Meldungsarchiv 2007

 

Kremstal – Stimmigkeit durch Spannung

Zwei Weine stehen vor mir, ein Grüner Veltliner und ein Riesling. Elegant, doch saftig, feingliedrig, doch komplex, klassisch, doch zeitgemäß. Ganz unterschiedlich im Charakter, aber mit der Identität ihrer Herkunft. Voller Spannung und Dynamik, zugleich voller Harmonie. Ich lasse mich fallen in die Bilder, die sich aufdrängen.

Mächtige Löss-Stufen im flachen Land, steile Urgesteins-Terrassen an Flussufern. Die Donau, breit und gemächlich strömend, dem warmen, pannonischen Osten zu. Die Krems, schnell und leichtfüßig sprudelnd, südwärts aus dem kühlen Waldviertel. Stift Göttweig, das erhabene Benediktinerkloster, die Türme der historischen Weinstadt Krems. Kleine Weinorte, deren Kellergassen wie zärtliche Hände in die Weingärten tasten. Stattliche Gutshöfe, Zeugen geistlicher und weltlicher Herrschaft in der Vergangenheit. Lichtdurchflutete Kellereien, Musterbeispiele zeitgemäßer Wein-Architektur.

Ich öffne langsam die Augen, erstaunt, wo die Zeit geblieben ist. Nachdenklich geworden, versuche ich den Bildern einen Rahmen zu geben. So viele Eindrücke, und doch ist es ein Weinbaugebiet - das Kremstal.

Geologisch verwandt mit der westlich angrenzenden Wachau, herrschen im Stadtgebiet und der engeren Umgebung Urgesteinsverwitterungsböden vor, mit einem eleganten, mineralischen Weintyp. Charaktervolle Weine kommen auch aus den umliegenden Orten entlang der Krems. Ganz anders das Rebland im Osten der Stadt, mit runderen, fülligeren Weinen. Die gewaltigen Lössterrassen verleihen der Landschaft einen ganz besonderen Reiz. Die Region südlich der Donau wird vom weithin sichtbaren Stift Göttweig überrragt.

Klimatisch ist das Weinbaugebiet Kremstal ein starkes Spannungsfeld: Kühle, feuchte Einflüsse aus dem nördlichen Waldviertel treffen auf warme, trockene aus der pannonischen Tiefebene im Osten. Die Donau mit ihrer großen Wasserfläche übt dabei eine temperaturregelnde Wirkung aus. Könnten die Weingärten reden, stünden spannende Diskussionen auf dem Programm. Schließlich verteilt sich die 2.250 Hektar große Rebfläche auf ganz unterschiedliche Zonen: die Stadt Krems, die östlicher gelegenen Gebiete und die kleinen Weinorte südlich der Donau. Im historischen Krems ist die Jahrhunderte alte Weinkultur auf Schritt und Tritt spürbar, junge Winzerinnen und Winzer repräsentieren im gesamten Gebiet den Erfolg in der Gegenwart: mit Betrieben, die im Bewusstsein der großen Tradition die Ressourcen ihrer Lagen und Rebsorten Rebsorten für die Zukunft zu nutzen wissen.

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