an der Spitze Newcomer seltener zu finden sind. Umso erfreulicher das Abschneiden von Ilse Mayer vom Geyerhof in Oberfucha/Furth, die sich damit nach vielen Jahren harter Arbeit wohl endgültig in der heimischen Spitze etabliert hat, was umso bemerkenswerter erscheint, als es Biowinzer in problematischeren Jahren immer noch ein wenig schwerer haben. Zwar schon bekannter, aber ebenfalls erfreulich weit vorne zu finden: Michaela Haas (Weingut Allram) aus Straß, Franz Proidl aus Senftenberg und Christian Eigl aus Joching. Besonders freut uns das gute Abschneiden der Winzer Krems, deren Pfaffenberg 2005 heuer schon in mehreren Verkostungen deutlich aufgezeigt hat.

Ein Wort zu den möglicherweise überraschend hohen Punkten in der Spitzengruppe. Wir haben uns dazu entschlossen – wie auch im Guide „Österreich A la Carte 2007“ –, die Punkte deutlich weiter nach oben auszureizen. Der Grund ist ein einfacher: Österreichs Toprieslinge (aber auch Grüne Veltliner) haben Weltklassequalität. Das sagen nicht nur wir, sondern wird uns auch immer wieder von renommierten internationalen Verkostern bescheinigt. Paradigmatisch dafür François Mauss, Gründer und Chef der „Grand Jury Européen“, die sich heuer im Juni in Langenlois sehr intensiv mit dem Grünen Veltliner beschäftigt hat, teils bis ins sehr hohe Alter – 1936(!) – zurück. Mauss’ Résumé: „Der Grüne Veltliner ist eine Rebsorte, die keinen Vergleich mit den besten deutschen Rieslingen zu scheuen braucht und auch gegen die allerbesten gereiften Weißen aus Burgund besteht.“ Was für die besten Veltliner gilt, darf uneingeschränkt auch für die besten Rieslinge gelten.

Die Probe

Wir luden alle Rieslingwinzer in unserer Datei (in die auf Wunsch jeder aufgenommen werden kann) ein, mit maximal zwei Weinen an unserer Probe „Riesling 2005 trocken und halbtrocken“ teilzunehmen. Einige wenige Weine mussten ausgeschieden werden: Welschriesling ist nun einmal kein Riesling, und ein Wein mit 13,5 g/l Zuckerrest ist nicht mehr halbtrocken, auch wenn’s fälschlicherweise auf dem Etikett steht, denn das gesetzliche Limit von 12 g/l kennt diesbezüglich keine Toleranz. 221 Weine waren’s schließlich, die wir blind nach aufsteigendem Alkoholgehalt verkostet haben. Die besten 30 wurden schließlich in einem offenen Finale gegeneinander verkostet, sodass das Ergebnis für die Grand-Cru-Sieger sehr gut abgesichert ist. Es verkosteten die angehende Weinakademikerin Sandra Büchler (Wien), Weinakademiker Paul Kiefer (Vinothek Alpe Adria, Wien) und der Autor. Zur Information haben wir den Zuckerrest bei all jenen Weinen angegeben, deren Restzucker bei 4 g/l oder darüber lag. Wir danken den Weingütern Spaetrot und Krug (beide Gumpoldskirchen) für Gastfreundschaft und mittägliche Unterfütterung der degustierenden Truppe.

"Grand-Cru-Sieger"

Punkte Weingut Wein Beschreibung

98

Franz Hirtzberger, Spitz

Singerriedel

14%, 6,5 g/l, Wow! Konzentration pur, mineralisch, dazu ein zarter Vanillehauch, alles eingebettet in unendlich tiefe Steinobstfrucht; ein wahres Marillenkonzentrat, ganz großer Stoff, unendlich lang, besser geht's ganz einfach nicht.

97

Willi Bründlmayer, Langenlois

Zöbinger Heiligenstein Alte Reben

14%, 7 g/l, Herrliche Mangonase, dicht; explodiert am Gaumen, herrlich saftige Frucht, pelzt den Gaumen aus, wunderschöne Süße, strahlt und singt, absolut brillant, Weltklassestoff.

96

Franz Hirtzberger, Spitz

Hochrain

14%, 6 g/l, Extrem konzentrierte, reife Marillennase; wunderschöner Fruchtglanz, herrlicher Biss, saftig, unendlich lang, ein Gedicht – und im Vergleich zum Singerriedel ein Preis-Leistungs-Hit.

96

Schloss Gobelsburg, Gobelsburg

Alte Reben

13,5%, Feine, blitzsaubere, geradlinige Frucht; wunderschöner Glanz, sehr präsent und dicht, auch mineralisch, saftig, wunderschön klar, brillanter Stoff, ganz und gar ausgezeichnet.

95

Wein-Gut Nigl, Senftenberg

Privat

13,5%, 5g/l, Wow, herrliche Frucht, absolut toller Stoff, strahlt und singt, wunderschöner Glanz, braucht ein wenig Luft, geht dann aber umso schöner auf.

94

Günther Brandl, Zöbing/Kamp

Novemberlese

14%, 4,6 g/l, Feine, dichte Marillennase; herrliche Marillenfrucht, wunderschöner Glanz, saftig, toller Stoff, lang, strahlt und singt , ausgezeichnet.

94

Bio-Weingut Geyerhof, Furth

Goldberg

14,5%, 5,7 g/l, Wow! Der Riesling explodiert im Glas, die Nase ist fast k.o.-geschlagen, herrliche Dichte, wunderschöner Biss, prachtvoll – damit hat sich Ilse Maier endgültig im Kreis der Großen etabliert.

94

Schloss Gobelsburg, Gobelsburg

Zöbinger Heiligenstein

13%,  Wow! Absolute Prachtnase; wunderschöner Fruchtglanz, betörender Biss, herrlich tief und geschmeidig, ein absoluter Ausnahmeriesling.

93

Bio-Weingut Geyerhof, Furth

Johannisberg halbtrocken

12,5%, 12g/l,  (Biowein) Pikante Würze, Botrytis und ein zartes Pfefferl; blitzsaubere, klare Steinobstnote, wunderschön verwoben, herrlicher Glanz,
 toller Stoff, brillant.

93

Sepp Moser, Rohrendorf

Gebling

14,3%, 5,5 g/l, Feine, dichte, kompakte Botrytiswürze, dazu Lindenblüten; herzhaft-saftiger Biss, viel Schmalz, viel Stoff, sehr seriös, enormes Potential.

92

Weingut Allram, Straß im Straßertal

Zöbinger Heiligenstein

13%, 5,1 g/l, Wunderschön dichte, klare Frucht, herrliche Substanz, auch mineralisch, wunderschöne Frucht, lebendig und fokussiert, ganz ausgezeichnet.

92

Steinerne Brücke Smaragd

Steinerne Brücke Smaragd

13,5%, 8,6 g/ Apfel, Birne, Steinobst; pikante Mineralik, der Zuckerrest passt, Körper und Alkohol in feiner Harmonie, absolut toller Wein.

92

Wein-Gut Nigl, Senftenberg

Kremsleiten

13,5%, 4,5 g/l, Wunderbar klare, feine dichte Nase, saftig und klar; toller Stoff, der Riesling explodiert förmlich aus dem Glas, zeigt Stoff und Glanz, ausgezeichnet.

92

Franz Proidl, Senftenberg

Pfenningberg

13,5%, 8 g/l, Wunderschön klar und frisch, saftig und dicht; herrliche Frucht, saubere Textur,  glasklar, tolle Sache.

92

Winzer Krems

Pfaffenberg Hauerinnung

13,5%, 4,1 g/l, Feingliedrige, deutlich mineralische Nase; wunderschöner Glanz, unglaubliche Länge, feine Extraktsüße, viel Stoff, ganz ausgezeichnet.

 

Download:
>>> Das komplette Verkostungsergebnis im pdf-Format (41 kB)