DAC: Herkunftsmarketing stärkt heimische Weinwirtschaft
(ÖWM/BMLUW), Februar 2003)
- Regionale Komitees als Mittel der Selbstverwaltung sowie Herkunftsweine
mit klarem Geschmacksprofil positionieren Österreichs Weinwirtschaft
völlig neu: Erster DAC-Wein ab März erhältlich.
Konsument im Mittelpunkt der Vermarktung
Österreich geht einen neuen Weg in der Weinvermarktung.
Stabile Marktanteile im Inland, ein Rekordniveau im Weinexport
sowie beachtliche Imageerfolge im In- und Ausland beweisen, dass
heimische Weine zu den besten der Welt gehören. Aus Sicht
der Österreichischen Weinmarketinggesellschaft (ÖWM)
ist es nun an der Zeit, den nächsten Schritt zu tun: Mit der
Einführung von DAC-Weinen (DAC steht dabei für Districtus
Austriae Controllatus) sollen Herkunftsbezeichnungen mit klaren
Geschmacksprofilen in Verbindung gebracht werden, um zukünftig
dem Konsumenten die Kaufentscheidung zu erleichtern. „Nur
wenn wir dem Konsument am Etikett schon mitteilen, wie der Wein
schmeckt, werden wir langfristig einen Wettbewerbsvorteil haben“,
meint ÖWM-Geschäftsführer Michael Thurner anlässlich
der Präsentation des DAC-Konzepts. Damit reiht sich Österreich
ein in die Riege der Vermarktungssysteme großer Weinbauländer
wie Italien (DOC), Frankreich (AOC) oder Spanien (DO), wo am Etikett
eher die Herkunft als die Rebsorte betont wird. Nur wenn dort ein
Wein gebietstypisch schmeckt, wird er auch danach benannt (Rioja,
Chablis, Chianti, Soave), alle anderen Weine eines Gebietes tragen
größere geografische Herkünfte. In Österreich
könnte deshalb die Rebsortenbezeichnung bei gebietstypischen
Weinen (DAC) am Etikett langfristig zugunsten der Herkünfte
zurückgedrängt werden.
„Wie verwundbar unsere Weinwirtschaft mit Rebsortenmarketing
ist, zeigte 1997 Grüner Veltliner aus Ungarn in Österreichs
Weinregalen. Der Konsument dachte, es handle sich um heimischen
Wein. Rebsorten sind eben austauschbar - Herkünfte nicht!“ so
Thurner überzeugt vom strategischen Vorteil der Herkunftsvermarktung.
Das Ziel ist klar: „Wir müssen unsere Weinvermarktung
mit konkreten Botschaften noch effektiver machen, ohne dafür
mehr Geld aufzuwenden. Dadurch muss es uns gelingen, neben dem
Ausbau von Marktanteilen im Inland den Flaschenweinexport innerhalb
weniger Jahre zu verdoppeln.“
Politik setzt optimale Rahmenbedingungen
Mit der Weingesetzesnovelle 2000 wurde zur Selbstverwaltung in
den Weinbaugebieten die Gründung von Branchenverbänden (berufsgruppenübergreifende
Komitees) gesetzlich verankert. Neben dem Nationalen Komitee haben
sich dazu mit Ausnahme von Donauland und der Steiermark (die Gründungen
soll noch dieses Jahr folgen) in allen Weinbaugebieten Regionale
Weinkomitees gebildet.
Auch Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer unterstützt
die regionale Qualitätsstrategie: „Wir haben die gesetzlichen
Rahmenbedingungen für die Entstehung der Weinkomitees geschaffen.
Ihre Aufgabe ist es, als Motor der Qualitätsorientierung in
Produktion und Vermarktung zu agieren.“ Weinbaupräsident
Josef Pleil sieht die Aufgabe des Nationalen Komitees (dem er auch
vorsitzt) in der „Prüfung der Vorschläge der Regionalen
Komitees“ und als „offizielle Schnittstelle nach außen“.
Beschlüsse des Nationalen Weinkomitees können auch politisch
leichter umgesetzt werden, da es „die gesamte Österreichische
Weinwirtschaft widerspiegelt“, ergänzt Niederösterreichs
Agrarlandesrat Josef Plank, der in Vertretung des Ministers erschienen
ist. Die Aufgabe der Regionalen Komitees ist es, im Rahmen der
Selbstverwaltung Produktions- und Marketingstrategien für
regionaltypische Qualitätsweine (DAC-Weine) festzulegen. Die ÖWM
berät sie dabei in Marketingfragen und hat zur Bewerbung der
Herkünfte und gebietstypischen Weinen 2,18 Mio. EUR budgetiert.
Das Nationale Komitee setzt sich paritätisch aus Vertretern
des Weinhandels und der Produktion (inklusive Genossenschafts-
und Sektbranchenvertretern) zusammen, die Aufteilung in den Regionalen
Komitees muss hingegen den jeweiligen Marktgegebenheiten der einzelnen
Gebiete entsprechen.
Der letzte politische Schritt in der Umsetzung von DAC-Weinen
ist die jeweilige Verordnung des Landwirtschaftsministers. „Mit
der DAC Verordnung „Weinviertel“ vom 24. Jänner
2003 wurde Weinviertel DAC ermöglicht, die Weine werden ab
1. März erhältlich sein“, so Landesrat Plank stolz über
die Innovationskraft des niederösterreichischen Weinbaugebietes.
Weinviertel DAC – Erfolgskonzept für Österreichs
größtes Weinbaugebiet
Den Vertretern des Regionalen Komitees Weinviertel ist es somit
als erstes gelungen, die Gebietstypizität ihres Weinbaugebietes
mit einem DAC-Wein zu definieren. Mit knapp 16.000 ha ist das Weinviertel Österreichs
größtes Weinbaugebiet. 50% der Weingärten sind
im Weinviertel mit der Sorte Grüner Veltliner bestockt. Um
offiziell die Bezeichnung Weinviertel DAC am Etikett verwenden
zu dürfen, müssen die Weine allen Kriterien eines Österreichischen
Qualitätsweines entsprechen und eine zweite, besonders kritische,
sensorische Prüfung bestehen. Weinviertel DAC Weine zeichnen
sich als trocken ausgebaute, fruchtige und würzig-pfeffrige
Grüne Veltliner ohne Holznote aus, der Alkoholgehalt muss
am Etikett mindestens 12% betragen. „Dadurch können
wir mit Weinviertel DAC einen höheren Qualitätsstandard
und ein typisches Geschmacksbild für den Konsumenten gewährleisten“,
ist Roman Pfaffl als Komitee-Obmann und selbst Winzer aus dem Weinviertel
von der Strategie überzeugt. „Die Qualitätssicherung
und das klare Geschmacksprofil werden das Image und somit den Verkauf
unserer Weine langfristig verbessern“. Das Regionale Komitee
schätzt, dass schon heuer an die 500 Winzer ca. 1 Million
Flaschen Weinviertel DAC erzeugen. Die Menge soll mittel- bis langfristig
auf mindestens 5 Millionen Flaschen gesteigert werden, wobei der
Export neben dem Inlandsmarkt zukünftig als Absatzkanal eine
zentrale Rolle spielen soll.
Auch in anderen Weinbaugebieten wird die Schaffung von DAC-Weinen
offensiv diskutiert, man weis allerdings noch nicht, welches Gebiete
den nächsten Antrag einbringen wird. Die Österreichische
Weinmarketinggesellschaft sieht die Etablierung der Komitees sowie
die Vermarktung von Herkunftsweinen als absolut positiv: Gefestigtes
Selbstbewusstsein in den Weinbaugebieten, verstärkte Zusammenarbeit
zwischen Produktion und Handel sowie Bekenntnis zu gebietstypischen
Weinen mit Identität ist Grundvoraussetzung für national
und international erfolgreiches Weinmarketing.
DAC – geschichtlicher Rückblick
| 1994 |
Diskussionen der ÖWM über schwere Lesbarkeit Österreichischer
Etiketten in der internationalen Weinvermarktung |
| 1996 |
Erste ÖWM Vorschläge für mehr „Transparenz“ auf
den Etiketten, DAC wird geboren |
| ab 1997 |
breite Diskussion auch von Seiten des Weinbauverbandes
und des BMLF mit Fachexkursionen ins Ausland und Gastvorträgen
von Internationalen Komitees in Österreich |
| 1996/7 |
Grüner Veltliner aus Ungarn wird auf Grund einer
geringeren Ernte in Österreich im heimischen LEH
gelistet, Diskussion über die Schwächen von
Rebsortenmarketing |
| 1997 und 1998 |
Marktstudien zu Weinbaugebieten und Konsumentenerwartungen
sowie wissenschaftliche Arbeiten zum Thema DAC werden
erstellt |
| 1999 |
Robert Parker kritisiert Österreichische Etiketten
als „unleserlich und verwirrend“ |
| 1999 |
EU-Marktordnung 1999 sieht die Einrichtung von Branchenorganisationen
vor |
| 1999 |
Weingesetz 1999: Anpassung an das Gemeinschaftsrecht,
Schaffung der Weinbaugebiete Niederösterreich und
Burgenland sowie der Weinbauregionen Weinland Österreich
und Bergland Österreich |
| 7. Juli 2000 |
Weingesetzesnovelle 2000: Rahmenbedingungen für
Branchenorganisationen |
| 30. März 2001 |
Branchenorganisationsverordnung tritt in Kraft und
ermöglicht Bildung des Nationalen sowie Regionaler
Weinkomitees |
| 25. Juni 2001 |
Konstituierende Sitzung des Nationalen Weinkomitees |
| 5. September 2001 |
Beschluss Nationales Komitee zur Errichtung Regionaler
Komitees in der Thermenregion, Carnuntum, Traisental
und der Wachau |
| 28. November 2001 |
Beschluss Nationales Komitee zur Errichtung Regionaler
Komitees im Burgenland und im Weinviertel |
| 18. März 2002 |
Beschluss Nationales Komitee zur Errichtung Regionales
Komitee Kremstal |
| 12. Juni 2002 |
Beschluss Nationales Komitee zur Errichtung Regionales
Komitee Wien |
| 19. Juli 2002 |
Weingesetzesnovelle 2002 - Begriff DAC im Weingesetz
rechtlich verankert, Schaffung des Weinbaugebietes Steiermark
und der Weinbauregion Steirerland |
| 14. September 2002 |
Regionales Komitee stellt Antrag auf Weinviertel DAC
beim Nationalen Komitee |
| 12.November 2002 |
Nationales Komitee beschließt Antrag für
Weinviertel DAC und die Errichtung des Regionalen Komitees
Kamptal |
| 24. Jänner 2003 |
DAC Verordnung „Weinviertel“ tritt in Kraft |
| 1. März 2003 |
Weinviertel DAC darf offiziell an den Endverbraucher
verkauft werden |
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Presseinformation 19. Februar 2003
ÖWM: Frau Susanne Staggl
Prinz-Eugen-Straße 34, 1040 Wien
(T 01/5039267-23) , (s.staggl@weinausoesterreich.at)
BMLFUW: Herr Daniel Kapp
(T 01/711000) , (daniel.kapp@bmlfuw.gv.at)
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v.l.n.r.: Michael Thurner, Josef Plank (Agrarlandesrat
Niederösterreich, Josef Pleil (Vorsitzender Nationales Komitee),
Roman Pfaffl
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Josef Plank (Agrarlandesrat Niederösterreich,
Michael Thurner (re.). Foto-Download (jpg,
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Roman Pfaffl Foto-Download (jpg,
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